Liebe Leserinnen und Leser,
508 Megawatt – so viel Windkraft-Kapazität hat Nordex Ende Dezember nach Kanada verkauft. Fast ein Viertel dessen, was der Hamburger Konzern im gesamten zweiten und dritten Quartal an Land gezogen hatte. Während der Windanlagenbauer mit Großaufträgen überrascht, stuft Bernstein Research den niederländischen Chipausrüster ASML zum Favoriten 2026 hoch – und der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk bringt seine Wegovy-Abnehmtablette in den USA auf den Markt. Drei Unternehmen, drei Branchen, eine Botschaft: Die Weichen für das neue Jahr werden gerade gestellt – und die Märkte reagieren.
Nordex: Kanada-Coup treibt die Aktie auf 18-Jahres-Hoch
73 Windenergieanlagen für zwei kanadische Windparks – dieser Auftrag katapultierte die Nordex-Aktie am Montag zeitweise um über drei Prozent nach oben auf 31,18 Euro, den höchsten Stand seit Ende 2007. Die Lieferung ist für 2027 und 2028 geplant, inklusive langfristiger Serviceverträge. Analyst Leon Mühlenbruch von MWB Research sieht darin mehr als nur einen Einzelerfolg: Nordamerika kristallisiere sich als neuer starker Wachstumsmotor heraus, während Europa robuste Nachfrage beisteuere. Das vierte Quartal 2025 dürfte zum Rekordquartal werden – mit einem Auftragseingang, der den bisherigen Spitzenwert von 3,3 Gigawatt aus dem Schlussquartal 2024 übertreffen könnte.
Mühlenbruch hob sein Kursziel von 33 auf 36 Euro an und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Die Begründung: starke Gewinnmargen, robuste Cashflows und steigende Umsatzprognosen ab 2027. Mit einem Kursplus von fast 160 Prozent im Jahr 2025 zählte Nordex ohnehin zu den MDAX-Favoriten. Die neue Dynamik aus Übersee könnte diesen Trend verfestigen – zumal Nordex-Chef Jose Blanco im November bereits Zuversicht für 2026 signalisiert hatte, abhängig vom Auftragseingang im Schlussquartal. Dieser scheint nun zu liefern.
ASML: Bernstein sieht den Superzyklus kommen
Während Nordex von Wind profitiert, setzt ASML auf Chips – genauer gesagt auf die Maschinen, die Speicherchips möglich machen. Bernstein Research stufte die Aktie des niederländischen Anlagenbauers von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hoch und hob das Kursziel von 800 auf 1.300 Euro an. Das Ergebnis: Die ASML-Aktie kletterte am Montag um über vier Prozent auf ein Rekordhoch von mehr als 1.027 Euro.
Analyst David Dai begründet die Hochstufung mit dem bevorstehenden „DRAM-Superzyklus“. Die drei größten Hersteller von Speicherchips – Samsung, SK Hynix und Micron Technology – bauen ihre Produktionskapazitäten massiv aus, um die explodierende Nachfrage nach KI-Anwendungen zu bedienen. Diese Chips erfordern fortschrittlichste Lithografie-Technologie, genau das Spezialgebiet von ASML. Besonders die Migration auf 1c-Technologie beschleunige den Umstieg auf modernste Anlagen, was ASML direkt zugutekomme.
Auch im Bereich Advanced Logic sieht Dai Potenzial: Der taiwanesische Chipriese TSMC erweitere seine 3-Nanometer-Kapazität, um die KI-Nachfrage zu decken – und 3-Nanometer-Chips weisen die höchste Lithografie-Intensität auf. Bernstein prognostiziert für ASML ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von 18 Prozent zwischen 2025 und 2027, deutlich über der Konsensprognose von 15 Prozent. Im Kielwasser von ASML legten auch deutsche Chipwerte zu: Aixtron kletterte um knapp drei Prozent, Suss Microtec um gut vier Prozent, Siltronic um fast sechs Prozent.
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Novo Nordisk: Wegovy-Pille startet bei 149 Dollar
Am Montag begann Novo Nordisk in den USA mit dem Verkauf seiner Wegovy-Abnehmtablette – der ersten oralen GLP-1-Medikation gegen Adipositas. Die niedrigste Dosis von 1,5 Milligramm kostet 149 Dollar pro Monat, die 4-Milligramm-Dosis ebenfalls 149 Dollar bis Mitte April, danach 199 Dollar. Die höheren Dosierungen von 9 und 25 Milligramm sind für 299 Dollar monatlich erhältlich. Damit unterbietet Novo Nordisk den Konkurrenten Eli Lilly, der seine Abnehmtablette für 399 Dollar pro Monat anbietet – allerdings steht Lillys Zulassung noch aus, möglicherweise bis März.
Die Wegovy-Tablette richtet sich vor allem an Selbstzahler, die keine Versicherungsdeckung haben – ein strategischer Schachzug in einem Markt, der zunehmend auf flexible Einnahmeformen setzt. Studien zeigen, dass Patienten bei konsequenter Einnahme über 64 Wochen durchschnittlich 16,6 Prozent ihres Gewichts verlieren, sofern die Therapie mit kalorienreduzierter Diät und mehr Bewegung kombiniert wird. Die Tablette ist ab sofort bei über 70.000 US-Apotheken wie CVS und Costco sowie bei diversen Telemedizinanbietern verfügbar.
Novo Nordisk reagiert damit auf ein Jahr, das von Gewinnwarnungen und fallenden Aktienkursen geprägt war. Die Hoffnung: Die orale Variante könnte neue Kundengruppen erschließen und den Druck auf die injizierbaren Wegovy-Spritzen mindern. CEO Dave Moore betonte, die Tablette werde „den Zugang für Millionen unbehandelter Patienten erhöhen und sich in deren tägliche Routinen einfügen“. Die Aktie reagierte verhalten – im europäischen Nachmittagshandel notierte sie rund drei Prozent fester, nachdem sie seit der FDA-Zulassung am 22. Dezember bereits etwa zwölf Prozent zugelegt hatte.
Rüstungsaktien im Höhenflug: Venezuela-Intervention befeuert Rheinmetall
Während Nordex, ASML und Novo Nordisk ihre jeweiligen Märkte neu sortieren, profitierten Rüstungsaktien am Montag von geopolitischen Spannungen. Die militärische Intervention der USA in Venezuela und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro trieben Rheinmetall um über sieben Prozent nach oben, Hensoldt und Renk um knapp acht Prozent. Rheinmetall sicherte sich zudem neue Bundeswehr-Aufträge über mehrere hundert Millionen Euro für Munition und gründete mit MBDA ein Joint Venture für Laserwaffensysteme. Die Botschaft der Börse: Solange militärische Konflikte regional begrenzt bleiben, wird Unsicherheit in Rüstungsaktien umgemünzt.
Ausblick: Wenn Zahlen sprechen
Die kommenden Tage bringen Klarheit über die tatsächliche Verfassung der Weltwirtschaft. Am Dienstag veröffentlicht Deutschland den Sentix-Konjunkturindex für Januar, am Nachmittag folgt der US-amerikanische ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe. Besonders gespannt blicken Anleger auf die US-Arbeitsmarktdaten Ende der Woche – sie dürften die Zinsentscheidungen der Federal Reserve maßgeblich beeinflussen. Nordex, ASML und Novo Nordisk haben vorgelegt. Jetzt ist die Makroökonomie am Zug.
Beste Grüße und einen erfolgreichen Start in die Handelswoche,
Andreas Sommer


