Zwei Banken heben ihre Kursziele an. Der Aktienkurs fällt trotzdem weiter. Bei Nokia klaffen Analystenmeinung und Marktrealität gerade deutlich auseinander.

Die Aktie schloss am Dienstag bei 10,35 Euro. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der schon mehrere Wochen anhält. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen verlor das Papier 8,73 Prozent, auf Monatssicht sogar 17,86 Prozent.

Danske Bank und BofA sehen Aufwärtspotenzial

Die Danske Bank hat Nokia auf Kaufen hochgestuft. Das neue Kursziel liegt bei 14 Euro. Begründung: wachsendes Vertrauen in die Chancen des Konzerns im KI- und Cloud-Geschäft.

Bank of America geht noch weiter und hebt ihr Kursziel auf 15,60 Euro an. Auch hier verweisen die Analysten auf die stärkere Position von Nokia bei KI- und Cloud-Infrastruktur.

Nicht alle Häuser teilen diesen Optimismus. UBS bleibt bei Halten, Barclays bestätigt sogar eine Verkaufsempfehlung. Die Bank sieht die Frage weiter offen, ob die KI-Transformation die anhaltende Schwäche im klassischen Telekom-Ausrüstungsgeschäft ausgleichen kann.

Kurs bricht trotz guter Nachrichten ein

Die Kursentwicklung passt nicht zum freundlicheren Ton der Analysten. Nokia notiert derzeit 30,86 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das die Aktie am 3. Juni 2026 erreichte. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 12,07 Euro beträgt 14,22 Prozent.

Der Relative-Stärke-Index über 14 Tage liegt bei 37,9 Punkten. Das Papier gilt damit noch nicht als überverkauft, hat aber sichtlich an Schwung verloren.

Auch die in den USA gehandelten Nokia-ADRs zeigten sich zuletzt schwach. An einem Handelstag fielen sie um 2,8 Prozent, während die meisten europäischen ADRs zulegten. Händler werten das als Zeichen einer relativen Schwäche gegenüber europäischen Vergleichswerten.

KI-Partnerschaften wachsen weiter

Die schwache Kursentwicklung steht im Kontrast zu einer Reihe kommerzieller Fortschritte. Nokia baut seine Partnerschaft mit Google Cloud aus. Der Konzern will KI-Agenten auf Basis von Gemini in sein Assurance Center integrieren, der SaaS-Start auf dem Google Cloud Marketplace ist für September 2026 geplant.

Parallel vertieft Nokia die Zusammenarbeit mit Amazon Web Services. Noch in diesem Jahr soll die Autonomous Networks Fabric des Unternehmens auf AWS für autonome Netzwerke der Stufe 4 verfügbar sein.

Im klassischen Netzwerkgeschäft gibt es ebenfalls Bewegung. Orange Belgium hat Nokia als alleinigen Lieferanten für den Umbau seiner Transportinfrastruktur ausgewählt. Fest- und Mobilfunknetz sollen zu einem einheitlichen optischen Transportnetz in ganz Belgien verschmelzen. Das Management verweist zudem auf interne Effizienzgewinne durch den unternehmensweiten Einsatz agentenbasierter KI-Tools, die Fehlerbehebungszeiten im Netzwerk spürbar verkürzen sollen.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Der nächste wichtige Termin für die Aktie ist der 23. Juli 2026. Dann legt Nokia seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor. Der Bericht wird zeigen, ob die von Danske Bank und Bank of America gelobte KI- und Cloud-Dynamik tatsächlich in Auftragswachstum mündet – stark genug, um die anhaltende Schwäche im Mobilfunknetz-Geschäft aufzufangen.

Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt die längerfristige Bilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 85,88 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 134,75 Prozent. Diese Neubewertung spiegelt wider, wie der Markt Nokias Positionierung als KI-nativer Netzwerkausrüster honoriert hat. Ob dieser langfristige Trend den aktuellen Rücksetzer übersteht, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie überzeugend Nokia seine KI- und Cloud-Strategie bei der Vorlage der Quartalszahlen untermauern kann.