Philipp Navratil fackelt nicht lange. Seit seinem Amtsantritt baut der neue CEO den Nahrungsmittelriesen Nestlé konsequent um. Im Zentrum steht dabei eine Abkehr von der bisherigen Preispolitik, um den Konzern zurück auf den Wachstumspfad zu führen.
Strategiewechsel für mehr Absatz
Weg von reinen Preiserhöhungen, hin zu mehr Volumen. Unter dem Schlagwort „Real Internal Growth“ will Nestlé verlorene Marktanteile zurückgewinnen. Der Konzern reagierte lange Zeit vor allem mit höheren Preisen auf die Inflation, was jedoch das Absatzvolumen spürbar drückte.
Das Sparprogramm „Fuel for Growth“ soll diesen Kurswechsel finanzieren. Das Management plant jährliche Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Franken. Diese Mittel fließen direkt in höhere Marketingbudgets für globale Schlüsselmarken wie Nespresso, Kitkat oder Purina. Das Ziel: Die Nachfrage weltweit wieder strukturell ankurbeln.
Prüfung des Portfolios und operative Altlasten
Parallel dazu unterzieht Nestlé das weltweite Portfolio einer strengen Prüfung. Aktuell stehen die Aktivitäten in Trinidad und Tobago auf dem Prüfstand. Das Management sucht gezielt nach unrentablen Geschäftsbereichen, um das Kapital effizienter zu verteilen.
Derweil belastet ein Rückruf bei Säuglingsnahrung die Bilanz. Die Verunreinigung im ersten Quartal kostete das Unternehmen rund 200 Millionen Franken. Eine vollständige Normalisierung der Liefermengen plant der Konzern erst für Ende 2026.
Die Aktie zeigt sich von diesen operativen Hürden unbeeindruckt und notiert bei 91,66 Euro. Damit liegt der Kurs nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 93,41 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein deutliches Plus von 8,32 Prozent.
Ab sofort herrscht am Markt Funkstille. Mit der offiziellen „Quiet Period“ bis zum 22. Juli entfallen öffentliche Kommentare zur aktuellen Geschäftsentwicklung. Erst die Halbjahreszahlen Ende Juli liefern neue Fakten zum Erfolg der neuen Volumenstrategie.
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