Erst der Ausbruch auf neue Jahreshochs, dann der tiefste Fall seit Monaten: Die Nestlé-Aktie hat am Donnerstag einen Rücksetzer hingelegt, der den sonst eher ruhigen Wert im frühen Handel um 6,4 Prozent einbrechen ließ. Der Kurs fiel damit zurück in die Seitwärtsspanne zwischen rund 75 und 80 Franken, aus der er erst Ende Juni ausgebrochen war.
Auslöser war der Halbjahresbericht — und der lieferte ein zwiespältiges Bild. Das organische Wachstum legte um 3,6 Prozent zu, getrieben von Schwellenländern sowie höherer Nachfrage nach Kaffee und Heimtiernahrung. Wechselkurseffekte drückten den Umsatz nominal aber um 2,5 Prozent auf 43,1 Milliarden Franken. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun mit einem organischen Wachstum von „sicher“ 3 bis 4 Prozent — zuvor hieß es vager „rund 3 bis 4 Prozent“.
Marge trügt auf den zweiten Blick
Die operative Marge sank im ersten Halbjahr leicht auf 16,4 Prozent. Auf den ersten Blick eine moderate Entwicklung — Analysten der UBS wiesen jedoch auf einen Sondereffekt aus einer Pensionsplan-Änderung hin, der 30 Basispunkte beisteuerte. Ohne diesen Effekt wäre die Marge um 40 Basispunkte gefallen. Hohe Kaffee- und Kakaopreise, US-Zölle sowie höhere Werbeausgaben belasteten die Profitabilität zusätzlich. Die ZKB verwies zudem auf einen vorsichtigeren Ausblick: Im zweiten Halbjahr soll die Marge nur auf dem Niveau des ersten liegen, nicht mehr darüber.
Unter dem Strich brach der Gewinn deutlicher ein als der Umsatz. Das operative Ergebnis sank um fast 3 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Franken, der Reingewinn fiel um fast ein Drittel auf knapp 3,5 Milliarden Franken. Verantwortlich dafür waren Wertberichtigungen von rund 1,4 Milliarden Franken auf zum Verkauf stehende Vermögenswerte, darunter Teile des Eiscreme- sowie des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts.
Wassergeschäft findet einen Käufer
Parallel zu den Zahlen verkündete Nestlé die lang erwartete Lösung für sein Wassergeschäft. Marken wie Perrier und San Pellegrino wandern in ein Gemeinschaftsunternehmen namens Peranel, das der Konzern zu gleichen Teilen mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity betreiben wird. Der Deal bewertet die Sparte mit 4,9 Milliarden Euro, Nestlé selbst erlöst daraus 2,8 Milliarden Franken bei Abschreibungen von 1,3 Milliarden Franken.
Das Wassergeschäft, das zuletzt gut 3,5 Milliarden Franken beziehungsweise knapp 4 Prozent zum Konzernumsatz beisteuerte, galt schon länger als Sorgenkind — belastet auch durch den Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei französischem Mineralwasser. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiterkonsultationen und regulatorischen Genehmigungen und soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden.
Für Konzernchef Philipp Navratil ist der Schritt ein weiteres Puzzleteil im laufenden Umbau. Nestlé will sich künftig auf weniger Geschäftsfelder konzentrieren und sucht parallel einen Käufer für Teile des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts.
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