Nokia rutscht weiter ab. Am Freitag verlor die Aktie 2,39 Prozent und schloss bei 8,90 Euro. Auslöser war diesmal nicht Nokia selbst, sondern der schwedische Rivale Ericsson.
Ericsson hatte am Dienstag schwächer als erwartet abgeschnitten. Der Konzern warnte zudem vor steigenden Kosten für Speicherchips und Halbleiter-Komponenten. Grund ist die explodierende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Diese Warnung schlug direkt auf Nokia durch — Anleger befürchten nun ähnliche Margendruck-Effekte in der gesamten Telekom-Ausrüsterbranche.
Verstärkt wurde der Ausverkauf durch einen breiten Technologie-Abverkauf am Markt. Nasdaq und S&P 500 gaben deutlich nach, Nokia konnte sich dem Sog nicht entziehen.
Korrektur mit historischem Ausmaß
Die Zahlen zeigen das Tempo des Absturzes. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 13,47 Prozent, auf Monatssicht sogar 25,27 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie inzwischen mehr als 40 Prozent.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 31,5 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Das deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck der vergangenen Wochen möglicherweise übertrieben war.
Trotz des harten Rücksetzers bleibt die längerfristige Bilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht Nokia noch mit 59,21 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Vom 52-Wochen-Tief bei 3,45 Euro im vergangenen August hat sich die Aktie um 158 Prozent erholt. Diese Rally speiste sich aus den Hoffnungen auf Nokias KI-Netzwerkgeschäft — genau jenes Geschäftsfeld, das nun durch Ericssons Kostenwarnung unter Druck gerät.
Analysten halten an ihrer Kaufempfehlung fest
Trotz der Turbulenzen bleibt die Wall Street mehrheitlich optimistisch. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 14,67 Dollar. JPMorgan hatte sein Kursziel im Juni sogar auf 21 Dollar angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt. Argus Research stufte die Aktie im April auf „Buy“ hoch, mit einem Kursziel von 15 Dollar.
Die kurzfristigen Handelssignale zeichnen allerdings ein anderes Bild. Der MACD-Indikator notiert unterhalb seiner Signallinie, das Momentum bleibt negativ. Als wichtige Unterstützungsmarke gilt aktuell die Marke von 10 Dollar — ein psychologisches Niveau, das die kurzfristige Richtung mitbestimmen dürfte.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Am 23. Juli 2026 veröffentlicht Nokia die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr, um etwa 8 Uhr finnischer Zeit. Analysten erwarten einen Gewinn von 7 Cent je Aktie, nach 4 Cent im Vorjahresquartal. Beim Umsatz rechnet der Markt mit 5,59 Milliarden Dollar, verglichen mit 5,15 Milliarden Dollar vor einem Jahr.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt derzeit bei 66,61 Prozent — ein Wert, der auf kräftige Kursausschläge rund um den Bericht hindeutet. Entscheidend wird sein, ob Nokia zeigen kann, dass sein KI-Netzwerkgeschäft die gleichen Kostenprobleme abfedert, die Ericsson zuletzt belastet haben.
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