Nokia führt zum zweiten Jahr in Folge das Ranking der wettbewerbsfähigsten Mobilfunk-Kernnetz-Anbieter an. Trotzdem bleibt die Aktie in einer Korrekturphase gefangen. Ein klarer Widerspruch zwischen technischer Anerkennung und Börsenrealität.
Nokia gewinnt alle sieben Kategorien
Das Marktforschungsinstitut Omdia hat seinen „2026 Market Landscape Report“ veröffentlicht. Nokia belegt darin zum zweiten Mal in Folge Platz eins bei der Wettbewerbsfähigkeit im Mobilfunk-Kernnetz-Geschäft.
Der finnische Netzwerkausrüster führt alle sieben bewerteten Kategorien an. Dazu zählen Portfoliobreite, Cloud-native Reife, Signaling, Automatisierung, Core as a Service sowie KI- und Analytics-Fähigkeiten. Omdia hat für die Ausgabe 2026 die Zahl der bewerteten Anbieter auf zwölf erhöht und die Gewichtung stärker auf KI-Kompetenzen verschoben.
Kal De, Nokias SVP für Core Networks, kommentierte: „Kernnetze werden zur Intelligenzschicht moderner Kommunikation. Sie verbinden Cloud-native Betriebsabläufe, KI-gesteuerte Automatisierung und Anwendungsinnovation.“
Portfolio-Führung, aber schwächeres Geschäft
Das Gesamtbild fällt differenzierter aus, wenn man die Konkurrenz einbezieht. Huawei führt bei Geschäftsentwicklung und Marktanteil, Ericsson liegt bei neuen Kundenverträgen vorn. ZTE dominiert bei 5G-Deals mit Netzbetreibern, rangiert in beiden Hauptkategorien aber nur auf Platz drei.
Nokia selbst musste 2025 einen leichten Marktanteilsverlust hinnehmen. Auch die Zahl neuer 5G-Verträge mit Telekommunikationsanbietern sank 2026 gegenüber dem Vorjahr. Analysten bringen die Herausforderung auf den Punkt: Nokia müsse seine Portfolio-Führung nun in zusätzliche kommerzielle Erfolge ummünzen, da Netzbetreiber weiter in eigenständige 5G-Kerninfrastruktur investieren.
Der Grund für diese Diskrepanz liegt in der Messmethode selbst. Omdia bewertet die Geschäftsleistung vor allem anhand der Umsätze aus Evolved Packet Core und 5G Packet Core. Der Portfolio-Score misst dagegen einen deutlich breiteren Funktionsumfang. Beide Kennzahlen laufen also auf unterschiedlichen Skalen.
Roberto Kompany, Principal Analyst für Mobilfunkinfrastruktur bei Omdia, ordnet das so ein: Nokia bleibe technologischer Vorreiter bei Cloud-Reife, Automatisierung, KI-Analytics und Core as a Service. Diese Fähigkeiten seien für Netzbetreiber inzwischen keine Kür mehr, sondern strategische Pflicht für Effizienz und Monetarisierung.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse zeigt die Auszeichnung bislang keine Wirkung. Die Nokia-Aktie notiert am Donnerstag bei 8,71 Euro und damit 42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das sie Anfang Juni erreichte. Über die vergangenen 30 Handelstage hat das Papier 7,4 Prozent verloren.
Zum Vergleich: Die Aktie steht trotz der jüngsten Schwäche noch 56 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Der Kursverfall der letzten Wochen relativiert sich damit etwas, bleibt aber ein Signal für nervöse Anleger, die zwischen positiven KI-Auftragsmeldungen und Umstrukturierungsnachrichten aus China hin- und hergerissen werden.
Die Omdia-Auszeichnung bestätigt zwar Nokias Technologie-Roadmap im Wettbewerb mit Ericsson, Huawei und ZTE. Der Markt wartet aber offenbar auf handfestere Beweise: mehr Auftragseingänge, mehr Umsatz aus 5G-Standalone-Kernverträgen mit Netzbetreibern. Ob sich die technische Führungsposition in den kommenden Quartalen tatsächlich in neue Großaufträge verwandelt, dürfte über die nächste Kursrichtung entscheiden.
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