Nio- vs. XPeng-Aktie: Infrastruktur-Festung gegen Software-Macht

XPeng führt im direkten Vergleich mit 82 zu 78 Punkten, dank Technologieführerschaft und höherem Absatzvolumen. Nio punktet mit starkem Umsatzwachstum und einzigartigem Batteriewechsel-Ökosystem.

Nio Aktie
Kurz & knapp:
  • XPeng setzt auf Technologieführerschaft und autonomes Fahren
  • Nio baut auf Batteriewechsel-Ökosystem und Mehrmarkenstrategie
  • Beide Unternehmen zeigen starkes Auslieferungswachstum für 2026
  • XPeng erzielt Einnahmen aus F&D-Dienstleistungen für Partner

Der globale Kampf um die Vorherrschaft auf dem Markt für Elektrofahrzeuge hat sich im Februar 2026 zu einem erbitterten Verdrängungswettbewerb entwickelt. Mittendrin stehen zwei chinesische Innovatoren, die längst mehr sind als reine Autobauer: Nio und XPeng. Beide Unternehmen definieren Mobilität neu – der eine durch ein einzigartiges Service-Ökosystem, der andere durch technologische Überlegenheit. Doch für Anleger stellt sich heute, Anfang Februar 2026, die entscheidende Frage: Welche Aktie bietet das attraktivere Chance-Risiko-Profil für das laufende Jahr? Wir analysieren Positionierung, Wachstumstempo und Bewertung in einem datengestützten Schlagabtausch.

Strategische Ausrichtung: Wer hat den besseren Masterplan?

Der weltweite Wandel zur Elektromobilität ist eine der bedeutendsten industriellen Transformationen unserer Zeit. Sowohl Nio als auch XPeng haben sich strategisch hervorragend positioniert, um einen erheblichen Teil dieses riesigen Gesamtmarktes (Total Addressable Market) zu erobern. Doch Visionen allein reichen an der Börse nicht mehr aus – es zählt die Umsetzung in harte Marktanteile.

Nio verfolgt dabei eine aggressive Mehrmarkenstrategie, um verschiedene Preissegmente abzudecken. Neben der etablierten Premiummarke Nio rollt das Unternehmen die familienorientierte Marke „Onvo“ und die kompakte Einstiegsmarke „Firefly“ massiv aus. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Konzern, eine deutlich breitere Kundenbasis anzusprechen, ohne das Premium-Image der Hauptmarke zu verwässern. Für das Jahr 2026 prognostiziert der Nio-Vorsitzende ein anhaltendes jährliches Auslieferungswachstum von 40 % bis 50 %. Das würde einem Zielkorridor von 450.000 bis 490.000 Fahrzeugen entsprechen. Der eigentliche Clou bleibt jedoch das „Battery-as-a-Service“-Modell (BaaS) und das dichte Netz an Batteriewechselstationen. Dies schafft einen tiefen wirtschaftlichen Burggraben, fördert die Nutzerbindung und generiert wiederkehrende Einnahmen, von denen klassische Autobauer nur träumen können.

XPeng hingegen setzt andere Prioritäten. Zwar erweitert auch dieser Hersteller seine Modellpalette, doch der Fokus liegt fast fanatisch auf der technologischen Marktführerschaft, insbesondere beim autonomen Fahren und künstlicher Intelligenz (KI). Das Unternehmen hat sich für 2026 ein extrem ehrgeiziges Absatzziel von 550.000 bis 600.000 Fahrzeugen gesetzt. Dies signalisiert enormes Selbstvertrauen in die eigene Produktpipeline und die internationalen Expansionspläne. XPeng will seinen Auslandsabsatz im Jahr 2026 verdoppeln – 2025 lag dieser Anteil bei etwa 10 % des Gesamtvolumens. Durch den Aufbau lokalisierter Lieferketten in Europa und den ASEAN-Märkten versucht XPeng zudem, Zölle zu umgehen und Kosten zu senken.

