Nel ASA hat am 26. Februar 2026 seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt – und damit ein Dilemma offengelegt, das symptomatisch für die gesamte Elektrolyseur-Branche ist. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist verzeichnete den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte. Gleichzeitig verbuchte das Unternehmen einen der stärksten Auftragseinänge aller Zeiten. Die Zahlen zeigen: Langfristige Marktdynamik und kurzfristige Ertragslage klaffen weit auseinander.
Umsatz bricht um ein Drittel ein
Der Gesamtumsatz für 2025 fiel auf 963 Millionen NOK – ein Rückgang von 31 Prozent gegenüber den 1.390 Millionen NOK des Vorjahres. Allein im vierten Quartal sanken die Erlöse um 20 Prozent auf 330 Millionen NOK.
Verantwortlich für den Einbruch sind vor allem unregelmäßige Lieferzyklen großer Elektrolyseur-Projekte. Diese hängen stark vom Fortschritt der Kundeninstallationen ab. Im alkalischen Segment belasteten zudem Vertragsauflösungen und eine Kundeninsolvenz.
Der EBITDA-Verlust weitete sich auf Jahressicht deutlich aus: minus 275 Millionen NOK nach minus 173 Millionen NOK im Vorjahr. Besonders drastisch fiel das vierte Quartal aus: Nel verbuchte einen Nettoverlust von 870 Millionen NOK – nach 64 Millionen NOK im Vorjahresquartal. Auslöser waren nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen in Höhe von 799 Millionen NOK.
Davon entfielen 439 Millionen NOK auf Goodwill und immaterielle Technologie-Assets im PEM-Segment. Weitere 361 Millionen NOK betrafen Produktionsanlagen für alkalische Elektrolyseure am Standort Herøya. Über das Gesamtjahr summierte sich der Nettoverlust auf 1.265 Millionen NOK – nach 258 Millionen NOK in 2024.
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Auftragsboom im vierten Quartal
Während die Ergebnisseite düster ausfiel, zeigt das Orderbuch eine deutliche Trendwende. Im vierten Quartal sicherte sich Nel Neuaufträge im Wert von 686 Millionen NOK – ein Anstieg um 364 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es war das zweitbeste Quartal der Unternehmensgeschichte.
Der Auftragsbestand kletterte zum Jahresende auf 1.319 Millionen NOK, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem dritten Quartal. Rund 70 Prozent davon entfallen auf die PEM-Technologie.
Den Großteil der Neuaufträge steuerte die PEM-Sparte bei: 93 Prozent der neuen Orders. Zu den wichtigsten Abschlüssen zählen Verträge für die Wasserstoffprojekte HyFuel und Kaupanes von Hydrogen Solutions AS (HYDS) mit einer Gesamtkapazität von 40 Megawatt und einem Volumen von über 50 Millionen US-Dollar.
Zusätzlich wurde Nel von Samsung E&A als bevorzugter globaler Wasserstoff-Partner benannt. Weitere Aufträge kamen von HYDS und Collins Aerospace.
Kostensenkung und Personalabbau
Nel hat seine Kostenstruktur aktiv angepasst. Die Personalaufwendungen sanken von 646 Millionen NOK in 2024 auf 569 Millionen NOK in 2025 – ein Rückgang um 12 Prozent. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten wurde von 430 auf 346 reduziert.
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Trotz der Verluste verfügte Nel zum Jahresende über liquide Mittel in Höhe von 1,6 Milliarden NOK.
Herøya-Projekt als Zukunftswette
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die Industrialisierung der „Next Generation Pressurized Alkaline“-Plattform. Am 12. Dezember 2025 genehmigte der Vorstand das Projekt am Standort Herøya. Die Technologie befindet sich seit 2018 in der Entwicklung und hat nach Unternehmensangaben die Prototypenphase erfolgreich abgeschlossen.
Die EU unterstützt das Vorhaben über den Innovationsfonds mit bis zu 135 Millionen Euro – etwa 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Für die erste Ausbaustufe mit einem Gigawatt Kapazität plant Nel Investitionen von rund 300 Millionen NOK, verteilt auf 2026 und 2027. Der Marktstart ist für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen, größere Auslieferungen sollen 2027 beginnen.
Langfristig strebt Nel eine jährliche Produktionskapazität von bis zu vier Gigawatt an. CEO Hakon Volldal äußerte sich in der Telefonkonferenz zur Konsolidierung in der Branche: Diese habe bereits begonnen, einige Wettbewerber seien ausgeschieden. Nel wolle mit neuen Technologien Marktanteile gewinnen.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Q4 2025 | Geschäftsjahr 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz | 330 Mio. NOK (−20 %) | 963 Mio. NOK (−31 %) |
| EBITDA | −36 Mio. NOK | −275 Mio. NOK |
| Nettoverlust | −870 Mio. NOK | −1.265 Mio. NOK |
| Auftragseingang | 686 Mio. NOK (+364 %) | — |
| Auftragsbestand | 1.319 Mio. NOK | — |
| Liquidität | 1.617 Mio. NOK | — |
Umwandlung des Backlogs entscheidet
Der Geschäftsbericht für 2025 spiegelt die aktuelle Lage des Wasserstoffsektors wider: operative Umsätze schrumpfen, Bilanzabschreibungen belasten – doch gleichzeitig steigt der Auftragseingang sprunghaft. Die entscheidende Frage ist nun, wie schnell und effizient Nel den robusten Auftragsbestand in realisierte Umsätze überführen kann.
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 veröffentlicht Nel am 22. April, der Halbjahresbericht folgt am 15. Juli. Die Hauptversammlung findet am 10. April 2026 statt.
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