Nokia baut sein Unternehmensgeschäft in Europa aus — und tut das mit einem Partner, der bislang kaum im Rampenlicht stand. Die Kooperation mit Lightera, bestätigt am 27. Mai 2026, soll die Einführung optischer LAN-Lösungen in Großbritannien, Deutschland, Spanien und Portugal beschleunigen.

Architekturwechsel statt Technologie-Update

Lightera integriert dabei seine passive optische Infrastruktur mit Nokias PON-Technologien — konkret GPON-, XGS-PON- und 25G-PON-Systeme. Das Ziel: Unternehmen eine leistungsfähigere und energieeffizientere Alternative zu klassischen Kupfernetzwerken bieten.

Nokia-Vertriebschef für Europa, Sylvain Rajaud, beschreibt den Schritt als „architektonischen Wandel“. KI-getriebene Workloads veränderten die Anforderungen an Netzwerkinfrastruktur fundamental — Bandbreite, Latenz und Sicherheit rückten in den Vordergrund. Der Vertrag ist damit kein isolierter Deal, sondern Teil einer breiteren Neupositionierung.

Nokia als KI-Infrastrukturanbieter

Diese Positionierung gewinnt an Kontur. Am 21. Mai 2026 eröffnete Nokia ein KI-Networking-Innovationslabor in Sunnyvale, Kalifornien, das gemeinsam mit Cloud- und KI-Partnern neue Rechenzentrumsarchitekturen entwickeln soll. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Umsätze mit KI- und Cloud-Kunden um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr — dieser Bereich macht inzwischen rund 8 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Segment Optical Networks wuchs Ende 2025 währungsbereinigt um 17 Prozent.

Seit Jahresbeginn hat die Nokia-Aktie an der Frankfurter Börse um rund 135 Prozent zugelegt, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um mehr als 177 Prozent. Das 52-Wochen-Tief lag noch bei 3,49 Euro. Aktuell notiert das Papier bei 13,07 Euro — rund 7,6 Prozent unter dem erst kürzlich markierten 52-Wochen-Hoch von 14,14 Euro.

Neue Konzernstruktur, klare Ziele

Seit dem 1. Januar 2026 operiert Nokia unter einer neuen Konzernstruktur mit zwei Hauptsegmenten: Network Infrastructure und Mobile Infrastructure. Das Management will das Unternehmen näher an den sogenannten „KI-Konnektivitätssuperzyklus“ heranführen — also an die langfristigen Investitionsprogramme der großen Hyperscaler.

Für das Gesamtjahr 2026 peilt Nokia ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,0 und 2,5 Milliarden Euro an. Ob der Konzern auf Kurs liegt, zeigt sich am 23. Juli 2026, wenn Nokia den Halbjahresbericht für das zweite Quartal vorlegt.