Innovationskraft: Wo fließt das Geld wirklich hin?

Im EV-Sektor ist Innovation die härteste Währung. Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) sind keine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit. Doch wofür geben die Konkurrenten ihr Geld aus?

Nios F&E-Ausgaben beliefen sich im vierten Quartal 2024 auf 3,64 Milliarden RMB. Dies stellt zwar einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr dar, spiegelt aber lediglich unterschiedliche Entwicklungsphasen neuer Produkte wider. Ein zentraler Pfeiler der Innovation bleibt die Power-Swap-Technologie. Sie ist kapitalintensiv, aber ein mächtiges Alleinstellungsmerkmal, das Reichweitenangst und Sorgen um die Batteriealterung eliminiert. Zudem beweist die gleichzeitige Entwicklung und Markteinführung von Fahrzeugen dreier verschiedener Marken (Nio, Onvo, Firefly) eine bemerkenswert robuste Entwicklungskapazität.

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XPeng betont konsequent seine Identität als Technologieunternehmen mit strategischem Fokus auf die interne Entwicklung von Software für autonomes Fahren (XNGP) und Hardware. Die F&E-Ausgaben im dritten Quartal 2025 lagen bei 2,43 Milliarden RMB, was einem signifikanten Anstieg von 48,7 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Sprung unterstreicht das Engagement für technologischen Fortschritt. Besonders spannend für Anleger: Ein bemerkenswerter Teil der Einnahmen stammt mittlerweile aus margenstarken F&E-Dienstleistungen für Partner. XPeng beweist damit, dass es seine Innovationen auch jenseits des reinen Fahrzeugverkaufs monetarisieren kann.

Kennzahl (Letztes Berichtsquartal)NioXPengEinschätzung
F&E-Ausgaben3,64 Mrd. RMB (Q4 ’24)2,43 Mrd. RMB (Q3 ’25)XPengs Anstieg zeigt aggressive Tech-Investitionen.
Innovations-FokusBatteriewechsel, Multi-MarkenAutonomes Fahren, KI-TechUnterschiedliche Langzeitstrategien.
Produkt-PipelineNeue Modelle über 3 MarkenNeue Modelle, intl. ExpansionBeide Pipelines sind prall gefüllt.

Wachstumstempo: Zahlen lügen nicht – oder doch?

Ein Blick auf die jüngsten Auslieferungszahlen und die Prognosen verrät viel über die aktuelle Dynamik. Beide Unternehmen zeigen beeindruckendes Momentum, doch die Art ihres Wachstums unterscheidet sich fundamental.

Nio lieferte im vierten Quartal 2025 die Rekordzahl von 124.807 Fahrzeugen aus – ein atemberaubender Anstieg von 71,7 % im Jahresvergleich. Im Gesamtjahr 2025 erreichten die Auslieferungen 326.028 Fahrzeuge, ein Plus von 46,9 %. Die Umsatzprognose für das Schlussquartal 2025 lag zwischen 32,76 und 34,04 Milliarden RMB, was einem massiven Wachstum von ca. 66,3 % bis 72,8 % entspricht. Dieser Schub wird zunehmend von den neuen Marken befeuert: Allein im Dezember 2025 setzten sich die Auslieferungen aus 31.897 Nio-, 9.154 Onvo- und 7.084 Firefly-Fahrzeugen zusammen.

XPeng gab für das vierte Quartal 2025 eine Prognose von 125.000 bis 132.000 Einheiten aus, was ebenfalls auf starkes Momentum hindeutet. Die Umsatzprognose für denselben Zeitraum lag zwischen 21,5 und 23,0 Milliarden RMB. Auch wenn diese Umsatzschätzung unter den Erwartungen einiger Analysten lag, ist das reine Volumenwachstum unbestreitbar. Für das Gesamtjahr 2025 lieferte XPeng 429.445 Fahrzeuge aus und legte damit die Messlatte hoch für das 2026er Ziel von bis zu 600.000 Einheiten. Das entspräche einem weiteren Wachstum von bis zu 40 %.

