Nach einer vorangegangenen Erholungsbewegung hat der japanische Leitindex zum Wochenausklang spürbar nachgegeben. Am gestrigen Freitag schloss der Nikkei 225 bei 68.190,14 Punkten, was einem Tagesverlust von 1,1 Prozent entspricht.
Marktteilnehmer nutzten die jüngsten Gewinne für Verkäufe, während geopolitische Spannungen im Nahen Osten und volatile Energiepreise die Risikobereitschaft dämpften. Trotz des jüngsten Rücksetzers verzeichnet der Index seit Jahresanfang ein deutliches Plus von 35 Prozent.
Höhere Tokioter Teuerung weckt Zinssorgen
Neben globalen Unsicherheiten rückte gestern vor allem die Preisentwicklung im Großraum Tokio in den Fokus. Die Kerninflationsrate ohne frische Lebensmittel beschleunigte sich im September sprunghaft auf 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nachdem sie im August noch bei 1,8 Prozent gelegen hatte.
Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Vorfeld lediglich einen Anstieg auf 2,4 Prozent prognostiziert. Werden zusätzlich auch die Energiekosten ausgeklammert, belief sich das Plus sogar auf 3,0 Prozent.
Die Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweite Preisentwicklung. Am Markt wachsen dadurch die Befürchtungen, dass die Bank of Japan ihren geldpolitischen Straffungskurs rascher fortsetzen könnte als bisher eingepreist. Höhere Fremdkapitalkosten stellen traditionell einen dämpfenden Faktor für Aktienbewertungen dar.
Wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zusammenfassungen der jüngsten Notenbanksitzung hervorging, plädierten einige Währungshüter bereits dafür, den Leitzins schneller in Richtung des Zielniveaus anzuheben. Die nächste reguläre Zinsentscheidung der Notenbank steht am 29. und 30. Oktober an.
Verkaufsdruck bei Schwergewichten und Indexumbau
Am japanischen Aktienmarkt gerieten gestern insbesondere Einzeltitel aus dem Technologie- und Industriesektor unter Druck. Die Aktie der SoftBank Group verbuchte einen Kursrückgang von 5,83 Prozent und führte damit die Verliererliste im Nikkei an. Auch Papiere von Nissan Motor mit einem Minus von 4,97 Prozent sowie der Medizintechnikkonzern Terumo mit einem Abschlag von 4,59 Prozent verzeichneten deutliche Einbußen.
Gleichzeitig verarbeitete das Börsenbarometer die planmäßigen Veränderungen in seiner Zusammensetzung, die am Donnerstag in Kraft traten. Neu im Nikkei 225 vertreten sind der Videospieleentwickler Capcom sowie die Halbleiter- und Werkstoffspezialisten JX Advanced Metals und Kokusai Electric. Sie ersetzten Konica Minolta, Kanadevia und Archion.
Gemischte Konjunktursignale aus der Industrie
Die wirtschaftliche Gesamtlage in Japan präsentiert sich derweil uneinheitlich. Zwar verbesserte sich die Stimmung der großen Industriebetriebe im jüngsten Tankan-Bericht der Zentralbank: Der entsprechende Diffusionsindex kletterte von plus 22 im Juni auf nun plus 24 Zähler. Gleichzeitig schwächte sich jedoch der Indikator für die Dienstleistungsbranche leicht auf plus 35 Punkte ab.
Zudem meldete das japanische Wirtschaftsministerium für August einen überraschenden Rückgang der Industrieproduktion um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, während Analysten mit einem Zuwachs gerechnet hatten.
Vor allem Naturkatastrophen wie Erdbeben und Taifune belasteten dabei die Fahrzeugfertigung, deren Ausstoß um 6,8 Prozent einbrach. Nomura-Stratege Wataru Akiyama wies zudem darauf hin, dass die Unsicherheiten im Nahen Osten die Inflationsrisiken wieder verstärkt in das Bewusstsein der Anleger rücken.
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