Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liegt nach der Parlamentswahl zwar vorn, verfehlt aber eine regierungsfähige Mehrheit. Nach Auszählung von rund 60 Prozent der Stimmen zeichnet sich ein Patt in der Knesset ab. Weder das rechtsreligiöse Regierungslager noch die Opposition verfügen über ein klares Mandat für eine stabile Führung.
Vorsprung ohne eigene Mehrheit
Netanjahus Likud-Partei geht nach dem Zwischenstand mit 28 Mandaten als stärkste Kraft hervor. Sein rechtsreligiöses Lager sichert sich 56 Sitze im Parlament.
Damit liegt der amtierende Regierungschef acht Sitze vor dem Block seines Herausforderers Gadi Eisenkot. Dessen Mitte-Partei Jaschar kommt auf 21 Sitze.
Direkt nach Schließung der Wahllokale hatten erste Prognosen noch die Opposition vorne gesehen. Erst während der Nacht machte das Regierungslager schrittweise Boden gut. Im Vergleich zur vorangegangenen Abstimmung verliert das Bündnis dennoch an Rückhalt.
Bei der Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition aus rechtsextremen und streng religiösen Parteien noch 64 Sitze errungen. Für eine absolute Mehrheit im 120 Sitze zählenden Parlament fehlen dem Block nun entscheidende Stimmen.
Schwierige Suche nach Partnern
Die Bildung einer Koalition steht vor großen Hürden. Das gegnerische Lager kann rechnerisch kaum ohne zusätzliche Partner regieren. Als Zünglein an der Waage erweisen sich die arabischen Parteien mit zusammen 16 Sitzen.
Eisenkot wäre für ein Regierungsbündnis zwingend auf deren Unterstützung angewiesen. Allerdings lehnten mehrere Oppositionsparteien diesen Schritt bislang ab. Netanjahu rief seinerseits zur Bildung einer rechtsgerichteten Regierung ohne arabische Beteiligung auf, verfehlt dafür aber aus eigener Kraft das Ziel.
Die Stimmenauszählung ist noch nicht abgeschlossen. Da sich das Ergebnis bis zur Erfassung aller Wahlzettel noch verschieben kann, bleibt die Zusammensetzung der künftigen Führung vorerst offen.


