Ein neuer Großauftrag aus Taiwan bringt Nokia kurz Luft. Der finnische Netzwerkausrüster hat am Dienstag eine 5G-Erweiterung mit Taiwan Mobile bekannt gegeben. Für die Aktie ist es die erste gute Nachricht nach Wochen mit heftigem Abwärtsdruck.
Die Nokia-Aktie legt aktuell um 1,02 Prozent zu und notiert bei 10,40 Euro. Das ist eine spürbare Erholung nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen. Über die letzten 30 Tage hatte das Papier 18,30 Prozent verloren, vom 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro Anfang Juni ist der Kurs mittlerweile 30,53 Prozent entfernt.
Besonders hart traf es die Aktie am Montag. Nokias ADRs brachen an der New York Stock Exchange um rund 6 Prozent ein. Grund waren Berichte über eine schwächere Nachfrage nach klassischer Netzwerktechnik.
KI steckt jetzt im Mobilfunknetz
Der Taiwan-Deal vertieft eine bestehende Partnerschaft und bringt Nokias neuestes AirScale-Portfolio ins Spiel. Dazu gehören Basisbandeinheiten und Funklösungen der nächsten Generation. Der eigentliche Kern des Deals liegt aber woanders: Nokia rüstet Taiwan Mobiles Netz mit künstlicher Intelligenz auf.
Konkret bringt Nokia drei KI-Bausteine ins Netz:
- Netzwerk-Intelligenz: Die MantaRay-SON-Lösung und Predictive Hardware Analytics sollen Wartung vorhersagen und Prozesse automatisieren.
- Infrastruktur für KI: Aufgerüstete Hardware verarbeitet den wachsenden KI-Datenverkehr und verbessert die Uplink-Leistung.
- Energieeffizienz: KI-Algorithmen passen den Stromverbrauch an die Netzlast an — Taiwan Mobile will damit ein emissionsarmes Netz aufbauen.
Nokia positioniert sich damit klar als Anbieter für KI-native Mobilfunknetze. Der Konzern will die Technologie direkt ins Radio Access Network einbauen, statt sie nur als Zusatzfunktion anzubieten. Analysten sehen diesen Schritt als notwendig, um im Wettbewerb mit Rechenzentrum-Netzwerken und KI-nativer Konnektivität mitzuhalten.
Ein Jahr mit enormen Ausschlägen
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Seit Jahresanfang steht die Aktie mit 86,78 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 146,74 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 3,45 Euro aus dem August 2025 hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.
Diese Kursachterbahn spiegelt sich auch in der Schwankungsbreite wider: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 72,70 Prozent — ein Wert, der für einen Telekomausrüster ungewöhnlich hoch ist. Der RSI von 41,1 deutet darauf hin, dass die Aktie nach dem Ausverkauf noch keine überverkaufte Zone erreicht hat, sich aber deutlich abgekühlt hat.
Nokia treibt seinen Umbau zum KI- und Cloud-Infrastrukturanbieter parallel auf mehreren Ebenen voran. Dazu zählt die bereits bekannte Partnerschaft mit Nvidia. Auffällig ist zudem eine Meldung zur Aktionärsstruktur: Der US-Vermögensverwalter FMR LLC hat seinen Anteil kürzlich unter die Meldeschwelle von 5 Prozent gesenkt.
Q2-Zahlen als nächster Test
Am 23. Juli veröffentlicht Nokia die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Der Konzern hatte zuvor ein Umsatzwachstum von 5 bis 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal in Aussicht gestellt. Der Bericht dürfte zeigen, ob KI-Aufträge wie der aus Taiwan die Schwäche im klassischen Telekomgeschäft ausgleichen können.
Der aktuelle Kurs liegt mit 10,40 Euro deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,64 Euro, aber klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 12,06 Euro. Diese Spanne markiert den Rahmen, in dem sich die Aktie bis zu den Quartalszahlen bewegen dürfte.
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