Der jüngste Rückgang der Ölpreise hat am Mittwoch ein jähes Ende gefunden. Frische Angriffe auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zerstören die Hoffnung auf eine rasche diplomatische Entspannung und treiben Rohöl wieder über die psychologisch wichtige Schwelle. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November verteuerte sich um mehr als ein Prozent auf 100,51 Dollar.
Im frühen Handel war die Notierung zeitweise noch bis knapp unter 98 Dollar abgesackt. Anleger hatten darauf gesetzt, dass Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Iran am Rande der UN-Vollversammlung zu Fortschritten führen könnten. Diese Zuversicht erwies sich als verfrüht.
Eskalation an der wichtigsten Öl-Route
In der für den globalen Rohöltransport strategisch entscheidenden Straße von Hormus geriet erneut ein Frachtschiff unter Beschuss. Nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit traf ein Projektil den Frachter, woraufhin das Schiff in Brand geriet. Die Besatzung musste evakuiert werden.
Der Vorfall verdeutlicht, wie festgefahren der Konflikt weiterhin ist. Bislang blieben diplomatische Vermittlungsversuche erfolglos, einschließlich einer zwischenzeitlich vereinbarten Waffenruhe. Washington hält unverändert eine Blockade iranischer Häfen aufrecht, um die Exporterlöse des Landes abzuschnüren. Teheran antwortet darauf mit fortgesetzten Angriffen auf zivile Schiffe entlang der Haupthandelsroute.
Dauerhafte Risikoprämie belastet die Märkte
Die Furcht vor einer langwierigen Unterbrechung der Schifffahrtswege bleibt die treibende Kraft am Terminmarkt. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Sorge vor Ausfällen den Brent-Preis bis an die Marke von 110 Dollar getrieben.
Seit Jahresbeginn hat der Krieg den Rohstoff um mehr als 60 Prozent verteuert. Solange die Häfen blockiert bleiben und Tanker die Engstelle am Golf nur unter Beschussrisiko passieren können, dürfte der geopolitische Risikoaufschlag dem Markt erhalten bleiben.


