Nikes Umbau der Lieferkette läuft — aber die Kosten steigen schneller als erwartet. Ursprünglich rechnete der Konzern mit einem Zollbelastung von einer Milliarde Dollar für das laufende Geschäftsjahr 2026. Inzwischen hat Nike diese Schätzung auf 1,5 Milliarden Dollar nach oben korrigiert, der Druck auf die Bruttomarge wächst entsprechend.

Asien-Strategie unter Druck

Der Kern des Problems: Nike bezieht rund 16% seiner Schuhimporte aus China und will diesen Anteil bis Ende des Geschäftsjahres auf einstellige Werte senken. Die Verlagerung zu Vietnam, Indonesien und Kambodscha klingt nach einer klaren Lösung — ist es aber nicht. Denn auch diese Länder sind von US-Zöllen betroffen: Vietnam mit 20%, Indonesien und Kambodscha jeweils mit 19%. Die Diversifizierungsstrategie trifft damit auf eine Zolllandschaft, die praktisch die gesamte asiatische Produktionsbasis erfasst.

Hinzu kommt eine rechtliche Unsicherheit: Eine Gruppe von US-Bundesstaaten fechtet die unter Section 122 des Trade Act verhängten Zölle gerichtlich an. Ob der aktuelle Satz von 10% tatsächlich auf 15% steigt, ist deshalb noch offen.

Umsatz wächst, Gewinn schrumpft

Im zweiten Quartal erzielte Nike einen Umsatz von 12,4 Milliarden Dollar — ein Plus von 1% gegenüber dem Vorjahr. Das Großhandelsgeschäft legte um 8% zu, besonders in Nordamerika. Trotzdem sank der Nettogewinn in den ersten beiden Quartalen zusammengenommen um 31% auf 1,5 Milliarden Dollar. Die höheren Kosten fressen die Umsatzgewinne schlicht auf.

Für das dritte Quartal erwartet Nike einen leichten Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich. Die Bruttomarge soll um 175 bis 225 Basispunkte sinken — ohne den Zolleffekt von 315 Basispunkten würde sie sich sogar verbessern.

Dividende und Quartalsbericht

Trotz des schwierigen Umfelds erhöht Nike seine Dividende zum 24. Mal in Folge. Am 1. April 2026 werden 0,41 Dollar je Aktie ausgeschüttet. Institutionelle Investoren wie Vanguard und BlackRock halten ihre Positionen, was auf anhaltende Überzeugung in die langfristige Entwicklung hindeutet.

Am 31. März 2026 legt Nike seine Q3-Zahlen vor. Im Mittelpunkt steht dann die Frage, wie konkret das Management den Fortschritt bei der Zollmitigation kommuniziert — und ob die steigenden Großhandelsbestellungen für die Frühjahrskollektion ein erster Hinweis auf eine operative Stabilisierung sind. Die Aktie notiert aktuell nahe ihrem Zehnjahrestief, rund 17% unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts.