Ein Konkurrenzpräparat verliert 22,6 Prozent Körpergewicht in einer Studie. Genau diese Zahl treibt am Freitag den Aktienkurs von Eli Lilly – und setzt Novo Nordisk unter Zugzwang. Die Dänen mussten sich in den vergangenen Monaten ohnehin mit einem Rückschlag bei ihrem eigenen Hoffnungsträger CagriSema herumschlagen.
Lillys Retatrutide liefert neue Bestwerte
Eli Lilly präsentierte am Donnerstag weitere positive Phase-3-Daten für sein Abnehmmittel Retatrutide. Der US-Konzern plant, im ersten Quartal 2027 die Zulassung bei der FDA zu beantragen. Die wöchentliche Spritze soll wirksamer sein als bisherige Injektionen und Tabletten.
Der Wirkstoff setzt gleichzeitig an drei Hormonrezeptoren an. Das soll Lillys Führungsanspruch im milliardenschweren Markt für Abnehmspritzen zementieren. Novo Nordisk droht dagegen, mit den eigenen Nachfolgekandidaten den Anschluss zu verlieren.
In der zentralen TRIUMPH-3-Studie verloren Erwachsene mit schwerer Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung nach 80 Wochen unter der 12-Milligramm-Dosis im Schnitt 22,6 Prozent ihres Körpergewichts. Das entspricht rund 25 Kilogramm. Eine zweite Studie mit Patienten, die zusätzlich an Typ-2-Diabetes leiden, brachte einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20,8 Prozent. Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Verstopfung blieben im für diese Wirkstoffklasse üblichen Rahmen.
Lilly kann inzwischen auf fünf positive Spätphasen-Studien zu Retatrutide verweisen. Der Konzern stuft das Präparat als dritte Säule seines Abnehmportfolios ein – neben der Zepbound-Spritze und der kürzlich gestarteten Foundayo-Tablette.
CagriSema-Rückschlag wirkt nach
Novo Nordisk kämpft seit Monaten mit den Folgen einer enttäuschenden Studie. Das Kombinationspräparat CagriSema verfehlte im direkten Vergleich mit Lillys Tirzepatid sein Ziel. JPMorgan-Analyst Chris Schott urteilte im Februar 2026, das Ergebnis mache es für CagriSema schwer, verlorene Marktanteile gegenüber Lilly zurückzugewinnen. Zepbound bleibe damit klarer Marktführer.
Novo-Aktien reagierten auf die neuen Lilly-Daten nur verhalten. Der nächste konkrete Test für den Kurs ist die ausstehende FDA-Entscheidung zu CagriSema. Danach folgt Lillys geplanter Zulassungsantrag für Retatrutide Anfang 2027.
Citi sieht Kursdruck vor Quartalszahlen
Die verschärfte Konkurrenzsituation trifft Novo Nordisk ausgerechnet vor den Quartalszahlen am 5. August. Citi hat das Kursziel dennoch auf 330 dänische Kronen angehoben und verweist auf die Stärke des Wegovy-Tablettenstarts. Die Bank erhöhte ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2026 um 4 bis 5 Prozent, die Gewinnprognosen je Aktie für 2027 bis 2030 um rund 7 Prozent.
Kurzfristig erwartet Citi trotzdem Gegenwind. Für das zweite Quartal rechnet die Bank mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 27,2 Milliarden dänischen Kronen – ein Rückgang von 9 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse. Der Umsatz soll bei 72,7 Milliarden Kronen liegen, ein Minus von 1 Prozent. Beide Werte sind ohne die Effekte des US-Rabattprogramms 340B berechnet.
Der Rückgang spiegelt vor allem anhaltenden Preisdruck in beiden Kerngeschäften wider, sowohl bei Adipositas- als auch bei Diabetespräparaten. Der Start der oralen Wegovy-Tablette soll gegensteuern und laut Citi rund 4 Milliarden Kronen zum Umsatz beitragen.
Kurs zeigt Erholung mit Dellen
Novo-Nordisk-Aktien schlossen am Freitag bei 42,85 Euro, ein Plus von 1,19 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,49 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt aktuell 6,17 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 40,36 Euro – ein Hinweis darauf, dass sich die Erholung seit den März-Tiefs fortsetzt, auch wenn der Wettbewerbsdruck im GLP-1-Markt zunimmt.
Bis zu den Quartalszahlen am 5. August dürfte der Blick der Anleger vor allem auf zwei Terminen liegen: der ausstehenden FDA-Entscheidung zu CagriSema und Lillys angekündigtem Zulassungsantrag für Retatrutide. Ob der Schwung der Wegovy-Tablette den Preisdruck im Kerngeschäft ausgleichen kann, wird sich an den Zahlen zeigen.
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