Novartis hat in dieser Woche gleich mehrere positive Nachrichten geliefert. Die Quartalszahlen fielen deutlich besser aus als erwartet, und heute wurde bekannt, dass der Konzern die Detailprüfung zur Übernahme des britischen Biotech-Unternehmens Myricx Bio abgeschlossen hat. Die Aktie notiert aktuell bei 136,02 Euro und gibt damit heute um 0,90 Prozent nach – nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen bleibt das Papier damit rund 5,74 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Starkes Quartal trotz Entresto-Einbruch

Der Basler Pharmakonzern meldete am Dienstag Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die den Markt überraschten. Das Core-Ergebnis je Aktie lag bei 2,41 US-Dollar und damit rund 12 Prozent über dem Analystenkonsens. Der Nettoumsatz stieg um 3 Prozent auf 14,41 Milliarden US-Dollar, zu konstanten Wechselkursen betrug das Plus 1 Prozent. Das operative Kernergebnis blieb mit 5,94 Milliarden US-Dollar stabil und übertraf die Prognosen von rund 5,3 Milliarden US-Dollar deutlich.

Hinter den Zahlen steht eine massive Verschiebung im Produktportfolio. Das Herzmedikament Entresto verlor durch Generika-Konkurrenz 51 Prozent seines Umsatzes. Diesen Ausfall kompensierten neuere Präparate mehr als: Kisqali legte um 43 Prozent zu, Kesimpta um 32 Prozent, Pluvicto ebenfalls um 43 Prozent. Am stärksten wuchs Scemblix mit einem Plus von 89 Prozent. Novartis bestätigte zugleich die Jahresprognose für 2026 mit einem Nettoumsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, während das operative Kernergebnis leicht rückläufig erwartet wird.

Myricx-Bio-Deal nimmt konkrete Form an

Die zweite große Nachricht der Woche betrifft die Zukaufstrategie des Konzerns. Nach der Ankündigung Anfang Juli, das britische Biotech-Unternehmen Myricx Bio übernehmen zu wollen, meldet die Nachrichtenagentur dpa-AFX heute den Abschluss der Detailprüfung. Das Transaktionsvolumen beläuft sich inklusive möglicher Meilensteinzahlungen auf bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar. Novartis erwirbt damit eine NMT-Inhibitor-Plattform, die die Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Pipeline in der Onkologie stärken soll. Der Zukauf reiht sich in eine Serie von Bewegungen ein, mit denen der Konzern seine Pipeline jenseits der auslaufenden Patente breiter aufstellen will.

Analysten reagieren mit angehobenen Kurszielen

Die Bank JPMorgan bestätigte am Mittwoch ihre Einstufung „Overweight“ für Novartis mit einem Kursziel von 135 Schweizer Franken. Bernstein-Analyst Justin Smith hob sein Kursziel am selben Tag von 125,00 auf 132,84 Schweizer Franken an, beließ die Einstufung aber bei „Market-Perform“. Auch DZ Bank, UBS und LBBW passten ihre fairen Werte nach oben an, bewegen sich mit Kurszielen zwischen 116 und 130 Schweizer Franken jedoch insgesamt zurückhaltender als JPMorgan. Ein automatisiertes Bewertungsmodell setzte den fairen Wert der Aktie zuletzt deutlich niedriger an und stufte den Titel als leicht überbewertet ein – ein Ausreißer gegenüber der überwiegend konstruktiveren Einschätzung der übrigen Häuser.

Zulassungen erweitern die Pipeline

Parallel zu den Geschäftszahlen erhielt Novartis mehrere regulatorische Fortschritte. Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte am 17. Juli die traditionelle Zulassung für Fabhalta zur Verlangsamung des Nierenfunktionsverlusts bei Patienten mit primärer IgA-Nephropathie. Am Dienstag kamen die EU- und Japan-Zulassung für Rhapsido gegen chronische spontane Urtikaria sowie die EU-Zulassung für die Gentherapie Itvisma hinzu. Diese Zulassungen untermauern die Strategie, das durch Patentabläufe schrumpfende Altgeschäft durch neue Wachstumsträger zu ersetzen.

Anleger richten den Blick nun auf den 27. Oktober, wenn Novartis die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Im November folgt zudem die Investorenkonferenz „Meet Novartis Management 2026“ in London, bei der der Konzern seine mittelfristige Strategie weiter konkretisieren dürfte.