Sechs Verlusttage in Folge, ein Wertverlust von rund 13,5 Milliarden Euro seit Anfang Juli — und der Auslöser kommt nicht einmal aus dem eigenen Haus. Eine Kostenwarnung von Rivale Ericsson hat die Anleger bei Nokia aufgeschreckt, nur wenige Tage vor dem eigenen Quartalsbericht.
Nokia schloss am Freitag bei 8,90 Euro, ein Minus von 2,39 Prozent. Der Kurs liegt damit 40,55 Prozent unter seinem Jahreshoch von 14,97 Euro, das die Aktie erst am 3. Juni erreicht hatte. Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier 25,90 Prozent.
Ericssons Warnung trifft den Nerv der Branche
Der unmittelbare Auslöser kam aus Schweden. Ericsson-Finanzchef Lars Sandström warnte vor steigenden Speicherpreisen, getrieben von der boomenden Nachfrage nach KI-Hardware. Die gesamte Branche spüre das, sagte Sandström — „einschließlich uns“.
Ericsson-CEO Börje Ekholm ergänzte, sein Unternehmen sei „nicht immun“ gegen den Inflationsdruck. Der finanzielle Effekt werde sich über die kommenden Quartale bis ins Jahr 2027 aufbauen, so Ekholm. Nokia selbst hat keine vergleichbare Warnung ausgesprochen. Anleger fragen sich dennoch, ob der gleiche Kostendruck auch andere Telekomausrüster wie Nokia treffen könnte.
Die Reaktion am Markt fiel eindeutig aus. Seit dem 9. Juli hat Nokia gegenüber Ericsson rund sechs Prozentpunkte an Kursentwicklung eingebüßt. Das deutet darauf hin, dass Investoren zusätzliche, unternehmensspezifische Risiken einpreisen — noch vor den eigenen Zahlen.
Am Freitag kam ein weiterer Belastungsfaktor hinzu: ein breiter Ausverkauf bei Technologiewerten. Der Nasdaq gab um 1,85 Prozent nach, der S&P 500 um 1,11 Prozent. Nokia traf es überproportional hart.
Überverkauft vor dem Quartalsbericht
Der relative Stärkeindex der Aktie ist auf 31,5 gefallen — ein klassisches Überverkauft-Signal. Gleichzeitig ist die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage auf 66,61 Prozent geklettert. Beide Werte zeigen: Der Markt reagiert derzeit extrem nervös auf jede neue Information.
Diese Nervosität hat einen klaren Termin vor Augen. Nokia legt am 23. Juli seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Wall Street erwartet einen Gewinn von 7 Cent je Aktie, nach 4 Cent im Vorjahresquartal. Beim Umsatz rechnen Analysten mit 5,59 Milliarden Dollar gegenüber 5,15 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.
Die implizite Volatilität ist parallel auf einen Wert von rund 79,62 gestiegen. Händler kalkulieren damit, dass der Kurs täglich um etwa 0,52 Dollar schwanken könnte — deutlich mehr als in ruhigeren Marktphasen.
Analysten bleiben trotz Ausverkauf optimistisch
Trotz der Talfahrt hat sich die Grundhaltung der Wall Street nicht gedreht. Die durchschnittliche Kaufempfehlung bleibt bestehen, mit einem mittleren Kursziel von 14,67 Dollar. JPMorgan hob sein Kursziel am 12. Juni sogar auf 21 Dollar an und bestätigte die Übergewichten-Einstufung. Argus Research hatte die Aktie bereits am 27. April auf Kaufen hochgestuft, mit einem Kursziel von 15 Dollar.
Zwischen diesen optimistischen Kurszielen und dem aktuellen Kurs von 8,90 Euro klafft eine erhebliche Lücke. Sie zeigt, wie stark die jüngste Korrektur von den mittelfristigen Erwartungen der Analysten abweicht — trotz eines Plus von 59,21 Prozent seit Jahresbeginn.
Der 23. Juli wird zeigen, ob Nokia die Kostensorgen aus Schweden entkräften kann oder ob sich die Befürchtungen der Anleger bestätigen. Bis dahin bleibt die Aktie in einem außergewöhnlich volatilen Umfeld gefangen, in dem jede neue Nachricht zu Kosten oder Nachfrage überdurchschnittlich starke Kursbewegungen auslösen kann.
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