Novo Nordisk kommt nicht zur Ruhe. Nach der Talfahrt der vergangenen Wochen sorgt nun eine Abstufung von Morgan Stanley für neuen Druck auf die Aktie des dänischen Pharmakonzerns.
Die Bank senkte ihre Einstufung am 11. September von „Equal-weight“ auf „Underweight“ und begründete den Schritt mit einem gedämpften mittelfristigen Wachstumsausblick sowie der drohenden Patentklippe für den Wirkstoff Semaglutid. Das Kursziel von 250 dänischen Kronen impliziert nach Einschätzung der Analysten ein Abwärtspotenzial von mehr als 10 Prozent.
Der Kern der Sorge: Semaglutid, der Wirkstoff hinter den Blockbustern Ozempic und Wegovy, machte 2026 rund 75 Prozent der Konzernumsätze aus. In Europa und den USA droht in den frühen bis mittleren 2030er-Jahren der Patentschutz auszulaufen. Morgan Stanley geht in eigenen Modellrechnungen davon aus, dass Semaglutid 2031 noch 59 Prozent der Erlöse stellen wird – just zu dem Zeitpunkt, an dem die Folgen des Exklusivitätsverlusts einsetzen.
Marktanteile geraten unter Druck
Verschärft wird die Lage durch eine eigene Umfrage der Bank unter 200 US-Hausärzten. Sie deutet auf Marktanteilsverluste von Novo Nordisk in den kommenden 18 Monaten hin – vor allem an Eli Lilly mit den Präparaten Zepbound, Mounjaro und Foundayo, ab 2027 zusätzlich an das Konkurrenzmittel Retatrutide.
Aktuelle Verschreibungsdaten zeigen zudem eine Abschwächung beim Wachstum der Wegovy-Pille, nachdem das Präparat in der ersten Jahreshälfte 2026 noch kräftig zugelegt hatte. Nach Einschätzung der Analysten hat Eli Lilly über das sogenannte Bridge-Programm bereits den Großteil der Medicare-Patienten für sich gewonnen.
An der Börse zeigte sich die Reaktion unmittelbar: Am Freitag verlor die Aktie 2,6 Prozent und schloss bei 37,05 Euro. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 6,9 Prozent, binnen 30 Tagen sind es 5,9 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 16 Prozent zu Buche. Der RSI von 34,1 deutet auf eine technisch überverkaufte Situation hin, ein endgültiges Signal für eine Trendwende ist das jedoch nicht.
Townhall vor dem Kapitalmarkttag
Novo Nordisk selbst reagiert intern auf die angespannte Lage. Laut Bloomberg lud der Konzern seine Belegschaft für den 15. September zu einer Townhall-Versammlung ein, um über das „nächste Kapitel“ des Unternehmens zu sprechen – nur wenige Tage vor dem Kapitalmarkttag am 21. September.
Investoren dürften genau beobachten, welche strategischen Antworten das Management dort präsentiert, insbesondere mit Blick auf die Wachstumsperspektiven jenseits des laufenden Jahrzehnts.
Belastend wirkte zuletzt auch der Stopp zweier Studien zum Wirkstoff Ziltivekimab: Ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee hatte die Erfolgsaussichten der Untersuchungen HERMES und ATHENA als unwahrscheinlich eingestuft, nachdem bereits die frühere ZEUS-Studie enttäuscht hatte.
Novo Nordisk kündigte deswegen eine nicht zahlungswirksame Wertminderung für das dritte Quartal an, betonte aber, die operative Gewinnprognose für 2026 bleibe davon unberührt. Die einzige verbliebene Studie zu dem Wirkstoff, ARTEMIS, läuft als Akutbehandlung nach Herzinfarkten weiter, Daten werden für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet.
Operatives Geschäft trotzt den Belastungen
Trotz der Häufung negativer Nachrichten bleibt das operative Geschäft robust. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Novo Nordisk einen Nettogewinn von 21,0 Milliarden dänischen Kronen bei einem freien Cashflow von 42,5 Milliarden Kronen; der bereinigte operative Gewinn legte währungsbereinigt um 11 Prozent zu. Die Wegovy-Pille eroberte in den USA rund 90 Prozent des oralen Adipositas-Medikamentenmarktes und kam weltweit auf über 5 Millionen Verschreibungen.
Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten Umsatzwachstum zwischen 0 und minus 6 Prozent bei konstanten Wechselkursen – als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen niedrigere realisierte Preise, eine geringere Medicaid-Abdeckung für Adipositas-Behandlungen sowie den Verlust der Exklusivität für Semaglutid in Kanada und Brasilien.
Parallel dazu setzt Novo Nordisk sein Aktienrückkaufprogramm fort, das noch bis Februar 2027 laufen soll. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein solides Kerngeschäft trifft auf strukturelle Zweifel am langfristigen Wachstumspfad, die sich nun auch in der Analystenmeinung von Morgan Stanley niederschlagen.
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