Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé steht unter Druck. Die Aktie verlor am Dienstagmorgen 1 Prozent und fiel auf 75,76 Schweizer Franken. Der Grund: Das Unternehmen muss erneut Babynahrung zurückrufen – diesmal in Deutschland und Österreich.

Betroffen sind mehrere Produkte der Marken „Beba“ und „Alfamino“. In einer Zutat eines Zulieferers könnte das Toxin Cereulid vorhanden sein, das durch das Bakterium Bacillus cereus entsteht. Das Gift ist hitzebeständig und kann binnen 30 Minuten bis sechs Stunden Erbrechen, Durchfall und ungewöhnliche Müdigkeit auslösen.

Nestlé betont zwar, dass bislang keine Erkrankungen im Zusammenhang mit den betroffenen Produkten bestätigt wurden. Eltern werden dennoch aufgerufen, die Produkte nicht zu verwenden und zurückzugeben – auch ohne Kassenbon gibt es das Geld zurück.

Zweiter Schlag in kurzer Zeit

Besonders brisant: Dies ist bereits der zweite Rückruf binnen weniger Wochen. Im Dezember 2025 hatte Nestlé bereits eine ähnliche Aktion gestartet, die sich auf den Standort Nunspeet konzentrierte. Nun folgt der nächste Rückschlag.

Nach Angaben des Konzerns sind weniger als 5 Prozent des Babynahrungsgeschäfts von diesem Vorfall betroffen. Die Analysten von Kepler rechnen dennoch mit spürbaren Folgen: Das Konzernvolumen im ersten Quartal dürfte um etwa 10 Basispunkte belastet werden – möglicherweise mit Auswirkungen bis ins zweite Quartal.

Verbraucher fordern Transparenz

Die Verbraucherorganisation Foodwatch zeigte sich unzufrieden und fordert volle Transparenz. Seit wann wussten Nestlé und die Behörden von dem Problem? Welche Maßnahmen wurden ergriffen? Diese Fragen seien noch offen, kritisiert Alina Nitsche von Foodwatch.

„Nestlé behauptet, dass bisher keine Symptome aufgetreten sind, dabei ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht überprüfbar – denn der Rückruf kam erst heute Vormittag“, so Nitsche. Die Organisation hat einen Fragenkatalog an Nestlé und die zuständigen Behörden in Hessen geschickt.

Schweizer Börse unter Druck

Der schwache Auftritt der Nestlé-Aktie belastete auch den Gesamtmarkt. Der SMI verlor am Montag 0,2 Prozent auf 13.247 Punkte. Neben Nestlé gaben auch andere defensive Schwergewichte nach: Novartis büßte 2,9 Prozent ein, Roche 0,8 Prozent.

Für Nestlé kommt der Rückruf zur Unzeit. Das Vertrauen in die Sicherheit von Babynahrung ist besonders sensibel – und wiederholte Qualitätsprobleme könnten das Image des Konzerns nachhaltig beschädigen. Anleger dürften die weitere Entwicklung genau beobachten.