Nemetschek- vs. Dassault-Systèmes-Aktie: Spezialist attackiert Plattform-König

Der Vergleich zeigt: Nemetschek punktet mit höherem Wachstum und wiederkehrenden Umsätzen, während Dassault Systèmes profitabler und günstiger bewertet ist.

Nemetschek Aktie
Kurz & knapp:
  • Nemetschek wächst deutlich dynamischer als Dassault
  • Deutscher Spezialist hat höheren Anteil wiederkehrender Erlöse
  • Französischer Riese erzielt höhere Profitabilitätsmarge
  • Bewertung von Nemetschek ist deutlich höher

Der Ring ist freigegeben für ein europäisches Gipfeltreffen der besonderen Art. In der einen Ecke: Dassault Systèmes aus Frankreich, der unangefochtene Schwergewichtschampion der 3D-Design- und PLM-Software. In der anderen Ecke: Nemetschek aus Deutschland, der agile Herausforderer, der die Baubranche digitalisiert. Beide Unternehmen formen die Welt von morgen, doch ihre Wege könnten unterschiedlicher kaum sein.

Heute, am Donnerstag, den 22. Januar 2026, blicken Anleger gespannt auf dieses Duell. Es ist nicht nur ein Kampf zwischen Deutschland und Frankreich, sondern ein Showdown zweier Philosophien: Integrierte Allmacht gegen spezialisierte Flexibilität. Während der französische Riese auf sein geschlossenes Ökosystem setzt, punktet der deutsche Verfolger mit Offenheit. Wer hat im aktuellen Marktumfeld die Nase vorn?

David gegen Goliath: Die Ausgangslage

Die Kräfteverhältnisse scheinen auf den ersten Blick klar verteilt. Dassault Systèmes bringt als etablierter „Goliath“ rund 31,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung auf die Waage. Nemetschek wirkt mit einer Bewertung von circa 9,4 Milliarden Euro dagegen wie ein Leichtgewicht. Der Faktor 3,3 verdeutlicht den massiven Größenunterschied.

Doch Größe ist an der Börse nicht alles. Dassault agiert als breit aufgestellter Tanker, der von der Luftfahrt bis zur Medizin alles abdeckt. Nemetschek hingegen manövriert als Schnellboot mit klarem Fokus auf den Bausektor (Architecture, Engineering, Construction – AEC). Die spannende Frage lautet: Kann das Schnellboot den Tanker ausmanövrieren?

Philosophie-Kampf: Offene Türen oder goldener Käfig?

Hier prallen zwei Welten aufeinander. Dassault Systèmes verkauft mit seiner „3DEXPERIENCE“-Plattform keine bloße Software, sondern ein komplettes Universum. Ist ein Kunde einmal drin, bleibt er drin. Die Wechselkosten sind enorm, der „Lock-in-Effekt“ garantiert stabile Einnahmen. Das ist der goldene Käfig, den Investoren wegen seiner Sicherheit lieben.

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Nemetschek wählt den Gegenentwurf. Mit der „Open BIM“-Strategie (Building Information Modeling) setzt das Unternehmen auf offene Schnittstellen. Die Münchener erlauben ihren Kunden, die besten Werkzeuge verschiedener Anbieter zu kombinieren („Best-of-Breed“). In einer traditionell fragmentierten Baubranche kommt diese Freiheit an. Während Dassault versucht, den Kunden zu binden, versucht Nemetschek, ihn durch Flexibilität zu überzeugen.

Wer wächst dynamischer?

Beim Blick auf die Wachstumszahlen dreht sich das Bild. Hier zeigt der Herausforderer dem Platzhirsch die Rücklichter. Nemetschek hat für das Gesamtjahr 2025 ein Umsatzplus von beeindruckenden 20 % bis 22 % in Aussicht gestellt. Das ist ein Tempo, bei dem der französische Riese kaum mithalten kann. Dassault musste zuletzt sogar Prognosen kappen, da der Bereich Life-Science schwächelte.

Besonders spannend ist die Qualität dieser Umsätze. Nemetschek hat die Transformation zum Abo-Modell (SaaS) aggressiv und erfolgreich durchgezogen. Ein Anteil von 92 % wiederkehrender Umsätze ist ein absoluter Spitzenwert, der selbst die starken 86 % von Dassault übertrifft. Das bedeutet: Die Einnahmen der Deutschen sind heute noch planbarer und krisenfester als die der Franzosen.

