Ein gescheiterter Härtetest für ein neues Wirkprinzip hat Novo Nordisk am Freitag empfindlich getroffen. Der dänische Pharmakonzern musste einräumen, dass sein Entzündungshemmer Ziltivekimab in der Phase-3-Studie ZEUS sein zentrales Ziel verfehlt hat – die Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Die Aktie schloss am Freitag bei 40,90 Euro und verlor auf Tagesbasis 8,48 Prozent, während sie zum Jahresanfang bereits 7,10 Prozent im Minus liegt.

Was die ZEUS-Studie zeigte

An der Untersuchung nahmen mehr als 6.300 Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten Entzündungswerten teil. Ziltivekimab senkte zwar erwartungsgemäß die Entzündungsmarker Interleukin-6 und hsCRP, drückte aber die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht signifikant – die Hazard Ratio lag bei 0,99 mit einem Konfidenzintervall von 0,88 bis 1,11. Damit verfehlte das Mittel klar den primären Endpunkt. Unter Ziltivekimab traten zudem mehr schwere Infektionen auf, bei der Gesamtmortalität zeigte sich hingegen kein Unterschied zu Placebo.

Novo Nordisk hatte das Präparat 2020 durch die Übernahme von Corvidia für 725 Millionen US-Dollar in die Pipeline geholt und darauf gesetzt, mit einer Entzündungshemmung einen neuen Zugang zur Herz-Kreislauf-Prävention zu erschließen. Konzern-Forschungschef Martin Holst Lange erklärte, die Ergebnisse lieferten wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die laufende Forschung. Zwei weitere Studien zu verwandten Fragestellungen, HERMES und ARTEMIS, laufen weiter; Ergebnisse werden erst in der ersten Hälfte 2027 erwartet. Nach Unternehmensangaben bleibt der Gewinnausblick für 2026 von dem Rückschlag unberührt, im dritten Quartal 2026 soll jedoch eine nicht zahlungswirksame Wertminderung anfallen.

Marktreaktion trifft die ganze Branche

Der Kurseinbruch blieb nicht auf Novo Nordisk beschränkt. Auch Aktien anderer Biotech-Unternehmen mit Entzündungsprogrammen gerieten unter Druck, weil Anleger nun grundsätzlich hinterfragen, ob hsCRP als Prädiktor für klinischen Nutzen taugt. Besonders deutlich traf es Monte Rosa Therapeutics, dessen Aktie um 27,5 Prozent einbrach, da das Unternehmen selbst an entzündungsbezogenen Wirkstoffen arbeitet. Auch Papiere von BioAge Labs, Neurocrine und Neumora gaben nach.

Trotz des scharfen Tagesverlusts zeigt der technische Blick auf Novo Nordisk ein gemischtes Bild: Die Aktie notiert weiterhin rund 1,35 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, hat sich also im längerfristigen Trend noch nicht grundlegend verschlechtert. Zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus Januar fehlen dem Papier jedoch inzwischen 25,45 Prozent. Ein RSI von 41,8 deutet auf keine akute Überverkauftheit hin, signalisiert aber auch keine unmittelbare Erholungstendenz.

Analysten zwischen Sorge und Kaufgelegenheit

Die Analysten von Jefferies und Citi bewerteten die Marktreaktion als übertrieben, stuften den Rückschlag jedoch zugleich als strategisch negativ ein – schließlich sollte Ziltivekimab dazu beitragen, Novo Nordisk über das Diabetes- und Adipositasgeschäft hinaus zu diversifizieren. Genau diese Abhängigkeit steht nun im Fokus: Nach Berichten stammten zuletzt rund 94 Prozent des Konzernumsatzes aus diesem Segment. Andere Marktbeobachter verweisen auf die inzwischen niedrige Bewertung – das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11 liegt nahe einem Mehrjahrestief – und sehen darin angesichts eines weiterhin wachsenden globalen GLP-1-Marktes eine mögliche Kaufgelegenheit.

Unterdessen laufen die Kerngeschäfte weiter: Die Wegovy-Tablette ist Berichten zufolge in den USA, Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten erfolgreich gestartet, während der Konkurrenzdruck durch Eli Lilly zunimmt. Novo Nordisk will kommende Woche, am 5. August, seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen – dann dürfte klar werden, wie stark der ZEUS-Rückschlag die Wachstumsstory des Konzerns tatsächlich belastet und ob das Unternehmen an seiner bisherigen Jahresprognose festhält.