Der Streaming-Gigant dreht erneut an der Preisschraube. Zum dritten Mal in weniger als drei Jahren bittet Netflix seine US-Abonnenten stärker zur Kasse. Während solche Schritte in der Vergangenheit oft Abwanderungswellen auslösten, sichert sich das Unternehmen diesmal durch ein stark wachsendes Werbegeschäft strategisch ab.

Kalkuliertes Risiko

Ende März hob der Konzern die Preise für alle US-Abonnements um durchschnittlich elf Prozent an. Das Standard-Abo kostet nun 19,99 US-Dollar, die Premium-Variante steigt auf 26,99 US-Dollar. Hinter diesem Schritt steckt eine klare Logik: Wer mehr investiert, muss mehr verlangen. Netflix plant für das Jahr 2026 Ausgaben von 20 Milliarden US-Dollar für neue Inhalte, ein Plus von zehn Prozent.

Gleichzeitig sinken die Kündigungsraten, was dem Management das nötige Selbstvertrauen für die Preisanpassung gibt. Fällt einem Nutzer das werbefreie Abo zu teuer aus, dient die günstigere werbefinanzierte Option für 8,99 US-Dollar als Auffangbecken. Anstatt Kunden komplett zu verlieren, lenkt Netflix sie gezielt in das werbefinanzierte Modell.

Werbung als Wachstumstreiber

Genau dieses Werbegeschäft entwickelt sich rasant zu einer zentralen Säule der Firmenbilanz. Im vergangenen Jahr kletterten die Werbeeinnahmen um 150 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einer erneuten Verdopplung auf rund drei Milliarden US-Dollar.

Damit würde der Anteil der Werbung am Gesamtumsatz auf knapp sechs Prozent steigen. Diese Entwicklung zeigt, dass der Konzern mittlerweile über einen zweiten Hebel verfügt, um das Umsatzwachstum abseits reiner Preiserhöhungen anzukurbeln. Zusätzliche Live-Events, wie der Boxkampf zwischen Tyson Fury und Arslanbek Makhmudov im April, sollen weitere Nutzer auf die Plattform ziehen und die Werbeplätze aufwerten.

Blick auf die Quartalszahlen

Ob diese Strategie bereits im ersten Quartal Früchte trägt, wird sich am 16. April zeigen. Dann öffnet Netflix nach US-Börsenschluss seine Bücher. Analysten gehen im Vorfeld von einem soliden Wachstum aus:

  • Erwarteter Umsatz: 12,16 Milliarden US-Dollar (+15 Prozent)
  • Erwarteter Gewinn je Aktie: 0,76 US-Dollar (+15,2 Prozent)
  • Ziel-Operative Marge (Gesamtjahr 2026): 31,5 Prozent

Die Wall Street blickt mehrheitlich optimistisch auf den anstehenden Termin. Rund 73 Prozent der Analysten raten aktuell zum Kauf der Papiere, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 38 deutlich unter ihrem Dreijahresdurchschnitt von 45 notieren. Der Bericht am 16. April wird der erste Härtetest sein, ob die Kombination aus höheren Preisen und steigenden Werbeerlösen tatsächlich in die vom Markt erwartete Margenausweitung mündet.