Netflix, BMW & DAX: Wenn Rückzüge zu Kurssprüngen führen – und Inflation unter 2 Prozent fällt

Netflix feiert Aktienplus nach gescheitertem Warner-Deal, BMW ignoriert großen Rückruf dank KI-Fokus, und der DAX profitiert von einer Inflationsrate unter 2 Prozent.

Netflix, BMW & DAX: Wenn Rückzüge zu Kurssprüngen führen – und Inflation unter 2 Prozent fällt
Kurz & knapp:
  • Netflix-Aktie steigt nach Aufgabe der Warner-Übernahme
  • BMW-Rückruf von 337.000 Fahrzeugen ohne Kursverlust
  • Deutsche Inflation fällt erstmals unter 2 Prozent
  • DAX erzielt knapp drei Prozent im Februar

Liebe Leserinnen und Leser,

6,1 Milliarden Euro Gewinn – und die Aktie fällt. 337.000 Fahrzeuge zurückgerufen – und die Aktie steigt. Willkommen in einem Börsentag, an dem die üblichen Regeln nicht mehr zu gelten scheinen. Während in Frankfurt der DAX seinen dritten Prozentpunkt im Februar sichert und die Inflation unter die magische Zwei-Prozent-Marke rutscht, sorgt in Hollywood ein Milliarden-Deal für Überraschungen: Netflix gibt den Bieterkampf um Warner Bros. auf – und die Anleger feiern die Kapitulation mit einem Kursfeuerwerk. Gleichzeitig zeigt sich in Deutschland, dass selbst massive Rückrufaktionen die Investoren kaltlassen, wenn die Zukunftsstory stimmt. Drei Geschichten, die zeigen: Manchmal ist weniger mehr – und ein strategischer Rückzug der klügere Schachzug als ein teurer Sieg.

Der 111-Milliarden-Poker: Warum Netflix mit leeren Händen als Gewinner dasteht

Es hätte das größte Deal-Drama Hollywoods werden können. Doch als Netflix am Freitag bekannt gab, nicht gegen das aufgebesserte 111-Milliarden-Dollar-Angebot von Paramount für Warner Bros. Discovery mitzubieten, reagierte die Börse mit einer Begeisterung, die man bei einer Niederlage nicht erwarten würde: Die Aktie schoss vorbörslich um über 8 Prozent nach oben.

Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Netflix hatte ursprünglich 83 Milliarden Dollar nur für das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner geboten – die TV-Sender sollten abgespalten werden. Paramount konterte mit 31 Dollar pro Aktie für das Gesamtpaket. Als der Warner-Verwaltungsrat dieses Angebot als überlegen einstufte, hätte Netflix vier Tage Zeit gehabt, nachzulegen. Doch Co-Chef Ted Sarandos zog die Reißleine: „Bei dem Preis, der nötig wäre, um Paramount zu überbieten, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv.“

Was nach einer Niederlage klingt, entpuppt sich als strategischer Coup. Erstens kassiert Netflix eine Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar – die Paramount übernehmen muss. Zweitens kündigte der Streaming-Riese umgehend ein Aktienrückkaufprogramm an, das in den vergangenen Monaten pausiert hatte. Und drittens: Die Anleger hatten den Netflix-Kurs seit Herbst, als die ersten Warner-Gerüchte aufkamen, deutlich gedrückt – aus Sorge vor einer teuren Übernahme. Diese Belastung ist nun vom Tisch.

Analysten jubilierten förmlich. Jefferies-Experte James Heaney traut Netflix auch ohne Warner bis 2030 jährliche Umsatzsteigerungen von mindestens 10 Prozent und Gewinnzuwächse von 20 Prozent zu. UBS-Analyst John Hodulik betonte, Netflix bleibe „DER Branchenführer im Streaming“ und sei hervorragend positioniert, um die Monetarisierung weiter zu verbessern. Die DZ Bank hob hervor, dass die 2,8 Milliarden Dollar den Rückzug versüßen und Netflix nun auf seine organischen Stärken fokussieren könne.

Für Warner und Paramount hingegen beginnt jetzt die Arbeit. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta kündigte bereits eine Wettbewerbsprüfung an – eine Übernahme sei noch keine ausgemachte Sache. Auch die Bundesbehörden in Washington werden den Deal unter die Lupe nehmen. Paramount-Chef David Ellison, Sohn des Tech-Milliardärs Larry Ellison, hat sich bereiterklärt, bei einem Scheitern sieben Milliarden Dollar zu zahlen. Für Netflix hingegen ist das Kapitel Warner abgeschlossen – und die Börse honoriert die Disziplin.

BMW setzt auf Roboter statt Rückruf-Panik: Wenn KI die Produktion übernimmt

337.374 Fahrzeuge weltweit, davon knapp 30.000 in Deutschland – das ist die Dimension des jüngsten BMW-Rückrufs wegen möglicher Brandgefahr. Betroffen sind die Modelle i5, 7er, M5, 5er und i7 aus dem Produktionszeitraum von Juni 2022 bis Dezember 2025. Das Problem: Eine mangelhafte Verlegung des Cockpit-Kabelbaums kann beim Wechsel des Mikrofilters zu Beschädigungen führen – im schlimmsten Fall mit Rauchentwicklung und Brandfolge.

