Aufsichtsratschef kauft Aktien, Analysten senken ihre Kursziele — bei Nel ASA zeigen Insider und Profis gerade in entgegengesetzte Richtungen. Dieser Widerspruch prägt die Stimmung rund um den norwegischen Elektrolyseur-Hersteller.
Vorstandsvorsitzender setzt eigenes Geld ein
Nach den Q1-Zahlen fiel die Nel-Aktie zunächst auf 2,20 NOK. Daraufhin kaufte Aufsichtsratschef Arvid Moss 100.000 Aktien zu durchschnittlich 2,2547 NOK — sein erster öffentlich bekannter Kauf. Der Markt reagierte prompt: Am Folgetag stieg der Kurs um 7,66 Prozent auf 2,53 NOK.
Das Signal kam zu einem schwierigen Zeitpunkt. Nel verbuchte im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 148 Millionen NOK. Der Auftragseingang brach auf 85 Millionen NOK ein — nach 315 Millionen NOK im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent auf 1,11 Milliarden NOK.
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Analysten bleiben vorsichtig
Trotz einer Jahresperformance von über 43 Prozent zeigen sich Analysten wenig begeistert. Berenberg hält an seiner neutralen Einstufung fest, senkte das Kursziel aber von 2,60 auf 2,30 NOK. Citigroup folgte und kürzte das Ziel von 2,70 auf 2,40 NOK. Beide Häuser verweisen auf Bewertungsrisiken und die schwer planbare Umwandlung von Aufträgen in Umsatz.
Obendrein zweifeln beide Banken an der Marktreife der neuen Technologieplattform. Kein Wunder, dass die „Hold“-Ratings trotz Kursrally bestehen bleiben.
Operative Fortschritte, strukturelle Risiken
Unter der Oberfläche zeigt Nel durchaus Fortschritte. Der Nettoverlust sank von 179 auf 144 Millionen NOK. Das EBITDA verbesserte sich um 15 Millionen NOK auf minus 100 Millionen NOK — noch immer tief im Minus, aber die Richtung stimmt. Nel hat rund ein Viertel seiner Belegschaft abgebaut. Die Personalkosten sanken dadurch um 21 Prozent. Die Kassenreserven lagen zum Quartalsende bei rund 1,4 Milliarden NOK — nach eigenen Angaben ausreichend bis Ende 2026.
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Parallel dazu erhielt die PEM-Sparte zwei Aufträge im Wert von je rund sieben Millionen US-Dollar. Einer kommt von Mesure Process, einem Tochterunternehmen von Synqo Energies, für ein europäisches Wasserstoffprojekt. Der zweite stammt vom Douglas County Public Utility District im US-Bundesstaat Washington. Die Elektrolyseure sollen überschüssigen Strom aus einem Wasserkraftwerk nutzen und in der ersten Jahreshälfte 2027 in Betrieb gehen.
Ein strukturelles Risiko bleibt offen: Nel prüft den Buchwert zweier stillgelegter 500-Megawatt-Produktionslinien im Werk Herøya. Ob die Linien reaktiviert, geschlossen oder verkauft werden, steht noch nicht fest. Eine Abschreibung ist möglich — zusätzlich zu den bereits gebuchten 799 Millionen NOK aus dem Geschäftsjahr 2025.
Nächster Test im Juli
Am 15. Juli legt Nel den Halbjahresbericht vor. Dann zeigt sich, ob die neue Plattform tatsächlich Aufträge anzieht — oder ob der Kursanstieg der vergangenen Wochen der Realität vorausgeeilt ist.
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