Der Nikkei 225 steht unter doppeltem Druck. Eine eskalierende US-Iran-Konfrontation und eine bevorstehende Zinsentscheidung der Bank of Japan haben Japans Leitindex in dieser Woche auf den tiefsten Stand seit dem 22. Mai gedrückt.

Am Mittwoch schloss der Index bei 64.179 Punkten — ein Minus von 1,89 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf knapp fünf Prozent. Vom Jahreshoch bei 68.786 Punkten trennen den Nikkei inzwischen mehr als sechs Prozent.

Geopolitik zieht die Stimmung nach unten

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war eine militärische Eskalation im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump ordnete Angriffe gegen den Iran an. Teheran antwortete mit Gegenschlägen gegen US-Interessen in Kuwait und Bahrain und drohte mit weiteren Angriffen.

Die Folge: globale Risikoaversion. Der Dow Jones verlor über 950 Punkte, der S&P 500 gab rund 120 Punkte ab. In Asien fiel der Hang Seng um mehr als 1,45 Prozent, der südkoreanische Kospi brach von seinem Jahreshoch zurück.

Besonders hart traf es den Technologie- und Halbleitersektor. Taiyo Yuden verlor 12,9 Prozent, Murata Manufacturing 10,8 Prozent und SoftBank Group 8,3 Prozent. Kioxia Holdings gab 7,8 Prozent nach, Fujikura 6,8 Prozent. Die preisgewichtete Struktur des Nikkei verstärkt solche Bewegungen — was den Index auf dem Weg nach oben beflügelt hatte, wirkt nun in die andere Richtung.

Hinzu kommt ein heimisches Inflationsproblem. Japans Erzeugerpreise stiegen im Mai um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr — deutlich über der Markterwartung von 5,5 Prozent und schneller als noch im April. Treiber waren Nichteisenmetalle sowie Chemie- und Erdölprodukte. Die faktische Schließung der Straße von Hormus hat Rohöl- und Naphtha-Kosten nach oben getrieben.

BoJ-Entscheidung als nächster Belastungstest

Am 15. und 16. Juni tagt die Bank of Japan. Eine Zinserhöhung von 0,75 auf 1,0 Prozent gilt als nahezu sicher. Capital-Economics-Ökonom Abhijit Surya formulierte es klar: Die anhaltend starke Erzeugerpreisinflation mache eine Anhebung so gut wie unausweichlich.

BoJ-Gouverneur Ueda hat seinen Ton verschärft. Er warnte, ein temporärer Energiepreisschock könne sich festsetzen, wenn er auf Löhne und Inflationserwartungen durchschlage. Der frühere BoJ-Direktor Hideo Hayakawa rechnet mit einem weiteren Schritt bereits im Oktober. Seine Einschätzung: Die Notenbank hinke der Entwicklung schon jetzt leicht hinterher.

Ein hawkisher Ton nach der Sitzung würde das Risiko einer Auflösung globaler Carry Trades erhöhen. Kein kleines Risiko — der Nikkei notiert aktuell mit dem 22,7-fachen der erwarteten Gewinne, mehr als eine Standardabweichung über dem zehnjährigen Durchschnitt.

Technisches Bild bleibt angespannt

Der Nikkei hält sich knapp über seiner Aufwärtstrendlinie nahe 63.000 Punkten. Der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt intakt, solange der Index über dem 200-Tage-Durchschnitt bei rund 53.300 Punkten notiert — der aktuelle Abstand beträgt gut 20 Prozent.

Auf der Unterseite markiert das 38,2-Prozent-Fibonacci-Retracement bei rund 61.800 Punkten die nächste relevante Unterstützung. Dieses Niveau entspricht zugleich einem Rückgang von zehn Prozent vom Jahreshoch — klassisches Korrekturterritorium. Hält auch diese Zone nicht, rückt die psychologische Marke von 60.000 Punkten in den Blickpunkt.