Drei Millionen Rezepte in nur fünf Monaten, dazu ein Aktienkurs, der sich seit dem Jahrestief im März um über 40 Prozent erholt hat. Novo Nordisk liefert gerade den Beweis, dass die Tablettenform von Wegovy kein Nischenprodukt bleibt, sondern den gesamten Abnehmmarkt neu aufmischt.

Tabletten-Wegovy startet in Großbritannien durch

Am 6. Juli 2026 kam die orale Version von Wegovy offiziell auf den britischen Markt, erhältlich in vier Dosierungen von 1,5 bis 25 Milligramm. Für Patienten, die Spritzen meiden wollen oder müssen, ist das ein handfester Fortschritt. Eine Umfrage der National Pharmacy Association zeigt, wie groß die Nachfrage bereits ist: 76 Prozent der befragten Apotheken rechnen mit einer signifikanten Zahl neuer Patienten.

Fast die Hälfte der Apotheken, nämlich 49 Prozent, meldet bereits jetzt mehr Anfragen. Der Grund: Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte das Präparat erst im Juni 2026 zugelassen.

US-Markt: Medicare öffnet die Tür

Parallel dazu ist in den USA am 1. Juli 2026 das Programm „Medicare GLP-1 Bridge“ gestartet. Es öffnet älteren Patienten mit Adipositas den Zugang zu Wegovy, sowohl als Spritze als auch als Tablette. Der Clou: Berechtigte zahlen nur 50 Dollar Zuzahlung pro Monat, das Programm läuft bis Ende 2027.

Diese Regelung schließt eine Lücke, die bislang viele ältere Amerikaner von einer Behandlung ausschloss. Die Zahlen aus dem US-Markt untermauern den Trend. Über drei Millionen Rezepte für die orale Version wurden in fünf Monaten ausgestellt, 80 Prozent davon bei Patienten, die zuvor noch nie eine GLP-1-Therapie erhalten hatten.

Aktienrückkauf läuft nach Plan

Novo Nordisk treibt zudem sein Rückkaufprogramm voran. Bis zum 3. Juli 2026 kaufte der Konzern gut 23 Millionen B-Aktien zurück, zu einem Durchschnittspreis von 270,32 dänischen Kronen. Das entspricht einem Transaktionsvolumen von umgerechnet rund 6,2 Milliarden Kronen.

Das Gesamtprogramm hat ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Kronen und läuft seit Februar 2026. Ein Teilprogramm über 11,2 Milliarden Kronen startete im Mai und soll bis Februar 2027 laufen.

Pipeline liefert, Wettbewerb drückt auf die Margen

Auf der Forschungsseite präsentierte Novo Nordisk im Juni neue Daten zu CagriSema, einer Kombination aus Cagrilintide und Semaglutid. Das REIMAGINE-Programm zeigte deutliche Verbesserungen bei HbA1c-Werten und Körpergewicht bei Typ-2-Diabetikern. Die FDA-Entscheidung über eine Zulassung zur Gewichtsreduktion steht für das vierte Quartal 2026 an, der Zulassungsantrag läuft bereits seit Dezember 2025.

Weniger komfortabel ist die Lage bei den Lieferanten. Berichten vom 2. Juli zufolge fordert Novo Nordisk von einer größeren Zahl seiner Zulieferer außerordentliche Preisnachlässe. Wer nicht mitzieht, riskiert laut diesen Berichten künftige Aufträge zu verlieren. Das deutet auf wachsenden Kostendruck hin, trotz der starken Verkaufszahlen.

Charttechnik zeigt überkaufte Aktie

Der Kurs schloss zuletzt bei 43,24 Euro, nach einem Plus von gut 3 Prozent binnen einer Woche und über 21 Prozent im Monatsvergleich. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand gut 11 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt gut 6 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 68,9 und nähert sich damit der Schwelle, ab der Aktien technisch als überkauft gelten.

Auf Jahressicht steht die Aktie dennoch mit knapp 27 Prozent im Minus, und auch seit Jahresbeginn liegt ein kleines Minus von gut 3 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 61,20 Euro aus dem Juli 2025 trennen den Titel noch rund 29 Prozent. Die jüngste Erholungsbewegung von 30,25 Euro im März auf aktuelle Niveaus zeigt aber, dass der Markt die Wachstumsstory rund um die orale Wegovy-Version zunehmend goutiert.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Kombination aus britischem Markteintritt, US-Ausbau und CagriSema-Zulassung reicht, um die Aktie zurück in Richtung ihres Jahreshochs zu tragen.