Nach monatelanger Talfahrt kehrt langsam wieder Optimismus beim dänischen Pharmariesen ein. Eine überraschende Analystenaufwertung und bahnbrechende Studiendaten könnten die Wende einläuten. Steht Novo Nordisk vor einem Neustart?

Berenberg schlägt überraschend zu

Die deutsche Investmentbank Berenberg hat ihre Einschätzung zur Novo Nordisk Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft – ein klares Vertrauensvotum in schwierigen Zeiten. Dieser Schritt kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, während Anleger die jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen und die verschärfte Konkurrenzsituation verdauen.

Durchbruch bei oralem Abnehm-Medikament

Der Zeitpunkt der Aufwertung ist kein Zufall. Parallel veröffentlichte Novo Nordisk bahnbrechende Ergebnisse seiner OASIS-4-Studie im New England Journal of Medicine. Die orale Version des Semaglutid (25 mg) zeigte beeindruckende Gewichtsverlust-Ergebnisse:

  • Durchschnittlicher Gewichtsverlust von 13,6% gegenüber 2,2% unter Placebo
  • Fast 30% der Teilnehmer verloren mindestens 20% ihres Körpergewichts
  • Sicherheitsprofil vergleichbar mit der injizierbaren Version Wegovy

Diese orale Formulierung könnte ein Game-Changer werden, da viele Patienten Tabletten gegenüber Spritzen bevorzugen.

Schmerzhafte Restrukturierung läuft

Gleichzeitig vollzieht das Unternehmen unter neuem CEO Mike Doustdar eine der größten Umstrukturierungen seiner Geschichte. 9.000 Stellen werden gestrichen – etwa 11,5% der Belegschaft. Die Maßnahmen konzentrieren sich besonders auf Dänemark (5.000 Jobs) und sollen bis 2026 jährlich 8 Milliarden DKK einsparen.

Die Kehrseite: Einmalige Kosten von etwa 9 Milliarden DKK im dritten Quartal 2025 und eine gesenkte Gewinnwachstumsprognose für 2025 auf 4-10%.

Konkurrenzdruck bleibt hoch

Die radikalen Maßnahmen kommen nicht von ungefähr. Eli Lillys Zepbound erobert zunehmend Marktanteile im lukrativen GLP-1-Markt. Besonders in den USA macht zudem der Handel mit compoundierten Nachahmerpräparaten Novo Nordisk zu schaffen – laut Management der „wichtigste Einzelfaktor“ für schwindende Wegovy-Marktanteile.

Seit Jahresanfang verlor die Aktie etwa 46% an Wert und handelt deutlich unter ihrem historischen Bewertungsniveau. Das KGV von 13,56 liegt unter dem Branchendurchschnitt von 14,71 – weit entfernt vom Fünfjahresmittel von 29,25.

Pipeline bietet Lichtblicke

Trotz der kurzfristigen Herausforderungen bietet die Pipeline Zukunftschancen. CagriSema, eine Kombinationstherapie mit vielversprechenden frühen Ergebnissen, soll 2026 zur Zulassung eingereicht werden. Zudem arbeitet Novo Nordisk an Label-Erweiterungen für bestehende Produkte, etwa kardiovaskuläre Indikationen für Wegovy.

Die entscheidende Frage: Kann der Pharmariese mit seiner Innovationskraft und der strategischen Restrukturierung die Konkurrenz hinter sich lassen? Die jüngsten Entwicklungen geben zumindest Anlass zu vorsichtigem Optimismus.