Eigentlich hätte es ein guter Tag werden sollen für Novo Nordisk. Der Konzern hob seine Jahresprognose an. Die Aktie brach trotzdem ein.
Am Dienstag verlor das Papier 6,05 Prozent und schloss bei 38,39 Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 14,92 Prozent. Zum Rekordhoch von 54,86 Euro aus dem Januar klafft mittlerweile eine Lücke von 30 Prozent.
Bessere Prognose, schlechtere Stimmung
Novo Nordisk erwartet für das Geschäftsjahr 2026 nun einen Rückgang bei bereinigtem Umsatz und operativem Gewinn zwischen 0 und 6 Prozent. Die alte Prognose sah noch ein Minus von 4 bis 12 Prozent vor. Auf dem Papier eine klare Verbesserung.
Die Anleger reagierten trotzdem mit Verkäufen. Der Grund liegt im Detail der Zahlen, nicht in der Überschrift.
Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 2 Prozent auf 78,488 Milliarden dänische Kronen. Im Vergleich zum ersten Quartal war das aber ein Rückgang um 19 Prozent. Ein Sondereffekt aus dem Vorjahresquartal – eine Rückerstattung von Rabatten im Rahmen des US-Programms 340B – erschwerte den Vergleich zusätzlich. Bereinigt um solche Effekte legte der Umsatz um 7 Prozent zu.
Die Wegovy-Pille bleibt der Knackpunkt
Im Zentrum der Enttäuschung steht ein einzelnes Produkt: die orale Wegovy-Pille. Sie brachte im zweiten Quartal 3,22 Milliarden Kronen ein. Analysten hatten mit 3,27 Milliarden gerechnet – eine kleine Differenz mit großer Wirkung auf den Kurs.
Seit dem Marktstart im Januar hat die Pille die Marke von 5 Millionen Verschreibungen überschritten, wie CEO Mike Doustdar mitteilte. Das klingt nach Erfolg. Ein Analyst von Mizuho Securities sah den Verkaufsdruck dennoch genau in diesem Produktbereich begründet: Das fehlende Aufwärtspotenzial bei der Wegovy-Pille gegenüber den Erwartungen der Modelle drücke die Aktie.
Konkurrenz kommt von Eli Lilly. Der Rivale erhielt im April die FDA-Zulassung für seine eigene orale GLP-1-Pille namens Foundayo und brachte sie direkt auf den Markt. Novo Nordisk konkurriert damit nicht nur bei Injektionen, sondern jetzt auch im Tablettenformat mit dem größten Rivalen der Branche.
Aktienrückkauf läuft weiter – trotz Kursverfalls
Parallel zu den Zahlen bestätigte Novo Nordisk den fortlaufenden Aktienrückkauf. Bis zum 3. August hatte der Konzern B-Aktien im Wert von 7,5 Milliarden Kronen zurückgekauft, im Rahmen eines Gesamtprogramms von bis zu 15 Milliarden Kronen.
Der durchschnittliche Rückkaufkurs lag bei 278,35 Kronen je B-Aktie. Das Unternehmen kauft also weiterhin zu Kursen ein, die über dem aktuellen Niveau liegen. Nach den bisherigen Transaktionen hält Novo Nordisk inzwischen 44.249.480 eigene B-Aktien, das entspricht 1,0 Prozent des Grundkapitals.
Charttechnik zeigt anhaltenden Druck
Die Aktie notiert 6,25 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 40,95 Euro. Der RSI liegt bei 33,5 und signalisiert damit eine überverkaufte Lage, ohne dass sich bislang eine Gegenbewegung abzeichnet.
Zum 52-Wochen-Tief von 30,25 Euro aus dem März bleibt zwar noch Abstand. Die Geschwindigkeit des jüngsten Rückgangs zeigt aber, wie empfindlich der Markt auf jede kleinste Abweichung von den hohen Erwartungen an das GLP-1-Pillengeschäft reagiert – selbst wenn der Konzern insgesamt optimistischer in die Zukunft blickt.
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