Der finnische Telekommunikationsausrüster Nokia treibt seine strategische Transformation weiter voran. Während das Unternehmen seine Präsenz im klassischen Infrastrukturgeschäft in Fernost massiv reduziert, rücken die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Netzwerke sowie die Bindung von Leistungsträgern stärker in den Fokus.

Mitarbeiterbeteiligung und operative Fortschritte

Nokia hat gestern insgesamt 3.635.260 eigene Aktien an Teilnehmer seiner aktienbasierten Incentive-Pläne übertragen. Diese Zuteilung erfolgte ohne Gegenleistung im Rahmen der laufenden Vergütungsprogramme für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Durch die Transaktion reduziert sich der Bestand an eigenen Aktien im Portfolio der Nokia Corporation auf 83.991.222 Stück. Solche Maßnahmen gelten in der Branche als wichtiges Instrument, um Experten in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld langfristig an das Unternehmen zu binden.

Flankiert wird dieser interne Schritt durch eine technologische Bestätigung von außen: Im aktuellen Marktbericht des Analysehauses Omdia für das Jahr 2026 belegt Nokia zum zweiten Mal in Folge den Spitzenplatz im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit von Mobile-Core-Portfolios.

Der Konzern konnte sich in allen sieben bewerteten Kategorien durchsetzen, darunter Cloud-Native-Reife, Automatisierung und KI-gestützte Analytik. Besonders hervorgehoben wurde die Breite des Portfolios sowie die Implementierung neuer Netzwerkfunktionen.

Analysten sehen Potenzial durch KI-Wachstum

Die strategische Ausrichtung findet auch am Kapitalmarkt Anklang. Die Analysten von JPMorgan haben Nokia am Dienstag als „Top Pick“ mit einer Übergewichten-Empfehlung bestätigt. Das Analysehaus erwartet, dass sich die Einnahmen aus den Bereichen KI und Cloud sowie der gut gefüllte mehrjährige Auftragsbestand in den Jahren 2027 und 2028 in deutlich stärkeren Gewinnen niederschlagen werden, als es aktuelle Marktmodelle derzeit abbilden.

Zuvor hatte bereits die Bank of America ihr Kursziel für den Wert auf 18,50 US-Dollar angehoben und ihre Kaufempfehlung beibehalten. Auch SEB Equities stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und begründete dies mit der Erwartung, dass die Nachfrage nach KI- und Cloud-Lösungen das Wachstum beschleunigen und eine Neubewertung der Anteilscheine stützen sollte.

In diesem Kontext spielt die Einführung der branchenweit ersten kommerziellen AI-RAN-Plattform eine zentrale Rolle. Diese basiert auf der Rechenarchitektur von Nvidia und soll Mobilfunkbetreibern ermöglichen, durch den Einsatz von KI mehr Kapazität aus bestehenden 4G- und 5G-Netzen zu gewinnen.

Rückzug aus China und Ausblick

Parallel zum technologischen Ausbau vollzieht Nokia einen weitreichenden Umbau seiner globalen Präsenz. Medienberichten der South China Morning Post zufolge plant der Konzern, den Großteil seiner Belegschaft in Festlandchina abzubauen und Standorte bis zum Jahresende schrittweise zu schließen. Dies markiert eine Zäsur nach mehr als vier Jahrzehnten Präsenz in der Region. Betroffen sind sowohl die Bereiche Mobilfunknetze als auch die Netzwerkinfrastruktur.

Bereits vor zwei Wochen wurde die Schließung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Hangzhou bestätigt, was mit dem Wegfall von rund 1.600 Arbeitsplätzen einhergeht. Auch Standorte in Peking, Chengdu, Qingdao und Shanghai sollen im Zuge des Restrukturierungsprogramms geschlossen werden.

Anleger reagierten auf die Neuausrichtung zuletzt positiv. Die Nokia-Aktie notiert aktuell bei 9,14 € und hat seit Jahresbeginn um 63 % an Wert gewonnen. Damit behauptet sich das Papier mit einem Abstand von 11 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt.

Eine detaillierte Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Entwicklung wird am 22. Oktober erwartet, wenn Nokia die Ergebnisse für das dritte Quartal und die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht.