Im weltweiten Milliardengeschäft mit Abnehmpräparaten gerät der dänische Pharmakonzern zunehmend unter Zugzwang. Während der US-Rivale Eli Lilly im zweiten Quartal laut Erhebungen des Datenanbieters IQVIA einen Marktanteil von 60,9 Prozent bei Adipositas-Medikamenten erreichte, fiel der dänische Hersteller auf 38,8 Prozent zurück.
Das Management um Vorstandschef Mike Doustdar reagiert darauf mit einem umfassenden Umbau der Außendarstellung und der Unternehmenskultur: Im Alltag tritt das Unternehmen künftig unter dem verkürzten Namen Novo auf, während die juristische Einheit weiterhin als Novo Nordisk A/S firmiert.
Gestern legte die Aktie im Handel um 1,8 Prozent auf einen Schlusskurs von 37,73 Euro zu. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier allerdings ein Minus von 14 Prozent und notiert 31 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro.
Wachsender Wettbewerb bei Tabletten
Hinter der optischen Runderneuerung steht der Versuch, den direkten Kontakt zu den Patienten auszubauen und verlorenen Boden gutzumachen. Im Gespräch mit dem US-Sender CNBC betonte Doustdar, Markenauftritt und Kulturwandel seien Teil desselben Vorhabens, um die Strategie im Adipositas-Rennen grundlegend zu überdenken. Das Unternehmen setzt dabei auf die interne Leitlinie „The Novo Way“, die Arbeitsabläufe vereinfachen und das Tempo im Vertrieb erhöhen soll.
Die Dringlichkeit zeigt sich besonders bei den oralen Darreichungsformen. Novos Wegovy-Tablette kam bis Juni zwar auf mehr als drei Millionen Verschreibungen in den USA. Doch Konkurrent Eli Lilly holt mit dem Anfang April eingeführten oralen Präparat Foundayo rasch auf. Nach Angaben des US-Konzerns entfallen dort bereits mehr als 30 Prozent der Neupatienten auf das eigene Mittel.
Analyst Evan Seigerman von BMO warnte indes davor, dass rein visuelle Anpassungen von den operativen Herausforderungen ablenken könnten. Für eine nachhaltige Trendwende seien klare Schritte im Kerngeschäft erforderlich.
Trennung von Ascendis Pharma
Parallel zur Neuausrichtung bereinigt das Management die Entwicklungspipeline. Gestern wurde das Ende der Zusammenarbeit mit dem dänischen Biotech-Unternehmen Ascendis Pharma bekannt.
Ascendis erhält die weltweiten Exklusivrechte an seiner TransCon-Technologie für metabolische und kardiovaskuläre Indikationen vollständig zurück, darunter auch das Entwicklungsprogramm für ein einmal monatlich zu verabreichendes Semaglutid-Präparat.
Beide Seiten trennten sich ohne verbleibende gegenseitige finanzielle Verpflichtungen. Bereits vor gut einer Woche hatte die Einstellung von Phase-3-Studien zum Hoffnungsträger Ziltivekimab für Ernüchterung gesorgt.
Welche operative Marschroute den Konzern wieder an die Spitze bringen soll, muss der Vorstand am 21. September darlegen. Auf dem anstehenden Kapitalmarkttag in London verlangen Investoren konkrete Antworten darauf, wie die Marktanteile gegen die US-Konkurrenz verteidigt werden sollen.
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