Nokia bekommt Rückenwind von der Ratingseite. S&P Global Ratings hat den Ausblick für den finnischen Netzwerkausrüster am Donnerstag auf positiv angehoben, das langfristige Emittentenrating BBB- blieb unverändert. Das Signal fügt sich in eine Reihe positiver Nachrichten der vergangenen Wochen, seit Nokia im August starke KI-Auftragszahlen und eine angehobene Gewinnprognose präsentiert hatte.
Auftragsboom als Fundament der Rating-Entscheidung
Die Grundlage für die verbesserte Bonitätseinschätzung dürfte die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal sein. Der Nettoumsatz legte dort um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, der Gewinn pro Aktie stieg von 0,04 auf 0,07 Euro.
Besonders auffällig: Die Erlöse im Bereich AI & Cloud haben sich mehr als verdoppelt, getrieben von einem Auftragsvolumen von 2,8 Milliarden Euro, von dem rund die Hälfte innerhalb der kommenden zwölf Monate in Umsatz umgewandelt werden soll.
Nokia hatte im Zuge dieser Zahlen die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2026 leicht angehoben und zugleich die Investitionspläne gestutzt – eine Kombination, die Anlegern zeigt, dass das Wachstum nicht auf Kosten der Kapitaldisziplin geht.
Der Kurs hat diese Entwicklung bereits honoriert: Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 13 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um 65 Prozent verteuert. Zum aktuellen Kurs von 9,21 Euro bleibt allerdings ein Abstand von 38 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das Nokia im Juni erreicht hatte – die jüngste Rally hat also noch nicht ausgereicht, um an alte Höchststände heranzureichen.
Analysten uneins: Herabstufung trotz höherem Kursziel
Die Reaktion der Analysten fällt gemischt aus. AlphaValue/Baader Europe stufte Nokia am Mittwoch auf „Reduce“ herab, hob das Kursziel jedoch gleichzeitig an. Diese scheinbar widersprüchliche Bewegung spiegelt eine verbreitete Einschätzung wider: Das operative Geschäft entwickelt sich besser als erwartet, doch nach dem starken Kurslauf erscheint die Bewertung einigen Marktbeobachtern bereits ambitioniert.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,19 Euro, aktuell notiert die Aktie knapp 10 Prozent darunter – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Schwung etwas nachgelassen hat, auch wenn das grundsätzliche Aufwärtsmomentum seit dem 52-Wochen-Tief im August 2025 intakt bleibt.
Strategische Weichenstellungen abseits der Bilanz
Auch operativ bleibt Nokia in Bewegung. Anfang August vereinbarte das Unternehmen mit dem neuseeländischen Netzbetreiber Chorus die Einführung eines landesweiten Präzisions-Timing-Dienstes. Im Juli hatte Nokia zudem eine kommerzielle AI-RAN-Plattform auf Basis von NVIDIA-Technologie vorgestellt, die als Schritt in Richtung 6G und höherer Netzeffizienz beschrieben wurde.
Gesellschaftsrechtlich vollzog Nokia am 7. August einen weiteren Schritt: 957.142 eigene Aktien wurden ohne Gegenleistung an Teilnehmer der aktienbasierten Vergütungsprogramme übertragen. Die Transaktion basiert auf der Ausgabeermächtigung vom 2. Oktober 2025 und ist eine routinemäßige Umsetzung bestehender Vergütungspläne, kein neues Kapitalsignal.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die fundamentale Story – wachsende KI-Aufträge, verbesserte Profitabilität, jetzt auch ein positiverer Bonitätsausblick – bleibt intakt. Die Bewertungsfrage nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Monate ist damit aber noch nicht beantwortet.
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