Der Kampf um die Vorherrschaft im chinesischen Elektrofahrzeugsektor (EV) ist in den ersten Wochen des Jahres 2026 in eine entscheidende neue Phase eingetreten. Während XPeng das Volumenrennen im Jahr 2025 noch klar für sich entscheiden konnte, hat sich die Marktstimmung in den letzten sieben Tagen bemerkenswert gedreht.
Frische Analysteneinschätzungen der letzten 48 Stunden haben das Schachbrett neu geordnet: Eine prominente Heraufstufung für Nio steht im scharfen Kontrast zu Kurszielsenkungen bei der Konkurrenz. Dies entfacht eine hitzige Debatte unter Investoren: Ist der vermeintliche Underdog Nio endlich bereit, den Überflieger XPeng im Jahr 2026 hinter sich zu lassen?
Wer hat das Momentum auf seiner Seite?
Das wichtigste Ereignis der vergangenen Handelswoche (12.–16. Januar 2026) war die gegensätzliche Neubewertung durch große Finanzinstitute, allen voran Macquarie. Hier zeigt sich, wie schnell sich der Wind an der Börse drehen kann.
- Das Bullen-Signal für Nio: Am Donnerstag stuften Analysten Nio von „Neutral“ auf „Outperform“ hoch und hoben das Kursziel auf 6,10 US-Dollar an. Der Katalysator? Ein rekordverdächtiger Dezember 2025 mit über 48.000 Auslieferungen und die erfolgreiche Skalierung der Submarken Onvo und Firefly.
- Gegenwind für XPeng: Fast zeitgleich wurde das Ziel für XPeng von 32 auf 26 US-Dollar gesenkt. Trotz eines massiven Jahres 2025 bezeichneten Analysten 2026 als „Übergangsjahr“ für XPeng. Sie verwiesen auf potenziellen Margendruck und eine Ruhephase, bevor neue Modellzyklen voll greifen.
Die Reaktion des Marktes:
Die Nio-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 2 % und zeigte relative Stärke gegenüber dem Sektor, wobei sie sich über der Marke von 4,70 US-Dollar stabilisierte. XPeng, das um die 20,93 US-Dollar notierte, geriet unter Konsolidierungsdruck, da Anleger das Narrativ des „Übergangsjahres“ erst einmal verdauen mussten.
Der Blick in den Rückspiegel: Zahlen lügen nicht
Um den Ausblick für 2026 wirklich zu verstehen, ist ein Blick auf die harten Fakten des kürzlich abgeschlossenen Geschäftsjahres 2025 unerlässlich.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nio?
| Kennzahl | Nio (NIO) | XPeng (XPEV) | Gewinner |
|---|---|---|---|
| Gesamtauslieferungen 2025 | 326.028 | 429.445 | XPeng |
| Wachstum (YoY) | +47 % | +126 % | XPeng |
| Auslieferungen Dez. 2025 | ~48.135 | ~37.500 | Nio |
| Globale Expansion | Fokus Europa (Batteriewechsel) | Aggressiv (60 Länder) | XPeng |
| Aktienperformance (1 Jahr) | Nachzügler, jüngste Erholung | +57 % Outperformer | XPeng |
XPeng profitierte 2025 massiv von seiner erschwinglichen MONA-Serie und konnte den Absatz mehr als verdoppeln. Die Daten enthüllen jedoch eine späte Wendung: Nio überholte XPeng im Dezember 2025 bei den Verkaufszahlen. Dies signalisiert, dass Nios Mehrmarkenstrategie (Nio + Onvo + Firefly) endlich Traktion gewinnt, genau in dem Moment, in dem sich das Momentum von XPeng normalisiert.
Wachstums-Turbo oder Übergangsjahr?
Nio: Der „Aggressive Angreifer“
Nio startet mit der aggressivsten Produktpipeline seiner Geschichte in das Jahr 2026.
* Der Firefly-Katalysator: Der Start der Marke Firefly zielt auf das volumenstarke Kompaktwagensegment ab. Experten erwarten, dass dies das Volumen signifikant steigern wird, ohne das Premium-Image der Kernmarke Nio zu verwässern.
* BaaS als Burggraben: Die Akzeptanzrate von „Battery as a Service“ hat die 80-Prozent-Marke überschritten. Diese wiederkehrenden Einnahmen entwickeln sich zu einem finanziellen Polster, das der Konkurrenz fehlt.
* Die Prognose: CEO William Li hat ein Ziel von 40–50 % Wachstum für 2026 ausgegeben, was ca. 450.000 Einheiten entspricht. Sollte dies gelingen, könnte Nio den Abstand zu XPeng drastisch verringern.
XPeng: Der „Reifende Riese“
XPeng verlagert den Fokus vom reinen Hyperwachstum hin zu nachhaltiger globaler Skalierung.
* Das Übergangsjahr: Mit vier neuen SUV-Modellen, die für 2026 geplant sind (inklusive G01/G02), wird das Portfolio aufgefrischt. Anlaufkosten und Marketingausgaben könnten jedoch im ersten Halbjahr 2026 auf die Margen drücken.