WachstumsindikatorNioXPengUnterschied
Q4 2025 Auslieferungen124.807 (+71,7 % YoY)125.000-132.000 (Prognose)XPeng zeigt leicht höhere Volumen-Guidance.
Gesamtjahr 2025 Auslieferungen326.028 (+46,9 % YoY)429.445XPeng lieferte 2025 deutlich mehr Autos.
Ziel 2026 (Auslieferungen/Verkauf)450k-490k (+40-50 %)550k-600k (+28-40 %)XPeng hat das höhere absolute Volumenziel.
Umsatzwachstum (Q4 ’25 Prognose)+66,3 % bis +72,8 % YoY+33,5 % bis +42,8 % YoYNio erwartet stärkeres relatives Umsatzwachstum.

Bewertung: Ist der Aufpreis gerechtfertigt?

Die Bewertung von wachstumsstarken EV-Aktien ist eine Kunst für sich, da traditionelle Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aufgrund fehlender Gewinne oft negativ sind. Stattdessen blicken Investoren auf zukunftsgerichtete Metriken wie das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und das PEG-Ratio, abgewogen gegen das Wachstumspotenzial.

Anfang Februar 2026 liegt die Marktkapitalisierung von Nio bei etwa 9,42 bis 11,42 Milliarden US-Dollar. Basierend auf der Umsatzprognose für das vierte Quartal impliziert dies ein vorausschauendes KUV, das im Branchenvergleich als wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar günstig erscheint – besonders wenn man das prognostizierte Umsatzwachstum von bis zu 73 % berücksichtigt.

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XPengs Börsenwert wurde zuletzt mit rund 15,68 Milliarden US-Dollar beziffert. Das Price-to-Earnings-Growth-Ratio (PEG) lag bei 2,86. Das deutet auf eine Premium-Bewertung hin, die Investoren bereit sind, für das zukünftige Ertragspotenzial zu zahlen. Das vorausschauende KUV von 1,18x (Stand Ende 2025) war höher als das von Nio. Der Markt preist hier offensichtlich die aggressive Expansion und die erfolgreiche Monetarisierungsstrategie der Technologie ein.

BewertungskennzahlNioXPengSektorkontext
Marktkapitalisierung (Feb 2026)~$10,4 Mrd.~$15,7 Mrd.Beide signifikant, aber kleiner als Legacy-Autohersteller.
Forward KUV (basierend auf Q4)NiedrigerHöherNio wirkt auf Umsatzbasis günstiger.
PEG RatioN/A2,86XPengs Wachstum hat seinen Preis.

Der Burggraben: Wer überlebt den Preiskrieg?

Die langfristige Überlebensfähigkeit hängt davon ab, ob man sich gegen die Flut der Konkurrenz verteidigen kann. Nios primäre Verteidigungslinie ist sein Nutzer-Ökosystem, zentriert um die Batteriewechselstationen. Dieser infrastruktur-lastige Ansatz schafft hohe Eintrittsbarrieren und eine treue Kundschaft, die in der Bequemlichkeit der „Power Solutions“ gefangen ist („Lock-in-Effekt“). Auch die Mehrmarkenstrategie ist ein defensiver Schachzug: Sie diversifiziert die Einnahmebasis und verringert die Abhängigkeit vom reinen Premiumsegment.

XPengs Burggraben wurzelt tief in der Technologie, speziell in der kompletten In-House-Lösung für autonomes Fahren. Während sich die Branche hin zu „Software-defined Vehicles“ bewegt, könnte der Besitz der Kerntechnologie von Grund auf einen signifikanten langfristigen Vorteil bei Funktionen, Leistung und Kosten bieten. Die Partnerschaft mit Volkswagen zur Bereitstellung technischer F&E-Dienstleistungen ist ein Ritterschlag für XPengs Tech-Kompetenz. Sie eröffnet einen neuen, hochmargigen Einnahmestrom, der widerstandsfähiger gegen die zyklischen Schwankungen des Autoverkaufs ist.

