Während an den globalen Anleihemärkten die Renditen auf mehrjährige Höchststände klettern und Risikoappetit vielerorts schwindet, läuft Japans Leitindex einfach weiter. Der Nikkei 225 legte am Freitag um 1,3 Prozent auf 66.364 Punkte zu und baute damit seine Gewinne der Vortage weiter aus. Auch auf Wochensicht steht ein Plus.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil rundherum die Vorzeichen eher negativ ausfielen. Der Hang-Seng-Index in Hongkong verlor rund 1,2 Prozent, in Australien ging es mit dem S&P/ASX 200 um 0,43 Prozent nach unten. In China, Südkorea und Taiwan ruhte der Handel wegen Feiertagen ohnehin.
Ölpreis und Yen als Treiber
Zwei Faktoren erklären den japanischen Sonderweg. Zum einen entspannten sich die Ölpreise, nachdem Berichte über eine mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus die Runde machten — der iranische Außenminister Abbas Araghtschi soll den USA laut Medienberichten einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet haben.
Für ein stark rohstoffimportabhängiges Land wie Japan wirkt jede Entlastung an der Ölfront unmittelbar positiv auf die Inflationserwartungen und damit auf den Druck bei den Anleiherenditen.
Zum anderen half ein schwächerer Yen den exportorientierten Schwergewichten im Index, während Technologiewerte nach der mehrtägigen Feiertagspause weiter aufholten.
Anleihemärkte bleiben Belastungsfaktor
Der eigentliche Unruheherd liegt weiterhin bei den Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger US-Titel kletterte zuletzt auf ein 19-Jahres-Hoch, dreißigjährige Papiere markierten mit Werten über 5,5 Prozent den höchsten Stand seit 2004. Auch japanische Staatsanleihen zogen mit, die zehnjährige Rendite stieg auf ihr höchstes Niveau seit 1996.
Steigende Zinsen an sich sind für Aktien selten eine gute Nachricht — dass der Nikkei sich davon bislang nicht bremsen lässt, unterstreicht die Sonderstellung, die Ölpreis und Yen-Schwäche derzeit für japanische Exporttitel bedeuten.
Am Markt wurde zudem das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping verarbeitet. Beide Seiten verständigten sich laut US-Finanzminister Scott Bessent auf eine Verlängerung der Handelswaffenruhe um zwei Monate, um weiter über Zölle, chinesische Käufe, Seltene Erden und Technologiebeschränkungen zu verhandeln.
Konkrete Ergebnisse blieben aber aus — ein Grund, warum sich vor allem Hongkonger Anleger enttäuscht zeigten, während der japanische Markt seinen eigenen Kurs weiterverfolgte.
Für die kommende Woche bleibt entscheidend, ob sich die Anleiherenditen weiter stabilisieren. Nur dann dürfte der Nikkei seine Divergenz zum Rest der Region aufrechterhalten können.
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