Auf der gestrigen Hauptversammlung von Novo Nordisk sahen sich die Verantwortlichen mit deutlicher Kritik konfrontiert. Nach einem anhaltenden Kursrutsch und einer unerwartet schwachen Umsatzprognose für das laufende Jahr forderten die Investoren klare Antworten von der Führungsspitze. Während ein neuer US-Preisdeal für die Kassenschlager Wegovy und Ozempic die Margen spürbar belastet, ruhen die Hoffnungen nun auf anstehenden Medikamentenzulassungen.

US-Preisdeal drückt auf die Prognose

Der Unmut der Anteilseigner lässt sich direkt an der jüngsten Marktentwicklung ablesen. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits knapp 29 Prozent an Wert verloren und schloss am Donnerstag bei 31,84 Euro. Hauptgrund für die Talfahrt ist ein drastischer Strategiewechsel in den USA: Ein im vergangenen November geschlossener Preisdeal mit der US-Regierung senkt die Kosten für die Abnehmspritze Wegovy und das Diabetes-Medikament Ozempic von über 1.000 US-Dollar auf 350 US-Dollar pro Monat. Im Gegenzug erhält der Pharmakonzern eine dreijährige Zollbefreiung.

CEO Mike Doustdar macht diese Vereinbarung maßgeblich für den erwarteten Umsatzrückgang verantwortlich. Für das Jahr 2026 rechnet das Management mit Einbußen von 5 bis 13 Prozent, was die Schätzungen der Analysten deutlich verfehlte. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Übernahmeversuch eines auf Adipositas spezialisierten Start-ups im vergangenen Herbst an Pfizer verloren ging.

Dividende steigt trotz Gegenwind

Ungeachtet der angespannten Stimmung winkten die Aktionäre die zentralen Beschlüsse durch. Die Gesamtdividende für das abgelaufene Jahr steigt um 2,6 Prozent auf 11,70 Dänische Kronen je Aktie, was einer moderat erhöhten Ausschüttungsquote von knapp 51 Prozent entspricht. Auch personell setzt das Unternehmen auf eine Mischung aus Kontinuität und Erneuerung: Der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Rebien Sørensen wurde im Amt bestätigt, während das Gremium um drei neue Mitglieder erweitert wurde.

Parallel dazu treibt Novo Nordisk sein laufendes Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 15 Milliarden Kronen weiter voran. Bis zum 20. März wurden bereits knapp 7,8 Millionen Anteilscheine erworben, um den Kurs in der aktuellen Schwächephase zu stützen.

Um das Vertrauen der Investoren operativ zurückzugewinnen, richtet das Management den Blick nun auf die klinische Pipeline. CEO Doustdar setzt große Erwartungen in die bevorstehende Markteinführung des Kombinationspräparats CagriSema sowie der Hämophilie-Therapie Mim8. Flankiert werden diese Hoffnungen von anstehenden Phase-3-Studiendaten zu Etavopivat gegen Sichelzellanämie und Ziltivekimab für chronische Nierenerkrankungen, die im weiteren Jahresverlauf 2026 konkrete Impulse für eine fundamentale Erholung liefern sollen.