* Globale Ambitionen: XPeng dringt aggressiv in Märkte wie Katar und Malaysia vor, mit dem Ziel, den Auslandsabsatz zu verdoppeln.
* Der Volkswagen-Faktor: Die Partnerschaft bleibt ein wichtiges Qualitätsiegel. Allerdings bringen die Erlöse aus VW-Softwaregebühren Volatilität in die Quartalsergebnisse, wie jüngste Berichte anmerkten.
* Die Prognose: Interne Ziele deuten auf 550.000–600.000 Einheiten hin – ein solides, aber sich verlangsamendes Wachstum im Vergleich zum explosiven Jahr 2025.
Was verraten Chart und Bewertung?
Bewertungs-Schnappschuss
- Nio: Die Aktie handelt bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von etwa 0,7x – 1,0x (Forward 2026). In diesem Kurs ist viel Skepsis eingepreist. Jede positive Überraschung bei der Profitabilität (angestrebt für Q4 2026) könnte eine massive Neubewertung auslösen.
- XPeng: Hier liegt das KUV bei 1,7x. Dieser Aufschlag ist durch die bessere operative Ausführung in der Vergangenheit gerechtfertigt, lässt aber weniger Raum für Fehler.
Charttechnik (Stand: 18. Januar 2026)
- Nio (Bullische Trendwende?):
- Unterstützung: Ein starker Boden hat sich bei 4,00 – 4,50 US-Dollar gebildet.
- Widerstand: Das entscheidende Ausbruchsniveau liegt bei 5,30 US-Dollar. Ein Schlusskurs darüber würde die Trendwende bestätigen.
- Trend: Kurzfristiger Aufwärtstrend seit Januar 2026 nach dem Upgrade etabliert.
- XPeng (Konsolidierung):
- Unterstützung: Kritische Zone bei 18,50 US-Dollar.
- Widerstand: Massives Angebot im Bereich 22,00 – 24,00 US-Dollar.
- Trend: Seitwärts/Korrektur. Die Aktie benötigt frische Impulse, um die jüngsten tieferen Hochs zu durchbrechen.
Wie positionieren sich die Profis?
Der Stimmungswechsel ist greifbar.
* Nio: Die Wall Street bewegt sich von „Verkaufen/Halten“ hin zu „Kaufen/Spekulativer Kauf“. Der Konsens lautet: Die schlechten Nachrichten (Cash-Burn, niedrige Margen) sind bei 4 bis 5 US-Dollar eingepreist, während das Wachstum durch Onvo/Firefly eine „Gratis-Option“ darstellt.
* XPeng: Hält weiterhin einen „Moderaten Kauf“-Konsens, aber der Trend bei den Kurszielen zeigt leicht nach unten. Der Markt wartet ab, ob das MONA-Momentum aufrechterhalten werden kann, ohne die Margen weiter zu erodieren.
Wer hält die besseren Karten?
Innovation & Technik:
* XPeng bleibt führend bei der Monetarisierung von reiner ADAS-Software (autonomes Fahren) und deren Erschwinglichkeit.
* Nio hält den Infrastruktur-Vorteil mit seinen Swap Stations (Batteriewechselstationen), die sich in dichten chinesischen Städten nun als entscheidender Verkaufsfaktor erweisen.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nio?
Finanzielle Gesundheit:
* XPeng hat einen klareren Pfad zum ganzjährigen Nettogewinn.
* Nio verbrennt weiterhin Geld, wobei der Breakeven auf Ende 2026 verschoben wurde. Dies macht Nio zur riskanteren Wette, die hochsensibel auf Zinsänderungen und die Stimmung am Kapitalmarkt reagiert.
Fazit
Die Dynamik zwischen Nio und XPeng hat sich zum Start des Jahres 2026 gedreht.
XPeng bleibt die „sicherere“ Wette für konservative Wachstumsanleger, die in ein Unternehmen mit bewährter Volumenausführung und starker Volkswagen-Rückendeckung investieren wollen. Das Etikett „Übergangsjahr“ suggeriert jedoch ein begrenztes Aufwärtspotenzial auf kurze Sicht, bis sich die neuen Modelle beweisen.
Nio hat sich zur chancenreichen „Contrarian“-Wette entwickelt. Mit einem gedrückten Aktienkurs und niedrigen Erwartungen schafft die Kombination aus Rekordauslieferungen im Dezember, dem Macquarie-Upgrade und dem Firefly-Produktzyklus ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil.
Das Urteil: Wer Stabilität und globale Skalierung sucht, ist bei XPeng weiterhin an der richtigen Adresse. Wer jedoch auf Momentum und Turnaround-Potenzial im ersten Quartal 2026 setzt, für den sprechen die Daten aktuell eher für Nio.
Disclaimer: Diese Analyse basiert auf Daten, die zum 18. Januar 2026 verfügbar waren. Sie stellt keine Finanzberatung dar.
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