Doch die Börse reagierte gelassen: Die BMW-Aktie notierte am Freitag zeitweise sogar 0,5 Prozent im Plus. Ein BMW-Sprecher beruhigte: „Im Zusammenhang mit diesem Fehlerbild ist kein Unfall bekannt.“ Kunden, deren Fahrzeug bereits einen Ölservice mit Mikrofilterwechsel erhalten hat, sollten umgehend zur Prüfung – alle anderen können bis zum nächsten regulären Service warten.

Während der Rückruf die Schlagzeilen dominierte, arbeiteten die Münchner bereits an der Zukunft. In Leipzig startete BMW im Dezember erste Tests mit humanoiden Robotern des Herstellers Hexagon. Nach einem weiteren Test im April soll im Sommer ein Pilotprojekt mit einer einstelligen Zahl von Robotern beginnen. Ziel: Die Integration von „Physical AI“ – also KI-gestützten, lernfähigen Robotern – in die Serienproduktion von Automobilen sowie in die Batterie- und Komponentenfertigung.

Die Roboter sind 1,65 Meter groß, wiegen 60 Kilogramm und bewegen sich mit 2,5 Metern pro Sekunde auf zwei Beinen. Die Batterie hält drei Stunden – und die Maschinen können ihre Akkus selbst wechseln. Noch werden sie aus Sicherheitsgründen in abgetrennten Bereichen eingesetzt. BMW betont, es gehe darum, unangenehme oder gefährliche Arbeiten auszulagern – ein Stellenabbau sei nicht geplant.

Es ist nicht BMWs erster KI-Vorstoß. Im US-Werk Spartanburg waren bereits zwei Roboter von Figure AI zehn Monate lang im Einsatz und positionierten Blechteile für Schweißprozesse an rund 30.000 Autos. Michael Nikolaides, verantwortlich für das Projekt, sagte: „Pilotprojekte helfen uns, den Einsatz von Physical AI unter realen industriellen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln.“ Die Kosten sind allerdings noch hoch: Arnaud Robert, Präsident von Hexagon Robotics, sprach von einem „sechsstelligen Bereich“ pro Roboter.

Für BMW ist die Botschaft klar: Rückrufe gehören zum Geschäft – die Zukunft wird von KI geprägt. Und die Anleger scheinen diese Prioritätensetzung zu honorieren.

Anzeige: Während BMW auf KI-Roboter setzt, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die technologische Grundlage dieser Revolution lenken: Mikrochips. Tech-Experte Bernd Wünsche analysiert in seinem aktuellen Webinar den globalen Chip-Krieg zwischen den USA und China und zeigt, welche Halbleiter-Aktie vom 624-Milliarden-Dollar-Markt besonders profitieren könnte. Er stellt ein Unternehmen vor, das als „die neue Nvidia“ gehandelt wird und dessen Technologie in Milliarden von Geräten weltweit steckt – von Smartphones über Autos bis hin zu KI-Rechenzentren. Wünsche erklärt konkret, warum der US-Chips-Act über 280 Milliarden Dollar und massive europäische Investitionen diese Branche in den kommenden Jahren antreiben werden. Sie erfahren, welche drei Faktoren – Geopolitik, Marktdynamik und KI-Boom – zusammenkommen und warum frühe Investoren historisch von solchen Megatrends am stärksten profitiert haben. Details zur Chip-Analyse und der neuen Nvidia-Aktie

DAX mit +3 Prozent im Februar: Inflation fällt, Geopolitik bleibt

Es ist ein bemerkenswertes Monatsplus in turbulenten Zeiten. Der DAX beendete den Freitag nahezu unverändert bei 25.284 Punkten – und sicherte sich damit ein Februar-Plus von knapp drei Prozent. Angesichts der Iran-USA-Spannungen, der anhaltenden Zollunsicherheit und der KI-bedingten Nervosität an den Tech-Börsen ist das mehr als respektabel.

Unterstützung kam am Freitag von der Inflationsfront: Die deutschen Verbraucherpreise stiegen im Februar nur noch um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nach 2,1 Prozent im Januar. Damit liegt die Teuerung erstmals seit Monaten wieder unter der Zwei-Prozent-Marke der EZB. Verantwortlich waren vor allem günstigere Energie und stagnierende Lebensmittelpreise. Allerdings verteuerten sich Dienstleistungen weiterhin überdurchschnittlich um 3,2 Prozent – getrieben durch das teurere Deutschlandticket und die Mindestlohnerhöhung.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnte: „Der Preisauftrieb ist durch niedrigere Energiepreise und einen starken Euro gebremst worden. Diese Einflüsse fallen künftig weg, so dass es keinen weiteren Rückgang der Inflation geben dürfte.“ Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Ökonomen eine Inflationsrate knapp über zwei Prozent.

