Nokia hat heute gleich zwei Partnerschaftsmeldungen veröffentlicht — und beide zeigen dieselbe strategische Richtung: Der finnische Netzwerktechnikkonzern baut sein Ökosystem für KI-gesteuerte autonome Netzwerke konsequent aus.

Gemeinsame Plattform mit AWS

Gemeinsam mit Amazon Web Services will Nokia seine „Autonomous Networks Fabric“ in die Cloud bringen. Betreiber sollen damit künftig ihren gesamten Netzwerkbetrieb cloud-basiert führen können — mit Zugang zu KI- und Maschinenlern-Diensten wie Amazon Bedrock und SageMaker. Die Lösung zielt auf Level-4-Autonomie ab, also ein hohes Maß an selbstständigem Netzwerkbetrieb ohne manuellen Eingriff. Verfügbar werden soll sie noch im zweiten Halbjahr 2026.

Die Plattform umfasst vier Kernfunktionen: einheitliches Datenmanagement, agentenbasierte KI für den Netzbetrieb, Digital-Twin-Simulationen sowie Intent-based Networking. Nokia gibt an, bei Betreibern bereits Automatisierungsraten von über 90 Prozent sowie eine Verkürzung der Service-Bereitstellungszeiten auf unter vier Stunden erreicht zu haben.

Datengrundlage mit Databricks

Parallel dazu haben Nokia und Databricks einen erfolgreichen Proof of Concept für eine einheitliche Datenplattform abgeschlossen. Das Kernproblem: Telekommunikationsnetze stützen sich typischerweise auf hunderte voneinander isolierte Systeme mit unterschiedlichen Datenarchitekturen — ein strukturelles Hindernis für den flächendeckenden KI-Einsatz.

Die gemeinsam entwickelte Lösung verfolgt einen cloud-agnostischen Ansatz. Datenpipelines werden einmal erstellt und lassen sich ohne Anpassung auf verschiedenen Plattformen ausführen — getestet wurde auf Databricks sowie auf einem Open-Source-Stack aus Apache Flink, Kafka und Iceberg. Ein eigens entwickelter Compiler übersetzt abstrakte Datenlogik automatisch in die jeweiligen nativen Formate der Zielumgebung.

Hinzu kommt ein KI-gestützter Mechanismus, bei dem ein „Data Fabric Agent“ auf Basis einfacher Sprachbefehle neue Datenprodukte erzeugt, zur Validierung vorlegt und automatisch in Betrieb nimmt.

Fundamentaler Rahmen

Nokia erwirtschaftete in den vergangenen zwölf Monaten einen Umsatz von 23,1 Milliarden Dollar bei einer Bruttogewinnmarge von 45 Prozent. Das Umsatzwachstum lag bei 4,3 Prozent, und Analysten erwarten für 2026 ein steigendes Nettoergebnis.

Die heutigen Ankündigungen reihen sich in eine wachsende Partnerschaftsarchitektur ein: Im März demonstrierte Nokia mit AWS bereits KI-gestütztes Network Slicing mit Betreibern aus den Emiraten und Frankreich, im Februar ging ein kommerzieller 5G-Core-SaaS-Dienst auf dem belgischen Netz von Citymesh live. Für Nokia geht es darum, Telekomausrüstung mit einem belastbaren Cloud-und-KI-Ökosystem zu verbinden — ein Ansatz, dessen kommerzielle Früchte sich in den nächsten Quartalsberichten zeigen werden.