Starke Zahlen, schwache Kurse – bei Nemetschek klaffen Realität und Stimmung weit auseinander. Während der Softwareanbieter operativ glänzt, schickten Anleger die Aktie am Freitag auf ein neues Jahrestief. Der Kurs schloss bei 56,65 Euro. Das Papier verlor damit allein an einem Tag fast vier Prozent.

Der Schatten der US-Konkurrenz

Der gesamte europäische Softwaresektor leidet derzeit unter dem sogenannten „Oracle-Schock“. Hohe Investitionsankündigungen des US-Riesen für das Jahr 2027 verunsichern den Markt nachhaltig. Anleger fürchten weltweit um die künftigen Cashflows der Branche. Hinzu kommt eine spürbare Skepsis gegenüber dem Wachstum bei Abo-Modellen (SaaS). Nemetschek geriet voll in diesen Abwärtssog.

Wachstum trotz Kurstief

Die operativen Fakten stehen im krassen Gegensatz zum Marktsentiment. Im ersten Quartal steigerte der Konzern den währungsbereinigten Umsatz um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) legte parallel dazu um fast 30 Prozent zu. Diese Zahlen belegen die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Der Gewinn je Aktie kletterte um rund ein Drittel auf 0,52 Euro.

Nemetschek setzt seinen Expansionskurs konsequent fort. Mit der Übernahme von HCSS will das Management das Portfolio im Bereich Infrastruktursoftware massiv ausbauen. Der Zukauf vergrößert den adressierbaren Markt erheblich. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Technischer Druck bleibt hoch

Charttechnisch bleibt die Lage prekär. Die Aktie notiert aktuell weit unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 81,48 Euro. Seit dem 52-Wochen-Hoch hat das Papier fast 60 Prozent an Wert verloren. Der Relative Stärke Index (RSI) liegt bei 38,0. Damit gilt der Titel zwar als schwach, aber noch nicht als technisch überverkauft.

Anleger warten nun auf den Juli. Dann veröffentlicht Nemetschek den Halbjahresbericht. Diese Daten geben Aufschluss über die Integration der HCSS-Übernahme. Der Bericht wird zeigen, ob das operative Wachstum die Sektorängste dauerhaft ausbremsen kann.