Ein einziger Stromanschluss kostet Nextdc fast die Hälfte des Börsenwerts. Der australische Rechenzentrumsbetreiber senkte heute seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 drastisch, die Aktie schloss rund 42 Prozent tiefer bei 5,35 australischen Dollar. Auslöser ist eine Verzögerung bei der Stromversorgung des Standorts M3 in Melbourne.
Proteste stoppen den Netzausbau
Der Netzbetreiber Jemena Electricity Networks hat Teile der geplanten Ausbauten ausgesetzt, nachdem sich Anwohner und weitere Interessengruppen dagegen gestellt hatten. Die nächste Erhöhung der Netzkapazität für M3 erwartet Nextdc nun erst im Geschäftsjahr 2028. Über die Stufen 6 und 7 des Projekts soll nach der Landtagswahl in Victoria am 28. November 2026 entschieden werden.
Die Bauarbeiten an den Datenhallen laufen weiter. Nextdc arbeitet nach eigenen Angaben mit dem betroffenen Kunden und Jemena daran, die Stromzufuhr vorzuziehen und die Folgen zu begrenzen.
Prognose rutscht deutlich ab
Die Zahlen zeigen das Ausmaß. Der Nettoumsatz soll im Geschäftsjahr 2027 nur noch 475 bis 500 Millionen australische Dollar erreichen, zuvor standen 615 bis 640 Millionen im Plan.
Beim bereinigten EBITDA rechnet das Unternehmen nun mit 245 bis 265 Millionen Dollar, statt bisher 385 bis 410 Millionen.
Die neue Spanne klammert die betroffenen M3-Kundenverträge komplett aus, auch bereits abgerechnete Kapazität und mögliche Entschädigungen für Serviceleistungen. In der Augustprognose steckten aus diesen Verträgen jeweils rund 140 Millionen Dollar bei Umsatz und EBITDA. Wann und in welchem Umfang sie zurückkehren, bleibt offen.
Sorge vor Kettenreaktion
Der Kurssturz trifft eine ohnehin angeschlagene Aktie. Seit Anfang Juni hat sie rund zwei Drittel ihres Werts verloren. Marktbeobachter sehen darin ein Muster: Bei KI-Rechenzentren häufen sich Probleme mit Finanzierung und Bau. Zuletzt scheiterten bereits die Börsenpläne von Firmus und Airtrunk.
Auch Geschäftspartner schauen genau hin. Cantor Fitzgerald bekräftigte für SharonAI das Rating „Overweight“ mit einem Kursziel von 109 Dollar. SharonAI betreibt rund 2 Megawatt am Standort M3, den größeren Nvidia-Vertrag über 72 Megawatt jedoch am Standort M2, gut 17 Kilometer entfernt. Nextdc meldete für M2 keine Verzögerung. Die Verspätung betrifft zudem nur den Ausbau von M3, nicht den laufenden Betrieb.
Bei M3 ruht nach aktuellem Stand bis Februar 2027 jede weitere Arbeit an der Stromversorgung. Ein erster Hinweis auf Besserung könnte die Entscheidung über Stufen 6 und 7 nach dem 28. November sein.
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