Nokia hat für das zweite Quartal einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro gemeldet – doch unter dem Strich blieben davon gerade einmal 5 Millionen Euro Nettogewinn übrig. Der Kontrast zwischen robustem Geschäft und dünner Ergebniszeile prägt derzeit die Debatte um die Aktie, während Konzernchef Justin Hotard zugleich vor einem europäischen Rückstand im Ausbau von KI-Rechenzentren warnt.
Q2-Zahlen: Umsatz wächst, Gewinn bleibt hauchdünn
Auf bereinigter Basis sieht das Bild deutlich freundlicher aus: Der vergleichbare Betriebsgewinn lag bei 414 Millionen Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 0,07 Euro. Die große Lücke zwischen ausgewiesenem und bereinigtem Ergebnis dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Am 27. Juli ging die Aktie ex Dividende, die Dividendenrendite liegt bei 1,76 Prozent. Nach den Zahlen ist die Stimmung an der Börse gespalten – Analysten mit einem Kursziel von 10,32 Euro auf Jahressicht sehen dennoch deutlich mehr Potenzial, als der aktuelle Kurs widerspiegelt.
Kurs pendelt um die 200-Tage-Linie
Zum Wochenschluss notierte Nokia bei 7,93 Euro und damit nahezu exakt auf dem 200-Tage-Durchschnitt, von dem der Kurs nur 0,05 Prozent entfernt liegt. Diese Konstellation gilt charttechnisch oft als Weichenstellung: Setzt sich die Aktie über die langfristige Linie durch, dürfte das charttechnisch orientierte Anleger anziehen. Der Relative-Stärke-Index von 33,3 signalisiert zudem eine überverkaufte Lage, nachdem das Papier binnen 30 Tagen rund 30 Prozent verloren hat. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein deutliches Plus zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Schwäche eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende sein könnte.
CEO warnt vor europäischem KI-Rückstand
Abseits der Bilanz sorgt eine Warnung von Konzernchef Justin Hotard für Aufmerksamkeit. Laut Reuters mahnte er, Europa falle im Wettlauf um den Ausbau von KI-Rechenzentren gegenüber den USA und China zurück. Es fehle an Infrastruktur, die Investitionen seien unzureichend, während Rechenzentren bereits heute rund drei Prozent des Stromverbrauchs der EU beanspruchen. Für Nokia selbst ist das Thema keine Randnotiz: Das KI- und Cloud-Geschäft steuert schon acht Prozent zum Konzernumsatz bei, und der adressierbare Markt soll bis 2028 jährlich um 27 Prozent wachsen. Damit hängt ein wachsender Teil der Wachstumsstory des Konzerns direkt davon ab, wie schnell Europa bei der KI-Infrastruktur aufholt.
Neues Testlabor für KI-Netzwerke
Passend zu dieser Positionierung hatte Nokia im Mai ein KI-Networking-Innovationslabor in Sunnyvale, Kalifornien, eröffnet. Dort arbeitet der Konzern gemeinsam mit Partnern wie AMD, Keysight, Lenovo und Supermicro an der Validierung von KI-Workloads unter realen Bedingungen. Im Fokus stehen sogenannte Nokia Validated Designs, mit denen Netzwerkarchitekturen für den Betrieb von KI-Anwendungen geprüft werden. Für Anleger ist das ein weiteres Puzzleteil der Wachstumsstrategie, auch wenn der unmittelbare Beitrag zum Konzernergebnis noch überschaubar bleibt. Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob sich das margenschwache Kerngeschäft und die margenstärkere KI-Sparte stärker in Richtung Profitabilität verschieben – ein Punkt, an dem sich Anleger derzeit besonders orientieren.
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