Novo Nordisk steckt gerade in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld. Der Konzern baut seine Produktionskapazitäten auf zwei Kontinenten aus — und kämpft gleichzeitig gegen einen massiven Datendiebstahl.

Milliarden für neue Fabriken

In Tianjin investiert Novo Nordisk rund 200 Millionen CNY, umgerechnet knapp 30 Millionen Dollar, in den Ausbau seiner Produktionslinien. Das Werk ist ein zentraler globaler Fertigungsstandort: 60 Prozent der Produktion gehen in den chinesischen Markt, 40 Prozent in den Export. Seit 2003 hat der Konzern insgesamt mehr als 17 Milliarden CNY in China investiert — allein seit 2023 waren es 6 Milliarden CNY.

In Europa fließen rund 380 Millionen Dollar in einen Produktionsausbau im tschechischen Bohumil. Beide Investitionen sollen die Lieferkette für GLP-1-Präparate und Insulinprodukte stärken. In China hat Novo Nordisk außerdem „NovoJie“ eingeführt — nach eigenen Angaben das weltweit erste wöchentliche Kombipräparat aus Basalinsulin und GLP-1-Rezeptoragonist.

Ransomware-Gruppe fordert 25 Millionen Dollar

Während der Konzern seine Produktionskapazitäten ausbaut, läuft intern eine Untersuchung zu einem schwerwiegenden IT-Vorfall. Die Hackergruppe FulcrumSec behauptet, 1,3 Terabyte Daten aus internen Systemen gestohlen zu haben — darunter Quellcode, Unterlagen zu klinischen Studien, 30 trainierte KI-Modelle und fast 500 Gigabyte Mikroskopiebilder.

Die Gruppe fordert 25 Millionen Dollar Lösegeld. Novo Nordisk hat bislang nicht gezahlt. Der Konzern bestätigt, dass ein unbefugter Dritter auf interne IT-Systeme zugegriffen und pseudonymisierte Daten kopiert hat. Direkte Patientenidentifikatoren seien nach aktuellem Stand nicht betroffen. Betrieb und Lieferketten laufen weiter.

Oral-Wegovy zieht an

Trotz des Sicherheitsvorfalls läuft das Geschäft mit der oralen Version von Wegovy gut. Innerhalb von 22 Wochen nach dem US-Launch erreichte das Präparat drei Millionen Verschreibungen. Im Mai 2026 entfiel ein Drittel aller Wegovy-Rezepte auf die Tablettenform — bei Neuverschreibungen waren es sogar 40 Prozent.

Die Investmentbank Berenberg hat ihr Kursziel daraufhin auf 325 DKK angehoben, was rund 43,50 Euro entspricht, und hält an ihrer Kaufempfehlung fest. In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll die Tablette auch in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeführt werden.

Aktie unter Druck

Der Kurs notiert aktuell bei 37,62 Euro — ein Minus von rund 42 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 65,20 Euro vom Juni 2025. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 16 Prozent verloren. Immerhin liegt der Kurs leicht über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,85 Euro, der kurzfristig als Unterstützung dient. Der RSI von 50,7 signalisiert neutrales Momentum — weder überkauft noch überverkauft.

Novo Nordisk stützt den Kurs mit einem laufenden Aktienrückkaufprogramm über 15 Milliarden DKK, von dem bereits mehr als 5 Milliarden DKK genutzt wurden. Ob das reicht, um die Aktie nachhaltig zu stabilisieren, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Oral-Wegovy international Fahrt aufnimmt — und wie der Markt den Datenskandal langfristig bewertet.