Dreizehn Analysten beobachten Nel ASA. Keiner von ihnen rät zum Kauf. Sieben stufen die Aktie als Verkauf ein, sechs als Halten — und genau in dieser Konsensfalle steckt der norwegische Wasserstoff-Spezialist eine Woche vor seinem Halbjahresbericht fest.
Am Freitag schloss die Aktie bei 0,21 Euro, ein Plus von 0,49 Prozent auf Tagesbasis. Die Wochenbilanz bleibt trotzdem rot: minus 3,27 Prozent. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 14,81 Prozent.
Ein harter Monat in einem nervösen Sektor
Seit Jahresbeginn steht für Nel noch ein Plus von 7,98 Prozent zu Buche. Der Zwölf-Monats-Vergleich kippt jedoch ins Minus: 16,06 Prozent Verlust. Die Zahlen zeigen, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat, nachdem die Frühjahrsrally verpuffte.
Nel steht mit diesem Problem nicht allein da. Plug Power verlor am 7. Juli 6,06 Prozent und fiel auf 2,48 Dollar — trotz eines frisch eingetüteten Wasserstoff-Auftrags. FuelCell Energy traf es nachbörslich noch härter: Die Aktie brach nach Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung um 15,4 Prozent ein. Marktbeobachter machen für den branchenweiten Ausverkauf vor allem Gewinnmitnahmen bei Grünenergie-Titeln und eine allgemeine Tech-Schwäche verantwortlich.
Die Konkurrenz schläft dabei nicht. Thyssenkrupp Nucera hat sich am 7. Juli mit dem indischen Staatskonzern Bharat Heavy Electricals zusammengetan, um gemeinsam alkalische Elektrolyseure für grüne Wasserstoffprojekte in Indien zu bauen. Die Partner wollen die Modulproduktion schrittweise nach Indien verlagern und sich gemeinsam an Ausschreibungen beteiligen. Ausgerechnet in einem Markt, den Nel selbst als Wachstumsfeld markiert hat, wächst damit ein finanzstarker Rivale heran.
Der 15. Juli als Testlauf
Die Blicke der Anleger richten sich auf den 15. Juli. An diesem Tag legt Nel seinen Quartalsbericht vor, und das Management dürfte sich zu Auftragsbestand, operativem Fortschritt und einem möglichen Nachfolger für den CEO-Posten äußern müssen. Håkon Volldal hatte seinen Rücktritt als Vorstandschef angekündigt — die Suche nach einem Nachfolger läuft noch.
Ein Update zur Führungsfrage könnte dem Kurs kurzfristig Richtung geben. Bleibt sie aus, dürfte die Unsicherheit die Aktie weiter belasten.
Charttechnik zeigt Fragilität
Der Blick auf die Charttechnik liefert wenig Trost. Das 52-Wochen-Hoch von 0,37 Euro, erreicht am 25. Mai, liegt inzwischen 43,37 Prozent über dem aktuellen Kurs. Zum 52-Wochen-Tief von 0,17 Euro vom 26. Februar beträgt der Puffer noch 19,58 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt bei 0,26 Euro liegt 21,40 Prozent über dem letzten Schlusskurs — ein deutliches Warnsignal für den kurzfristigen Trend. Näher liegt der 200-Tage-Durchschnitt bei 0,22 Euro, nur 3,88 Prozent entfernt. Chartanalysten beobachten diese Marke als mögliche Unterstützungszone.
Der RSI von 36,4 nähert sich überverkauftem Terrain, ohne es zu bestätigen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 65 Prozent signalisiert: Heftige Kursausschläge in beide Richtungen bleiben wahrscheinlich.
Der Quartalsbericht am 15. Juli trifft damit auf eine Aktie, die charttechnisch angeschlagen und analystenseitig ohne Rückhalt dasteht. Wie der Markt die Zahlen im Verhältnis zur wachsenden Konkurrenz in Indien und anderen Kernmärkten bewertet, dürfte über die kommende Handelswoche entscheiden.
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