Nokia hat heute eine verbindliche Vereinbarung mit NXP Semiconductors geschlossen, um den Halbleiter-Fertigungsstandort Chandler in Arizona zu übernehmen. Das finnische Unternehmen will sich damit eine eigene Produktion für optische Indium-Phosphid-Chips sichern, die in KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen. Der Schritt markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Nokia sein Geschäft konsequent auf den KI-Infrastrukturboom ausrichtet.

Zwei Stufen bis zur vollständigen Übernahme

Der Deal ist zeitlich gestaffelt: Ab Anfang 2027 least Nokia zunächst Fertigungskapazitäten in der Anlage, bevor die endgültige Übernahme für das erste Quartal 2029 vorgesehen ist. Mit der eigenen Fertigung von Indium-Phosphid-Chips will sich Nokia von externen Zulieferern unabhängiger machen und die Lieferkette für ein Produktsegment kontrollieren, das mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren stark an Bedeutung gewinnt. Parallel dazu übertrug Nokia am heutigen Freitag 957.142 eigene Aktien ohne Gegenleistung an Teilnehmer seiner aktienbasierten Vergütungspläne. Der Bestand eigener Aktien sank dadurch auf 87.626.482 Stück.

Kurs gibt nach, trotz strategischer Weichenstellung

An der Börse kam die Nachricht zunächst nicht gut an. Die Aktie notiert aktuell bei 8,07 Euro und verliert damit 2,11 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs. Auffällig ist, wie nahe der Kurs inzwischen an seinen langfristigen Durchschnitt herangerückt ist: Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 8,02 Euro, kaum unter dem aktuellen Niveau. Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate hat sich das Papier damit deutlich abgekühlt und bewegt sich nun wieder in der Nähe seines mittelfristigen Trends, während der stärker beschleunigte Aufwärtstrend der vergangenen Wochen an Kraft verloren hat.

Analysten und Ratingagentur sehen Rückenwind durch KI-Aufträge

Am Dienstag hatte Bank of America ihr Kursziel für Nokia von 17,00 auf 18,50 Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Begründet wurde der Schritt mit einem von Nokia gemeldeten Auftragseingang im KI-Bereich von 2,8 Milliarden Euro. Am selben Tag verbesserte S&P Global Ratings den Kreditausblick für Nokia von „stabil“ auf „positiv“. Die Ratingagentur verweist dabei auf die erwartete Verbesserung von Margen und Cashflow im Zuge der strategischen Ausrichtung auf KI-Infrastruktur.

Auch operativ liefert Nokia zuletzt Argumente für diese Einschätzung. Am 23. Juli meldete der Konzern für das zweite Quartal einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 9 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro. Das vergleichbare operative Ergebnis kletterte um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro. Unter dem Strich stand wegen Restrukturierungskosten von 390 Millionen Euro allerdings ein operativer Verlust von 50 Millionen Euro. Die Jahresprognose für das vergleichbare operative Ergebnis wurde auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro festgelegt, wobei das Unternehmen für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum zwischen 3 und 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet und einen stärkeren Ergebnisbeitrag erst für das vierte Quartal in Aussicht stellt. Im Zuge des Umbaus stufte Nokia sein Geschäft mit Fixed-Wireless-Access-Endgeräten und Enterprise-Campus-Edge-Lösungen als aufgegebenen Geschäftsbereich ein, nachdem eine Vereinbarung zum Verkauf der CPE-Sparte an Inseego getroffen wurde.

Insider bauen Positionen aus

Auch aus den eigenen Reihen kamen zuletzt positive Signale. Am 24. Juli kauften mehrere Nokia-Führungskräfte Aktien: Verwaltungsratsmitglied Timo Ihamuotila erwarb 60.000 Aktien, Führungskraft Patrik Hammarén 43.293 Aktien und Führungskraft Pallavi Mahajan 62.000 Aktien. Wenige Tage später, am 29. Juli, stockte auch Führungskraft Mikko Hautala seine Beteiligung um 7.103 Aktien auf. Solche Insiderkäufe gelten am Markt oft als Vertrauenssignal in die eigene Unternehmensstrategie.

Technologisch untermauert wird der KI-Kurs zudem durch eine Partnerschaft mit Nvidia: Mitte Juli hatten beide Unternehmen eine kommerzielle AI-RAN-Plattform vorgestellt, die auf Nvidias Aerial-Technologie basiert und die Spektraleffizienz für 5G-Advanced- und 6G-Netze verbessern soll. Zusammen mit der geplanten Chip-Fertigung in Arizona zeigt sich damit ein Konzern, der seine Wachstumsstrategie zunehmend konsequent auf die Infrastrukturbedürfnisse der KI-Branche zuschneidet – auch wenn der Aktienkurs diesem langfristigen Umbau kurzfristig nicht immer folgt.