Fazit: Der Sieger im direkten Vergleich

Nio:
* Gesamtpunktzahl: 78/100
* Stärken: Starkes Marken-Ökosystem (BaaS), beeindruckende Beschleunigung des Umsatzwachstums, Risikostreuung durch Mehrmarkenstrategie.
* Schwächen: Hoher Cash-Burn, kapitalintensives Infrastrukturmodell, aktuell noch höhere Nettoverluste.
* Investment-Case: Nio ist eine Wette auf eine Premiummarke, die durch ihre einzigartige Infrastruktur eine loyale Nutzerbasis aufbaut und hält.

XPeng:
* Gesamtpunktzahl: 82/100
* Stärken: Führungsrolle bei autonomer Fahrtechnologie, höheres Fahrzeugvolumen, Monetarisierung von Technologie durch Partnerschaften (z.B. VW).
* Schwächen: Schwächer als erwartete Umsatzprognose für Q4, intensiver Wettbewerb in den Zielsegmenten, sportliche Bewertung.
* Investment-Case: XPeng ist ein Investment in einen Technologieführer, dessen Software- und KI-Kompetenz die langfristige Marktposition und Profitabilität definieren könnte.

Relativer Vorteil: XPeng mit +4 Punkten
Vertrauensniveau: Mittel (abhängig von den offiziellen Q4 2025 Finanzberichten)
Zeithorizont: Einschätzung gültig für 6 bis 12 Monate

Während Nio mit seiner Infrastruktur-Wette und dem Mehrmarken-Ansatz Boden gutmacht und günstiger bewertet scheint, hat XPeng im direkten Duell aktuell die Nase vorn. Die Kombination aus höherem Volumen und der Fähigkeit, Technologie als Dienstleistung an Giganten wie VW zu verkaufen, macht das Geschäftsmodell derzeit etwas robuster und zukunftssicherer.

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Über Dieter Jaworski 1385 Artikel

Über mich: Systematisch und fundiert investieren

Als unabhängiger Finanzanalyst unterstütze ich seit 2002 private und institutionelle Anleger bei der Entwicklung nachhaltiger Finanzstrategien. Meine Leidenschaft für Finanzen und Zahlen reicht jedoch viel weiter zurück – über 40 Jahre. Diese langjährige Begeisterung, kombiniert mit über zwei Jahrzehnten professioneller Erfahrung in Aktienanalyse und Vermögensaufbau, bildet die Basis meiner Arbeit.

Mein Ziel ist es, Ihnen zu helfen, Ihre Finanzen selbstbewusst und systematisch zu steuern. Ich setze auf praxiserprobte Strategien, die auf fundierten Kennzahlen und klaren Regeln basieren – ohne Hype oder kurzfristige Spekulation.

Mein Weg: Von Siemens-Aktien zur professionellen Analyse

Meine Faszination für Finanzen begann früh. Die ersten eigenen Aktien (Siemens-Belegschaftsaktien 1980) weckten mein Interesse. Während meines Elektrotechnikstudiums vertiefte ich mich im Selbststudium in die Analyse von Aktien und Unternehmensdaten. Die Dotcom-Blase um 2000 war eine prägende Erfahrung – der Verlust von 50% des Kapitals verdeutlichte mir schmerzhaft: „Gier frisst Hirn“. Diese Lektion führte zur Entwicklung disziplinierter Strategien im Bereich Value Investing und Momentum.

Parallel zu meiner wachsenden Finanzexpertise war ich 29 Jahre bei Siemens in internationalen Positionen tätig (u.a. Netzplanung, technische Großprojekte, Vertriebsleitung). Diese Zeit verschaffte mir tiefe Einblicke in die Abläufe und Kennzahlen großer Konzerne – ein unschätzbarer Vorteil für die heutige Aktienbewertung. Ich war zudem im Research-Team eines Finanzinstituts und als Gutachter für einen Wirtschaftsverlag tätig.

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