Nach zwei Verlusttagen in Folge und einem Rückgang von rund 1,3 Prozent zeigt der Nikkei 225 am Mittwoch, wie schnell sich die Stimmung in Tokio drehen kann. Der Index legte um 2,16 Prozent zu und markierte damit ein Ein-Monats-Hoch. Kein Wunder, dass Anleger nach der jüngsten Schwächephase aufatmen.

Getragen wurde die Rally von den Sektoren Immobilien, Banken und Textil. Besonders auffällig: SUMCO sprang um 9,08 Prozent nach oben, Resonac Holdings gewann 7,69 Prozent, Sumitomo Electric Industries zog um 6,65 Prozent an. Auf der Verliererseite blieben die Ausschläge deutlich kleiner — Murata Manufacturing gab 2,94 Prozent ab, Nichirei verlor 1,32 Prozent.

Die Marktbreite untermauert das positive Bild: An der Tokioter Börse standen 2.371 steigenden Werten nur 1.074 fallende gegenüber, 284 Titel blieben unverändert. Der Nikkei Volatility Index, der die implizite Volatilität von Nikkei-225-Optionen misst, kletterte dennoch leicht um 0,84 Prozent auf 27,74 Punkte — ein Hinweis darauf, dass Absicherungsbedarf trotz der Kursgewinne bestehen bleibt.

Vorgeschichte: Schwache Vorgaben aus Übersee

Der Rücksetzer der vergangenen Tage hatte klare Auslöser. Der Index war am Vortag um 396,35 Punkte beziehungsweise 0,60 Prozent auf 65.481,27 Punkte gefallen, nachdem Papier-, Transport-, Telekom- und Energiewerte belastet hatten.

Zuvor hatte bereits die Sorge vor einer breiteren Abkühlung bei KI-Investitionen auf die asiatischen Märkte gedrückt, während die Zinsanhebung der australischen Notenbank und diplomatische Bemühungen im Nahost-Konflikt für gemischte Signale sorgten.

Die schwachen Vorgaben aus New York taten ihr Übriges: Dow, S&P 500 und Nasdaq hatten vor dem lang erwarteten US-Inflationsbericht nachgegeben, Händler blieben zurückhaltend. Der Ölpreis bewegte sich derweil in die Gegenrichtung der Vortage — nach einem Rückgang um über drei Prozent auf 89,70 Dollar je Barrel notierte die US-Sorte WTI am Mittwoch wieder leicht fester bei 89,65 Dollar.

Der Goldpreis zieht parallel weiter an und markiert mit 4.222,82 Dollar je Feinunze ein weiteres Rekordniveau. Das signalisiert, dass Anleger trotz der Nikkei-Erholung nicht vollständig auf Risiko umschalten, sondern Absicherungen gegen Inflations- und Zinsrisiken aufrechterhalten. Der Yen gab gegenüber dem Dollar leicht nach auf 156,84.

Mit dem heutigen Sprung hat der Nikkei den größten Teil der Verluste der vergangenen zwei Handelstage wieder wettgemacht. Ob sich die Erholung fortsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie die anstehenden US-Inflationsdaten und die japanischen Konjunkturzahlen zu Industrieproduktion, Einzelhandel und Baubeginn ausfallen.