Auftragsbücher füllen sich, der Kurs bricht trotzdem ein. Bei Nel ASA prallen gerade zwei Realitäten aufeinander: ein Rekordquartal beim Auftragseingang und massiver Druck von außen. Neue US-Zölle auf Elektrolyseure und der angekündigte Abschied von CEO Håkon Volldal verunsichern Anleger.

Am Freitag schloss die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten bei 0,1968 Euro, ein Minus von 2,09 Prozent. Die Börsen bleiben an diesem Wochenende geschlossen, Investoren verarbeiten die Nachrichtenlage der vergangenen Woche.

Zollschranken drücken auf die Margen

Die USA führen Importzölle auf Elektrolyseure ein, die zwischen 10 und 12,5 Prozent liegen sollen. Für einen reinen Technologieanbieter wie Nel trifft das die Kostenwettbewerbsfähigkeit im nordamerikanischen Markt direkt.

Die Zölle treffen das Unternehmen mitten in einer operativen Umbruchphase. Im zweiten Quartal 2026 meldete Nel einen Anstieg der Auftragseingänge um 171 Prozent. Dieser Wachstumsschub im Orderbuch steht jedoch einem sich ausweitenden operativen Verlust gegenüber.

Steigende Produktionskosten und teure Individualentwicklungen belasten das Ergebnis weiter. Ob das gefüllte Auftragsbuch den Margendruck langfristig ausgleicht, ist derzeit offen.

Führungswechsel und beigelegter Rechtsstreit

CEO Håkon Volldal verlässt das Unternehmen und wechselt zum Verpackungskonzern Elopak. Die Suche nach einem Nachfolger läuft, eine Entscheidung steht laut Unternehmen noch aus. Der Führungswechsel kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Nel industrialisiert gerade seine neue Plattform für Druckalkali-Elektrolyse.

Auf rechtlicher Ebene sorgte Nel zumindest für eine Entlastung. Der Streit mit der Iwatani Corporation of America drehte sich ursprünglich um Forderungen von rund 70 Millionen US-Dollar. Im Juni 2026 einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich.

Das nimmt eine erhebliche Belastung von der Bilanz. Die finanziellen Details der Einigung und die Kosten der abgespaltenen Betankungssparte Cavendish Hydrogen bleiben für Analysten aber Beobachtungspunkte.

Charttechnik zeigt Nervosität

Der Kurs nähert sich dem 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro. Nur noch 13,69 Prozent trennen die Aktie von dieser Marke. Diese Marke könnte in den kommenden Tagen als psychologische und technische Untergrenze wirken.

Technische Indikatoren deuten zugleich auf eine überverkaufte Aktie hin, ohne dass bereits ein klarer Wendepunkt erreicht wäre. Die hohe Schwankungsanfälligkeit der Aktie macht sie empfindlich für Nachrichten zu Wasserstoff-Förderprogrammen, etwa zur EU Hydrogen Bank oder zu Klarstellungen beim US-Steuergutschriften-Programm 45V.

Hält sich die Aktie in der kommenden Woche oberhalb von 0,19 Euro, wäre das ein erstes Stabilisierungssignal. Mehr Klarheit bei der Nachfolgersuche oder erste Signale zur Abfederung der US-Zölle könnten den nötigen Impuls liefern. Dann könnte die Aktie in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts von 0,2463 Euro zurückfinden.