Nokia gerät derzeit aus mehreren Richtungen ins Blickfeld der Anleger. Ein neuer Großinvestor, zwei kräftig angehobene Kursziele und der kommerzielle Start einer neuen Netzwerktechnologie fallen fast zeitgleich zusammen. Der finnische Netzwerkausrüster profitiert damit weiter von seiner Positionierung im Geschäft mit künstlicher Intelligenz.

Nvidia wird bedeutender Aktionär

Aus Pflichtmitteilungen nach US-Vorschriften (13F-Filings) ging Ende Juli hervor, dass der Halbleiterkonzern Nvidia im Zuge einer strategischen Kapitalbeteiligung zu einem bedeutenden institutionellen Anteilseigner von Nokia aufgestiegen ist. Der Schritt fällt in eine Phase, in der beide Unternehmen ihre technologische Zusammenarbeit vertiefen. Auch aus den eigenen Reihen kam zuletzt ein positives Signal: Der leitende Manager Mikko Hautala erwarb am 29. Juli 7.103 Aktien an der Nasdaq Helsinki zu einem volumengewichteten Durchschnittspreis von 7,8402 Euro pro Aktie.

Analysten heben Kursziele kräftig an

Am Dienstag zog Bank of America ihr Kursziel für Nokia auf 18,50 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Als Begründung führte das Analystenhaus den nach eigenen Worten „außergewöhnlich hohen“ Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro im KI-Bereich an. Bereits am 23. Juli hatte JPMorgan sein Kursziel von 12,00 auf 18,00 Euro angehoben und die Einschätzung „Overweight“ bekräftigt, gestützt auf eine mehrjährige Wachstumsperspektive in den Segmenten Optik und IP-Networking. Weitere Häuser zogen zuletzt nach: SEB Equities stufte Nokia am Dienstag auf „Buy“ hoch mit einem neuen Kursziel von 12,00 Euro, Argus Research hatte bereits am 27. April nach den starken Quartalszahlen auf „Buy“ hochgestuft.

Die Aufwärtsrevisionen fallen in eine Phase spürbarer operativer Verbesserung. Im zweiten Quartal steigerte Nokia den vergleichbaren operativen Gewinn um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und übertraf damit die von LSEG erhobene Analystenschätzung von 382 Millionen Euro deutlich. Treiber war ein Sprung der Erlöse mit KI- und Cloud-Kunden um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Anstieg der Nettoumsätze gegenüber dem Vorquartal von 3 bis 7 Prozent in Aussicht. Parallel dazu treibt Nokia den Konzernumbau voran: Die Sparte Enterprise Campus Edge wurde als aufgegebener Geschäftsbereich eingestuft, ein Verkauf ist bis Ende des vierten Quartals geplant.

Kommerzieller Start der KI-Funkzugangstechnologie

Am Dienstag brachte Nokia zudem eine kommerzielle AI-RAN-Plattform auf den Markt, die mit der Aerial-Technologie von Nvidia integriert ist. Sie soll bestehende 4G- und 5G-Netze schrittweise auf 6G-Fähigkeiten vorbereiten. Ergänzend kündigte das Unternehmen neue Partnerschaften im Verteidigungssektor mit NestAI an, die Konnektivitätslösungen für Einsatzgebiete im Rahmen von NATO-Projekten bereitstellen sollen.

Kursreaktion bleibt verhalten

Trotz der Nachrichtenflut zeigt sich der Aktienkurs zuletzt eher schwankend. Aktuell notiert das Papier bei 8,36 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 5,31 Prozent, während sich der Kurs binnen 30 Tagen um 19,46 Prozent verringert hat. Vom Jahreshoch bei 14,97 Euro trennt die Aktie damit weiterhin eine deutliche Distanz. Die jüngste Nachrichtenlage – von der Nvidia-Beteiligung über die Kurszielanhebungen bis zum Produktstart – liefert der Aktie zwar fundamentalen Rückenwind, spiegelt sich im Kursverlauf der vergangenen Wochen aber nur bedingt wider.