Nokia-Aktionäre erleben einen kräftigen Handelstag. Das Papier legt am Freitag um 5,59 Prozent auf 8,42 Euro zu und knüpft damit an die Erholung der vergangenen Woche an. Zugleich verdichten sich die Nachrichten rund um den finnischen Netzwerkausrüster: Eine angehobene Ratingprognose, neue Partnerschaften im Bereich KI-gestützter Mobilfunknetze und eine kritische Standortbestimmung des eigenen Vorstandschefs zur europäischen KI-Infrastruktur prägen die vergangenen Tage.
S&P hebt Ausblick an, sieht aber sinkende Margen
Im Zentrum der Nachrichtenlage steht eine Entscheidung von S&P Global Ratings. Die Agentur hebt ihren Ausblick für Nokia am Donnerstag von stabil auf positiv an, das Kreditrating selbst bleibt bei BBB-. Eine tatsächliche Anhebung des Ratings hält S&P innerhalb der kommenden 18 bis 24 Monate für möglich.
Die zugrunde liegenden Prognosen fallen allerdings nüchterner aus, als der positivere Ausblick zunächst vermuten lässt: S&P rechnet für 2026 mit einer EBITDA-Marge von rund 11,0 Prozent, nach 12,1 Prozent im Vorjahr. Auch beim operativen Free Cashflow erwartet die Agentur einen Rückgang – von 1,25 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 1,1 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Der positivere Ausblick stützt sich damit weniger auf eine kurzfristige Ergebnisbeschleunigung als auf strukturelle Faktoren, die S&P über den mittelfristigen Zeithorizont für tragfähig hält.
Wachstumshoffnung KI-Netze und 6G
Parallel zur Ratingnachricht rückt Nokias Positionierung im Bereich KI-gestützter Netzinfrastruktur in den Fokus. Nokia-Chef Justin Hotard warnte im Frühjahr, Europa drohe im Aufbau von KI-Rechenzentren gegenüber den USA und China zurückzufallen, weil es an Infrastruktur und Investitionen mangele. Das KI- und Cloud-Geschäft von Nokia trägt aktuell rund 8 Prozent zum Konzernumsatz bei, der adressierbare Markt soll laut Hotard bis 2028 jährlich um 27 Prozent wachsen.
Diese Wachstumsstrategie zeigt sich auch in aktuellen Kooperationen in Südkorea. Berichten der Korea Times zufolge testet SK Telecom gemeinsam mit Samsung, Ericsson, Nokia und HFR sogenannte AI-RAN-Technologie an Standorten wie SK Incheon Petrochem und bei KG Mobility – Teil eines staatlichen Programms über 17,2 Milliarden Won, mit dem Südkorea seine Führungsposition auf dem Weg zu 6G-Standards ausbauen will. LG Uplus verifiziert zudem Nokias Cloud-RAN-Technologie. Eine kommerzielle Einführung von 6G wird branchenweit um das Jahr 2030 erwartet, erste Tests sollen bereits 2029 starten.
Im Bereich privater Mobilfunknetze verkündete Nokia zudem eine Partnerschaft mit OneLayer, die auf sichere private 5G- und LTE-Netze für Versorgungsunternehmen zielt. Die Kombination aus Nokias sicherheitskritischer Netzwerktechnik NetGuard EDR und OneLayers Asset-Management-Lösung Bridge soll Energieversorger vor externen Manipulationen schützen – laut den Partnern Ursache für 81 Prozent der Cyberschadensfälle der vergangenen vier Jahre.
Bewertung bleibt umstritten
An der New Yorker Börse sprang die Nokia-Aktie am Donnerstag um mehr als 8 Prozent auf 9,09 US-Dollar, getragen von einer breiten Tech-Rally rund um starke Cloud-Zahlen von Microsoft und Amazon. Analysemodelle sehen den fairen Wert des Papiers bei 12,92 Dollar, was einer Unterbewertung von knapp 30 Prozent entspräche – allerdings bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 63,3, das deutlich über dem Branchendurchschnitt von 29,7 liegt. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate von 557 Millionen Euro gilt dabei als Belastungsfaktor, da hohe Investitionen in KI- und Cloud-Infrastruktur kurzfristig auf die Barmittelgenerierung drücken.
Charttechnisch notiert die Nokia-Aktie mit 8,42 Euro rund 6,25 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, bleibt vom 52-Wochen-Hoch aber weit entfernt. Die widersprüchlichen Signale – verbesserter Ratingausblick bei gleichzeitig sinkenden Margenerwartungen, hohe Wachstumsfantasie im KI-Geschäft bei gedämpfter Cashflow-Entwicklung – dürften die Diskussion um die richtige Bewertung des Papiers vorerst weiter befeuern.
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