Profitabilität: Wo bleibt mehr hängen?

Wachstum ist gut, Geld verdienen ist besser. In dieser Disziplin zeigt Dassault Systèmes noch immer seine Muskeln. Mit einer EBITDA-Marge von rund 35 % arbeitet der Konzern effizienter als Nemetschek, das für 2025 eine Marge von etwa 31 % anpeilt.

Der Skaleneffekt spielt hier voll für die Franzosen. Die riesige Plattform erlaubt es, Kosten besser zu verteilen. Doch Nemetschek holt auf. Die steigenden wiederkehrenden Umsätze dürften mittelfristig auch die Margen des Herausforderers nach oben treiben. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem Dassault derzeit noch hauchdünn in puncto Profitabilität führt, aber Nemetschek beim Momentum klar gewinnt.

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Die Bewertungsfrage: Teurer Sprinter oder günstiger Riese?

An der Börse hat Qualität ihren Preis, und Wachstum kostet Aufschlag. Das spiegelt sich deutlich in den Bewertungen wider. Nemetschek wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 42 gehandelt. Das ist sportlich und preist bereits viel Zukunftsmusik ein. Anleger zahlen hier eine Prämie für die Fantasie und die Dynamik.

Dassault Systèmes wirkt mit einem KGV von rund 26,9 im direkten Vergleich fast wie ein Schnäppchen. Doch Vorsicht: Diese „Günstigkeit“ resultiert auch aus der geringeren Wachstumsgeschwindigkeit. Investoren stehen vor der Wahl: Zahlen sie den Aufpreis für den deutschen Turbo oder setzen sie auf die vermeintlich sicherere, aber trägere französische Karte?


Kennzahlen im direkten Vergleich

Bewertungskennzahlen

KennzahlNemetschekDassault SystèmesSektordurchschnitt (Software)
KGV (TTM)~42.0~26.9~32.4
KGV (Forward)~31.0~23.5
EV/EBITDA~26.8~18.8
EV/Sales~7.6~4.6~6.0 – 8.0
PEG-Ratio~1.5~2.6
Free Cash Flow Yield~3.3%~4.8%

Qualitätskennzahlen

MetrikNemetschekDassault Systèmes
ROE~24.2%~14.4%
EBITDA-Marge~30.5%~35.4%
Verschuldungsgrad0.550.14
Recurring Revenue Anteil92%86%
F&E als % vom Umsatz~25%~22%

Fazit: Wer gewinnt das Portfolio-Duell?

Das Duell zwischen Nemetschek und Dassault Systèmes ist eine Entscheidung zwischen zwei Investment-Stilen. Beide Unternehmen sind kerngesund, hochprofitabel und Marktführer in ihren Nischen. Doch die Dynamik spricht eine klare Sprache.

Dassault Systèmes ist die Wahl für den konservativen Anleger. Die Aktie bietet Stabilität, eine solide Bilanz und eine moderate Bewertung. Wer auf Nummer sicher gehen will und an die Macht von Plattform-Ökosystemen glaubt, findet hier einen verlässlichen Anker für das Depot. Die Gefahr liegt jedoch in der Trägheit: Kann der Riese schnell genug auf neue Trends reagieren?

Nemetschek hingegen ist der Favorit für wachstumsorientierte Investoren. Der Bewertungsaufschlag ist hoch, aber durch das deutlich stärkere Wachstum und den extrem hohen Anteil wiederkehrender Erlöse gerechtfertigt. Die „Open BIM“-Strategie scheint in der aktuellen Marktphase der agilere Ansatz zu sein. Das Momentum liegt klar auf der Seite der Münchener.

Das Urteil: Wer bereit ist, Volatilität für Performance zu tauschen, setzt auf den Herausforderer. Nemetschek gewinnt diesen Vergleich durch pure Dynamik und strategische Klarheit, während Dassault Systèmes „nur“ solide verwaltet. Im Rennen um die Zukunft der digitalen Konstruktion hat das Schnellboot derzeit die besseren Karten als der Supertanker.

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