Nokia baut sein Infrastrukturgeschäft weiter aus. Der finnische Netzwerkausrüster hat am Montag eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Betreiber FiberCop angekündigt. Ziel ist eine neue Sensor-Technologie, die aus einfachen Glasfaserkabeln intelligente Frühwarnsysteme macht.
Die Nokia-Aktie reagierte darauf verhalten. Am Montag schloss sie bei 10,95 Euro, nach einem Minus von 13,1 Prozent in den vergangenen 30 Tagen. Trotz des jüngsten Rückgangs steht seit Jahresbeginn ein Plus von 96,66 Prozent zu Buche.
Glasfaser erkennt Erdbeben und Erdrutsche
Die Vereinbarung mit FiberCop testet eine Technologie, die bestehende Glasfasernetze in verteilte Sensorplattformen verwandelt. Künstliche Intelligenz analysiert dabei Lichtsignale in den Kabeln und erkennt so Umweltveränderungen in Echtzeit.
Die Anwendung zielt auf mehrere Gefahrenszenarien. Sie soll seismische Aktivität, Überschwemmungen und Temperaturschwankungen aufspüren. Auch Erdrutsche oder unangemeldete Bauarbeiten in der Nähe der Kabel lassen sich damit identifizieren.
John Harrington, bei Nokia zuständig für das Europageschäft, bringt es auf den Punkt: KI verändere die Fähigkeiten von Netzwerken fundamental. Netze transportieren künftig nicht nur Daten, sie verstehen auch, was in Echtzeit um sie herum passiert. Für Nokia und FiberCop steht dahinter ein handfestes Ziel: weniger manuelle Feldeinsätze, dafür mehr Ausfallsicherheit im Netzbetrieb.
Analysten erhöhen reihenweise die Kursziele
Die FiberCop-Kooperation reiht sich in eine Serie positiver Analystenreaktionen ein. Danske Bank stufte Nokia am 1. Juli auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 14 Euro. Zwei Tage später bekräftigte Bank of America ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 15,60 Euro an — Analyst Oliver Wong verwies dabei auf Nokias wachsende Rolle in der KI- und Cloud-Infrastruktur.
Bereits am 30. Juni hatte Jefferies das Kursziel von 10,70 auf 13,80 Euro angehoben. Auch hier stand die Positionierung im KI-Infrastrukturmarkt im Mittelpunkt der Begründung.
Der Kurs zeigt trotz dieser Aufwertungen gerade eine Verschnaufpause. Die Aktie notiert 26,85 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das sie am 3. Juni erreicht hatte. Der 14-Tage-RSI liegt bei 42,1 und damit im neutralen Bereich — von Überhitzung keine Spur. Auf Jahressicht bleibt trotzdem ein Anstieg von 149,32 Prozent stehen, der 200-Tage-Durchschnitt von 7,55 Euro zeigt das Ausmaß der Neubewertung im vergangenen Jahr.
Orange Belgium setzt komplett auf Nokia
Neben der FiberCop-Kooperation sicherte sich Nokia am 2. Juli einen weiteren Großauftrag. Orange Belgium wählte den finnischen Konzern als alleinigen Lieferanten für den Umbau seiner Transportinfrastruktur.
Das mehrjährige Projekt vereint feste und mobile Netze in einem einzigen optischen Transportnetz für ganz Belgien. Nokia setzt dabei auf seine 1830-PSS-Plattform und die KI-gestützte Automatisierungssoftware WaveSuite. Die Modernisierung soll wachsende Anforderungen durch KI, 5G und Quantensicherheit abdecken und gleichzeitig die Betriebseffizienz steigern.
Am 23. Juli legt Nokia seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Investoren richten den Blick vor allem auf den Auftragsbestand und die Margenentwicklung in den KI- und Cloud-Segmenten — dort dürfte sich zeigen, wie stark die jüngste Kooperations-Welle bereits ins operative Geschäft durchschlägt.
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