Nokia zieht sich weiter aus China zurück. Das Unternehmen bestätigte den Rückbau seines Forschungsstandorts für Funktechnologie in Hangzhou bis Ende 2026, rund 1.600 Arbeitsplätze fallen weg. Die Belegschaft dort wurde am Donnerstag vergangener Woche informiert. Die Aktie büßte heute 5,4 Prozent ein und fiel auf 8,89 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 9,39 Euro geschlossen hatte.
Restrukturierungsbudget deutlich aufgestockt
Der Schritt ist Teil einer größeren Umbaumaßnahme. Nokia hat das Restrukturierungsbudget für 2026 von ursprünglich 250 Millionen Euro auf 800 Millionen Euro angehoben, davon entfallen 350 Millionen Euro speziell auf China. Berichten zufolge könnten auch die Standorte in Peking, Chengdu, Qingdao und Shanghai von ähnlichen Schließungen betroffen sein, eine formelle Bestätigung dazu steht allerdings noch aus.
Der Rückzug folgt auf Jahre rückläufigen Geschäfts in China und kommt weniger als ein Jahr, nachdem Nokia die volle Kontrolle über das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Shanghai Bell übernommen hatte. Die Beschäftigtenzahl in Greater China ist bereits von 13.700 im Jahr 2020 auf 7.200 im Jahr 2025 gesunken, die Hangzhou-Schließung dürfte diesen Trend weiter verschärfen.
Die China-Maßnahme steht im Rahmen eines seit 2023 laufenden Sparprogramms, das Bruttokosteneinsparungen von 800 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro bis Ende 2026 vorsieht. Nokia bewegt sich dabei nach eigenen Angaben am oberen Ende dieser Spanne.
Geschäftszahlen liefern Gegengewicht
Der Stellenabbau in China trifft ein Unternehmen, das operativ zuletzt zulegte. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gewinn je Aktie auf 0,07 Euro von 0,04 Euro, der Umsatz kletterte auf 4,82 Milliarden Euro. Getragen wurde dieses Wachstum von einem Auftragsbestand von 2,8 Milliarden Euro im Bereich KI und Cloud, wo sich die Verkäufe mehr als verdoppelten.
Nokia hob zudem die Prognose für das operative Vergleichsergebnis auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an, nachdem zuvor 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro angepeilt worden waren – bedingt auch durch die Umstufung der Sparten Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge als eingestellte Geschäftsbereiche. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg des Nettoumsatzes von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Im August brachte Nokia zudem seine erste kommerzielle AI-RAN-Plattform auf Basis der Aerial-Technologie und der beschleunigten Rechenarchitektur von Nvidia auf den Markt. Die Plattform soll mittels künstlicher Intelligenz mehr Kapazität aus bestehenden 4G- und 5G-Funkanlagen herausholen und zugleich den technologischen Pfad in Richtung 6G ebnen.
Kurs weiterhin deutlich unter dem Jahreshoch
Trotz des heutigen Rücksetzers bleibt die Kursentwicklung der vergangenen Monate bemerkenswert: Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch immer 59 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, klafft allerdings eine Lücke von 41 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Anleger die China-Restrukturierung trotz starker KI-Zahlen kritisch bewerten.
Anfang August hatten sowohl Bank of America als auch SEB Equities ihre Einschätzung zu Nokia angehoben: Bank of America erhöhte das Kursziel auf 18,50 US-Dollar bei Kaufempfehlung, SEB Equities stufte die Aktie mit einem Ziel von 12 Euro auf Kaufen hoch, jeweils mit Verweis auf die Nachfrage im KI- und Cloud-Geschäft.
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