Morgan Stanley hat Novo Nordisk heute von Equal-weight auf Underweight zurückgestuft. Als Begründung nennt das Analysehaus einen schwachen mittelfristigen Wachstumsausblick sowie Sorgen vor dem nahenden Patentablauf für Semaglutid, den Wirkstoff hinter Ozempic und Wegovy.
Die Aktie reagierte am Heimatmarkt in Kopenhagen mit einem Rückgang von 2,8 Prozent auf 278,2 dänische Kronen. Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 36,89 Euro, ein Minus von 3,1 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs.
Die Herabstufung reiht sich in eine ohnehin angespannte Woche für den Pharmakonzern ein. Erst am vergangenen Mittwoch hatte Novo Nordisk zwei weitere Spätphasenstudien zum Entzündungshemmer Ziltivekimab vorzeitig beendet, was Analysten von Oppenheimer dazu veranlasste, IL-6 als kardiovaskuläres Zielmolekül grundsätzlich infrage zu stellen.
Seither hat die Aktie rund 3,8 Prozent verloren. Hinzu kommt der Kursrückgang seit der Einführung der Wegovy-Tablette in Deutschland vor gut einer Woche, in deren Folge das Papier um 8,0 Prozent nachgegeben hat.
Nicht alle Stimmen am Markt teilen die Skepsis von Morgan Stanley. HSBC hob am selben Tag sein Kursziel von 300 auf 320 dänische Kronen an, beließ die Einstufung jedoch bei Hold. Die gegenläufigen Bewegungen zeigen, wie unterschiedlich Analysten die Aussichten des Konzerns derzeit gewichten – die einen sehen strukturelle Risiken durch den Patentablauf, die anderen honorieren operative Fortschritte.
Pipeline-Rückschläge belasten das Sentiment
Der Ausstieg aus den Ziltivekimab-Studien wiegt schwerer, als es zunächst schien. Novo Nordisk hatte auf den IL-6-Inhibitor als möglichen Wachstumstreiber jenseits des Diabetes- und Adipositas-Geschäfts gesetzt. Fällt dieser Kandidat weg, verengt sich der Blick der Anleger noch stärker auf Semaglutid – exakt jenen Wirkstoff, dessen Patentschutz laut Morgan Stanley mittelfristig ausläuft.
Positive Nachrichten gab es dennoch: In der STEP-Young-Studie der Phase 3 galten 40,4 Prozent der behandelten Kinder nach Semaglutid-Therapie und Lebensstiländerung nicht mehr als adipös. Solche Daten stützen das Argument, dass der Wirkstoff auch außerhalb der bisherigen Indikationen Potenzial hat. Am Kapitalmarkt konnten sie die Verkaufswelle jedoch nicht aufhalten.
Aktienrückkäufe laufen weiter, Kapitalmarkttag rückt näher
Trotz des schwierigen Nachrichtenumfelds setzt Novo Nordisk sein Rückkaufprogramm fort. Bis zum 4. September hatte der Konzern im Rahmen des auf 15 Milliarden dänische Kronen angelegten Zwölfmonatsprogramms bereits gut 32 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 281,63 Kronen zurückgekauft, was einem Transaktionsvolumen von rund 9 Milliarden Kronen entspricht.
Im Blick der Anleger steht nun der Kapitalmarkttag am 21. September in London. Dort dürfte das Management Stellung zur mittelfristigen Wachstumsstrategie und zum Umgang mit dem Patentablauf beziehen.
Die Guidance für das Gesamtjahr 2026, die im August eine adjustierte Umsatz- und Betriebsgewinnentwicklung zwischen 0 und minus 6 Prozent bei konstanten Wechselkursen vorsah, dürfte dabei erneut auf den Prüfstand kommen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball widersprüchlicher Analysteneinschätzungen.
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