Nokia trennt sich endgültig von seiner bekanntesten Verbrauchermarke: Der Smartphone-Hersteller HMD Global stellt den Namen Nokia für Mobilgeräte ein. Die letzten beiden unterstützten Modelle, das G310 5G und das XR21, verlieren am 24. August 2026 beziehungsweise am 24. Mai 2027 den Software-Support.

Für Anleger ist das mehr Symbolik als Substanz – das Kerngeschäft des finnischen Konzerns liegt längst in Netzwerktechnik und AI-Infrastruktur, nicht im Handygeschäft, das ohnehin lizenziert war.

Die eigentliche Anlagegeschichte spielt sich derzeit woanders ab. Nach einer sechstägigen Rally von 27 Prozent haben Morgan Stanley und JPMorgan am Donnerstag ihre Kursziele für die in Helsinki notierten Nokia-Aktien auf 11 beziehungsweise 12 Euro angehoben.

Als Treiber nennen die Häuser den von ihnen so bezeichneten „AI-Supercycle“ sowie die strategische Abkehr vom chinesischen Markt. Auch Argus stufte die in den USA gehandelten Nokia-Papiere am selben Tag von „Hold“ auf „Buy“ hoch, mit einem neuen Kursziel von 15,00 US-Dollar, und verweist auf die starke Dynamik im Bereich AI-gestützter Netzwerktechnik.

Rückzug aus China als strategischer Kern

Nokia plant Medienberichten zufolge, bis Ende 2026 nahezu alle operativen Standorte in Festlandchina aufzugeben. Dazu zählt die Schließung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Hangzhou, verbunden mit dem Wegfall von rund 1.600 Arbeitsplätzen.

Freiwerdende Ressourcen sollen in den Ausbau der AI-Infrastruktur für Nordamerika und Europa fließen. Diese Neuausrichtung ist der eigentliche Hintergrund der jüngsten Analysten-Aufwertungen: Der Markt honoriert die Konzentration auf margenstärkere, wachstumsstarke Geschäftsfelder.

Untermauert wird die Wachstumsstory durch handfeste Aufträge. Anfang August hatte Nokia für sein AI-&-Cloud-Segment einen Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro gemeldet, woraufhin SEB Equities die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hochstufte und ein Kursziel von 12,00 Euro ausgab.

Bank of America hatte bereits am 12. August ihr Kursziel auf 18,50 US-Dollar angehoben und die „Buy“-Einstufung bestätigt, da die AI-bezogenen Aufträge im zweiten Quartal die Markterwartungen deutlich übertroffen hätten.

Institutionelle Investoren und Insider bauen Positionen aus

Auch auf Investorenseite verdichten sich die Signale. Ein regulatorischer Bericht bestätigte, dass Bank of America ihre Nokia-Beteiligung im ersten Quartal um 105,2 Prozent aufgestockt hat, auf nun 2,43 Millionen Aktien im Wert von rund 19,6 Millionen US-Dollar.

Nvidia hält laut Berichten einen Anteil von 2,9 Prozent an Nokia im Wert von etwa einer Milliarde US-Dollar – Teil einer strategischen Partnerschaft zur Entwicklung einer AI-RAN-Plattform, die derzeit bei T-Mobile getestet wird. Mitte August kauften zudem mehrere Nokia-Führungskräfte, darunter Raghav Sahgal, eigene Aktien zum volumengewichteten Durchschnittskurs von 9,091 Euro.

Kursverlauf spiegelt Euphorie und Ernüchterung zugleich

Der jüngste Analystenoptimismus trifft auf eine Aktie, die zuletzt Federn gelassen hat. Am Freitag schloss das Papier bei 8,80 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent auf Tagessicht, doch auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,0 Prozent zu Buche.

Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, fehlen der Aktie derzeit 41 Prozent. Gleichzeitig liegt sie 144 Prozent über ihrem Jahrestief von 3,61 Euro aus dem vergangenen August und hat seit Jahresbeginn um 57 Prozent zugelegt.

Das zeigt: Die Bewertung schwankt stark, während sich das operative Bild zunehmend klärt. Nokia hatte im August seine Prognose für das operative Ergebnis 2026 auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro angepasst, begründet mit einer buchhalterischen Neuzuordnung und einer Geschäftsentwicklung, die oberhalb des Zielkorridor-Mittelwerts verläuft.

Für Anleger bleibt die Kombination aus AI-Auftragsboom, China-Rückzug und wachsendem institutionellem Interesse der entscheidende Treiber – die Handymarke war nur ein Randkapitel.