Auf Unternehmensseite dominierten am Freitag drei Geschichten: BASF enttäuschte mit einem vorsichtigen Ausblick für 2026 und kündigte weitere 4.800 Stellenstreichungen an – die Aktie fiel um 1,9 Prozent. Delivery Hero verfehlte trotz Wachstum die Prognosen bei Bruttowarenwert, Umsatz und Gewinn – minus 4,4 Prozent. Dagegen überraschte Hypoport mit einem optimistischen Gewinnziel und schoss um 9,1 Prozent nach oben.

Ein Highlight lieferte der Telekomsektor: Laut dem spanischen Portal „El Español“ prüft Telefónica die Übernahme von 1&1. Die Aktie des deutschen Mobilfunkanbieters explodierte um 8,3 Prozent, die Mutter United Internet legte 13,3 Prozent zu, und selbst die Deutsche Telekom profitierte mit einem Plus von 3,6 Prozent vom günstigen Branchenumfeld.

Geopolitisch bleibt die Lage angespannt. Der Iran kündigte nach Verhandlungen mit den USA weitere „technische Gespräche“ für kommende Woche in Wien an. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist unklar – US-Präsident Donald Trump hatte Teheran ein Ultimatum bis Anfang März gestellt, und das US-Militär hat eine massive Streitmacht in die Region verlegt. Die Ölpreise reagierten nervös und stiegen um über 2 Prozent.

Blick nach vorn: Wenn Nvidia-Zahlen nicht mehr reichen

Die Woche brachte eine bemerkenswerte Erkenntnis: Selbst Nvidia, der wertvollste Konzern der Welt, kann mit Rekordgewinnen die Anleger nicht mehr begeistern. Trotz eines Umsatzsprungs auf 68 Milliarden Dollar und eines Gewinns je Aktie von 1,62 Dollar – beides über den Erwartungen – verlor die Aktie am Donnerstag 5,5 Prozent. Die Sorgen: schneller aufgebrauchte Cashflows der Kunden, ausbleibende China-Umsätze und steigender Wettbewerbsdruck.

In der kommenden Woche rücken andere Schwergewichte in den Fokus. Am Dienstag legt Volkswagen Zahlen vor, am Mittwoch folgen Henkel, Porsche und Rheinmetall. Am Donnerstag öffnen BMW, RWE, Zalando und Daimler Truck die Bücher. Konjunkturseitig stehen deutsche Produktionszahlen und die Handelsbilanz an. In den USA wird am Freitag der Arbeitsmarktbericht erwartet – nach schwachen 60.000 neuen Stellen im Januar rechnet die Commerzbank mit einer ähnlich verhaltenen Entwicklung im Februar.

Für den DAX bleibt das Allzeithoch bei 25.507 Punkten aus dem Januar in Reichweite. Baader-Bank-Experte Robert Halver beobachtet, dass Anleger zunehmend europäische Aktien wiederentdecken – die „Tech-Abstinenz“ Europas wirke wie eine „willkommene Sorgenpause“ angesichts der KI-Ernüchterung in den USA. Ob das reicht, um die 25.500er-Marke zu knacken, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: der Entwicklung im Iran-Konflikt und der Frage, ob die US-Notenbank Fed ihre Zinspolitik anpasst. Aktuell sind zwei Zinssenkungen bis Jahresende eingepreist – doch bei weiter schwachem Arbeitsmarkt könnten es mehr werden.

Eines zeigt dieser Freitag jedenfalls: In einem Markt, in dem Rückrufe ignoriert, Rückzüge gefeiert und Rekordgewinne abgestraft werden, zählen nicht mehr nur die nackten Zahlen. Es geht um Strategie, Disziplin und die Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt zu erkennen. Netflix hat das verstanden – und die Börse dankt es.

Einen erfolgreichen Start ins Wochenende wünscht Ihnen

Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 1865 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

  • Buch "Die Wachstumsaktien-Strategie": In diesem Buch (VNR Verlag) stelle ich praxisnah meine Methode zur Auswahl von Wachstumsaktien und zur Kombination von Fundamentalanalyse und Timing vor.
  • Markt-Barometer: Ein selbst entwickeltes Tool, das wöchentlich das Börsenklima anhand globaler Indikatoren einschätzt und bei der Risikosteuerung hilft.
  • Einblicke teilen: Meine Marktmeinung zu Aktien, Gold, Krypto und Rohstoffen teile ich regelmäßig bei Auftritten auf Finanzmessen (z.B. Invest Stuttgart), in Fachmedien (z.B. Börsen Radio Network) und auf meinem YouTube-Kanal „Chartanalyse-Trends“.

Unabhängigkeit und Transparenz sind die Grundlage meiner Arbeit.

Mein Ziel: Ihr Navigator im Finanzmarkt

Ich möchte Anlegern – ob Einsteiger oder Profi – klare, fundierte und umsetzbare Strategien an die Hand geben. Mit meinen Analysen und Werkzeugen helfe ich Ihnen, sich im oft komplexen Finanzmarkt zurechtzufinden und erfolgreich zu investieren.