Nokia macht Ernst mit dem Umbau seines China-Geschäfts. Wie Reuters berichtete, will der finnische Netzwerkausrüster den Großteil seiner Belegschaft im chinesischen Festland abbauen und Standorte stufenweise bis Jahresende schließen.
Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt damit, das Geschäft in China sei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, weshalb man die Aufstellung dort besser an die globale Struktur anpassen wolle. Die genaue Zahl der betroffenen Standorte und Mitarbeiter hat Nokia bislang nicht beziffert, wie Reuters in einer Folgemeldung bekräftigte.
Kosten und Einsparungen beziffert
Medienberichten zufolge rechnet Nokia für das laufende Jahr mit rund 350 Millionen Euro an Integrationskosten für den China-Umbau. Langfristig soll sich der Schritt jedoch auszahlen: Die erwarteten jährlichen Einsparungen liegen bei etwa 200 Millionen Euro.
Trotz der Belastungen bleibt die Gesamtprognose für 2026 unverändert – Nokia rechnet weiterhin mit einem vergleichbaren operativen Gewinn zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro. Die Restrukturierungskosten entsprechen damit rund einem Drittel des Mittelwerts dieser Gewinnspanne, wie Marktkommentare errechneten.
Der Konzernumbau fällt in eine Phase, in der Nokia operativ Rückenwind aus einem anderen Bereich erhält. Die Auftragslage im Bereich künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur hat sich zuletzt auf 2,8 Milliarden Euro belaufen, ein Wert, der die strategische Neuausrichtung des Konzerns weg von schrumpfenden Märkten wie China und hin zu wachstumsstärkeren Segmenten unterstreicht.
Ergänzend hatte bereits Mitte August ein Kurssprung von 9,6 Prozent gezeigt, wie sensibel Nokia auf Signale aus dem Optiknetzwerk-Ökosystem reagiert: Eine überraschend positive Prognose des US-Zulieferers Lumentum hatte laut Reuters die Erwartungen an die Nachfrage in diesem Bereich branchenweit angehoben.
Kurs bleibt volatil, Bewertung gemischt
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in schwankenden Notierungen wider. Die Nokia-Aktie schloss am Freitag bei 8,80 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent auf Tagessicht, nachdem sie binnen sieben Tagen um 6,0 Prozent nachgegeben hatte.
Auf Monatssicht steht dagegen ein Zuwachs von 9,2 Prozent zu Buche, und seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 57 Prozent verteuert. Das Papier notiert damit weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde, zugleich aber weit über dem Tief von 3,62 Euro vom vergangenen August.
Ein automatisierter Kursindikator, der 14-Tage-RSI, liegt derzeit bei 47 Punkten und signalisiert damit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation.
Für Anleger dürfte in den kommenden Monaten entscheidend sein, ob sich die angekündigten China-Einsparungen wie geplant materialisieren und ob das Momentum im KI- und Cloud-Geschäft anhält – zwei Faktoren, die stärker auf die Kursentwicklung wirken dürften als kurzfristige Schwankungen an einzelnen Handelstagen.
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